Die Hohe Kunst des Geigenbaus

Magnet in der Ausstellung ist die Geige „Il Vesuvius“ von Antonio Stradivari. Was ihren Reiz ausmacht, weiß Ivana Iotta vom städtischen Kulturmuseum in Cremona (2. von rechts). Lucia Hornstein (rechts) aus Füssen diente dem Gast aus der Lombardei bei der Ausstellungseröffnung als Dolmetscherin. Foto: cf

Mit einer Sonate von Beethoven umrahmte das „Quartetto Di Cremona“ die Eröffnung zur großen Ausstellung „Cremona – 500 Jahre Metropole des Geigenbaus“ am Sonntag. Die vier Musiker sind nach ihrem Auftritt im Klosterhof unterm Zeltdach weiter in den Kaisersaal gezogen, wo sie ab 20 Uhr ihr eigentliches Konzert gaben. Besucher der Ausstellungseröffnung mussten sich nach der Kurz-Darbiertung noch etwas gedulden, bis sie vor der Vitrine berühmter Geigen wie mit der „Il Vesuvius“ von Antonio Stradivari im Refektorium stehen durften.

Vor diesem ganz besonderen – allerdings tonlosen – Erlebnis wurden einmal mehr die seit der Landesausstellung vor zwei Jahren aufgebauten freundschaftlichen Kontakte beider Städte untermauert. So sprach Paolo Bodini, der Direktor der Stradivari-Stiftung, über die weiter zu gestaltende Brücke der Geigenbauer, die derzeit noch 150 Werkstätten im Herzen von Cremona betreiben, zum Lautenbau am Lech, der mit Pierre Chaubert, Oliver Radke und Andreas Ott unter den Gästen bei der Ausstellungseröffnung vertreten war. Natürlich hat sich auch der Meister für Zupfinstrumentenbau, der Füssener Urs Langenbacher, unter die Ehrengäste gemischt. Jetzt, neu belebt, könnte der harmonische Kontakt zwischen beiden historischen Städten noch enger werden, meinte nicht Direktor Bodini. Die italienischen Gäste waren in einer großen Delegation nach Füssen gereist. Ivana Iotta, Direktorin des Kulturmuseums Cremona, erklärte den ersten Besuchern der auf mehrere Räume verteilten musikgeschichtlichen Schau die ausgestellte Bauteile und Geigen. Als Dolmetscherin fungierte dabei Lucia Hornstein, die zuvor schon Bürgermeister Iacob italienisch zur Seite gestanden hatte. Dieser berichtete über den ersten Schritt, den Füssen – „Wir waren noch ziemlich unsicher“ - Richtung Cremona ging. Die Resonanz in der Lombardei war positiv: „Somit haben wir jetzt hier eine Geigen-Ausstellung, wie es sie in Deutschland noch nie gab“, betonte Iacob unter Beifall. Gegenüber dem Kreisbote fasste Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller die wichtigsten Fakten über die neue Ausstellung zusammen, die täglich von 11 bis 17 Uhr im Museum der Stadt geöffnet ist. „Wir können hier Violinen der weltweit bedeutendsten Geigenbau-Dynastien aus Cremona vorstellen. Als Stammvater des Geigebaus gilt Andrea Amati.“ Von Amati ist eine Violine von 1566 zu bewundern. Laut Riedmiller stammt die ausgestellte Geige „aus der berühmten Instrumentengruppe für den französischen König Karl IX.“. Die Ausstellung spannt den Bogen von der auf Amati folgenden Schaffenszeit eines Francesco Ruggeri bis zur bereits erwähnten Stradivari-Geige Il Vesuvius. Nicht weniger in der Fachwelt berühmt sind die Stauffer-Violine von Guiseppe Guarnerius del Gesù (1734) und typisch fürs 19. Jahrhundert eine Violine Enrico Cerutis. „Dazu können wir Wettbewerbssieger der alle drei Jahre in Cremona stattfindenden großen Messe für die Instrumentenbauer präsentieren“, ergänzt Riedmiller. Mit Materialien und Werkzeugen aus den Werkstätten, Informationstafeln und den Videos werden solche Spitzenleistungen des historischen und zeitgenössischen Geigenbaus in der Füssener Ausstellung ergänzt. „Besucher erhalten einen guten Überblick“, so Geigenbaumeister Oliver Radke. Nicht zuletzt macht die Cremona-Schau, für die man sich auch Führungen unter einer sachkundigen Leitung der Füssener Geigenbauer aus der Altstadt wünschen würde, Lust auf einen Konzertbesuch. Am Mittwoch, 29. August, und dauert dann bis zum 9. September.

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