Walter Sirch zieht am Aschermittwoch beim Schneiderhanser vom Leder

Ein Musical wie ein Schnitzel

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Walter Sirch liest Schwangauern und Füssenern in seiner Starkbierrede die Leviten.

Schwangau – 34 Jahre mussten die Schwangauer auf diesen Satz warten, heuer nun kam er heraus: Paul Iacob ist lieber in Schwangau.

Was auf den ersten Blick verwundert, ist eigentlich nur konsequent: Der Füssener Bürgermeister trinkt Schwangauer Wasser, er geht zum Schwangauer Starkbieranstich und auch die Gesellschaft dort, neben Elisabeth von Elmenau, ist scheint‘s angenehmer.

Und wenn er aufgepasst hat, dann konnte er bestimmt noch etwas lernen bei der Starkbierrede von Walter Sirch. „Paul, hast g‘ hört!? Man muss bloß richtig rechnen!“

Wie das geht, hatte Walter Sirch sich beim Bucher Franz abgeschaut, Geschäftsführer der Tegelbergbahn. Der verkaufe nämlich seinen Gästen nicht nur die Bergfahrt zum Skifahren, sondern auch noch die Talfahrt dazu. Und spare sich so das Pistenpräparieren. Eine Win-Win-Situation dank des frühlingshaften Wetters, beschneien müsse er auch nicht. Und wahrscheinlich könnte er den Gästen im Sommer dann auch noch einen Skipass verkaufen mittels Crowdfunding.

Das muss, glaubt man den Worten Sirchs, so etwas sein wie Schupfnudeln: „Geh, helft mer. Kraut-Fanding, Kraut-Dingsbums“. So wie man es beim Muscial-Theater gemacht hat – Tickets verkaufen für eine Vorstellung, die es noch gar nicht gibt und nur zustande kommt, wenn alle Tickets verkauft sind. Das sei, so Sirch, wie wenn der Helmer Martin, also der Schneiderhanser, dem Gast das Schnitzel in Rechnung stelle und wenn dieser bezahlt habe, den Azubi losschicke um das Fleisch zu kaufen.

Dumm wär’s dann nur, wenn der Strom abgestellt würde oder das Gas. Aber das ist in 34 Jahren in Schwangau noch nie passiert.

Seit 34 Jahren Tradition 

Seit 34 Jahren gehört der Starkbieranstich beim Schneiderhanser zum Aschermittwoch wie Aschekreuz und Kehraus. Seit 34 Jahren ist es Usus, dass der regierende Bürgermeister das Fass Freibier anzapft. Was Stefan Rinke auch heuer mit zwei Schlägen gekonnt bewältigte, ohne eine Tropfen zu vergeuden.

Man habe überlegt, so Martin Helmer, ob und wie man auf das Unglück von Bad Aibling am Vortag reagieren solle. Aber der Starkbieranstich sei keine politische Veranstaltung, deshalb könne man trotzdem zusammenkommen. Und nur Paul Wengert habe seine Abwesenheit mit dem Bahnunfall begründet. Platz gehabt hätte er ohnehin nicht, denn einmal mehr war die Zahl der Gäste beim traditionell ersten Starkbieranstich im Landkreis deutlich angestiegen.

So kamen neben den Wirten und Hoteliers auch wieder Vertreter der Banken, der Wirtschaft und aus Politik und Exekutive. Das Faschings-Prinzenpaar, Maria I. und Lukas I. war angetreten, um dem Rathauschef den Schlüssel der Amtsgewalt wiederzugeben. Im Prinzip, so merkte Bürgermeister Rinke an, müsse man den Fassanstich wiederholen, da er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wieder in Amt und würden gewesen sei.

Darüber wurde aber gerne hinweggesehen, weshalb es nach dem „Oa’zapft is!“ hieß: Walter Sirch hat das Wort. Der freute sich zunächst, als Freibierliebhaber, dass seine Maß nicht mehr vom Rednerpult rutschen könne, um dann sogleich die Ereignisse der vergangenen Wochen abzuarbeiten. Den 90-iger von Luise Helmer, den 60-iger von Peter Helmer, die 75-iger (eigentlich 75.000 Euro) Spende der Stadt Füssen für die Bergwacht und das „Kraut-, Kraut-Dingsbums“, so Sirch, beim Musical. Immerhin seien die Füssener bei so was ja schon geschult, stellte Sirch fest.

Wenn es heiße, Freiwillige vor, trete man dort einen Schritt zur Seite um die Freiwilligen vorzulassen. Nur an der Kaiser-Max-Platz-Kreuzung, da ziehe man Zäune, um die freiwilligen Chinesen eben nicht vorzulassen.

Zum achten Mal dabei 

Warum aber fast niemand zum Brennabend bei Timo Steiger gekommen war, erschloss sich Walter Sirch nicht. Das sei der junge Gastronom so rührig und tät‘ so viel für den Ort, sogar den Schnaps gäb‘s umsonst. Aber außer der Familie Helmer komme keiner. Allerdings, wenn man höre, dass für 15 Liter Schnaps 150 Liter Starkbier eingebrannt würden, würde er persönlich auch das Bier vorziehen, gab Sirch zu, der heuer zum achten Mal die Starkbierrede hielt.

Maulwurf im Gemeinderat 

Gut eine Woche zuvor hatte er die Unterlagen erhalten, erzählte Sirch später, wobei Martin Helmer alles gesammelt habe, was sich so zuträgt.

Und am nächsten Tag habe er dann seine Rede geschrieben, die er allerdings nie ablese, sondern immer frei vortrage. So könne er dann auch auf das Publikum reagieren und deren Einwände entsprechend verbauen.

Dass er allerdings Paul Iacob zu diesem Satz würde verleiten könne, hatte sich Sirch wohl auch nicht träumen lassen, als er über den Maulwurf im Gemeinderat sinnierte. Immerhin konnte er erklären, warum Iacob ohne gedrucktes Programm auskommt. Da können sich keine Druckfehler einschleichen.

Übrigens möchte Sirch einen Bibelkreis für Männer aufmachen, völlig anonym natürlich. Dafür habe er nun diverse Frauenzeitungen im Abonnement, gestand der Marktoberdorfer dem Publikum. Und er habe auch schon einiges lernen können aus den Fachzeitschriften, über Suppen und Diäten etwa. Deshalb verstehe er mittlerweile die Frauen auch etwas besser.

Oliver Sommer

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