Die Caritas bietet in Füssen Sozialberatung für Asylbewerber an

Ratschläge in schwierigen Situationen

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Andrea Hollerbach startete nach ihrem Hochschulstudium als Sozialarbeiterin bei der Caritas. Dienstags lädt sie zu Gesprächen in Füssen ein. Ihre persönliche Asylsozialberatung seit September 2017 wird hier gut angenommen.

Füssen – Die Caritas bietet im Ostallgäu in verschiedenen Städten Asylsozialberatung an. Dazu gehört auch die Stadt Füssen.

Sozialarbeiterin Andrea Hollerbach steht dienstags in der Lechstadt Menschen, die nach ihrer Flucht Rat suchen als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Dabei steht sie auch in Kontakt mit Fachanwälten. „Diese Anwälte teilen gesetzliche Änderungen umgehend mit. Solche Hilfen sind wegen der drohenden Abschiebung oft von existenzieller Bedeutung“, erklärte die Beraterin im Gespräch mit dem Kreisbote. „Zu meinen Aufgabenbereichen gehört auch die Unterstützung bei der Entwicklung neuer Lebensperspektiven für die Zeit des Aufenthalts in Deutschland“, so Andrea Hollerbach. 

Ehrenamtliche schulen

Wichtig sei darüber hinaus die Schulung von ehrenamtlichen Mitarbeitern und das Anstoßen von ehrenamtlichen Projekten. Wenn Andrea Hollerbach dienstags von ihrem Wohnort Kempten nach Füssen ins Büro fährt, weiß sie, dass ein ausgefüllter Arbeitstag auf sie wartet. Die Sozialarbeiterin, die mit dem Studienabschluss Bachelor an der Fachhochschule Landshut ins Berufsleben startet, gehört zum Caritas-Team, das sich an unterschiedlichen Orten um Menschen kümmert, die zum Beispiel als Afrikaner mit der deutschen Bürokratie – oft durch eine Lappalie – in Konflikt geraten. Das könnte in Marktoberdorf der Fall sein, „wo mein Dienstsitz ist. Dort bin ich daher auch die meiste Zeit im Einsatz“, erklärt die neue Caritas-Angestellte, die aus Regensburg stammt.

 Die Woche beginnt für sie dort. Am Montagnachmittag besucht sie die Unterkunft in Pfronten. „Hier sind 45 Personen untergebracht. Wenn ich zum Essen eingeladen werde – was bei diesen freundlichen Familien oft vorkommt – muss ich leider ablehnen. Diese Zeit habe ich nicht“, erklärt Hollerbach. Seit September ist sie auch in Füssen vor Ort und berät dort immer dienstags. „Ich bin ab acht Uhr im Franz-Xaver-Seelos-Haus in der Hinteren Gasse“, so die Sozialarbeiterin. Das Caritas-Büro ist im Erdgeschoss zu finden.

Auf einem Blatt hat Hollerbach festgehalten, was diese neue Art von Service alles beinhaltet. „Asylsozialberatung“ heißt das Angebot der Caritas, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Dafür hat Andrea Hollerbach im Hochschulstudium entsprechende Qualifikationen erworben. In ihrem „Studiengang „Kinder und Jugendhilfe“ – ein „exklusives Angebot der Fachhochschule Landshut“ – habe sie sich „aus persönlichem Interesse“ zum Beispiel mit dem Thema „Migration“ beschäftigt. „Das war auch das Thema meiner Bachelor-Abschlussarbeit“, blickt sie zurück. Als eines ihrer Fächer, die sie belegt hat, nennt sie den „Umgang mit dem Islam“. 

In der Tat kommen zu ihr Menschen aus anderen Kulturen. Das setzt große Sensibilität voraus. „Wir beraten Menschen in ihrer schwierigen Lage, gemäß dem Menschen- und Leitbild der Caritas“, erklärt die Sozialarbeiterin. Ziel sei, den Aufenthalt in Deutschland für diese Menschengruppen nach der Flucht erträglicher und humaner zu gestalten. 

Schwierige Amtssprache

Der Einzelne ist oft überfordert, wenn er ein Schreiben erhält, dessen Amtssprache er nicht verstehe. „Auch ehrenamtlich tätige Asylhelfer fragen – meist telefonisch – häufig bei mir nach, denn gesetzliche Regelungen ändern sich“, gibt Hollerbach einen allgemeinen Überblick zu ihrem Büroalltag. „Die Menschen kommen mit ihrem Anliegen freiwillig in die Beratung, leider oft erst dann, wenn ihr Problem größer geworden ist. Sie wissen: Wir sind diejenigen, die ihnen helfen können.“ Dabei gehe es zum Beispiel um ein bestimmtes Formular, das „ausgefüllt und selbstverständlich termingerecht an der richtigen Stelle abgegeben werden muss. Manchmal genügt ein Telefonat, mit dem ich ein Problem aus der Welt schaffen kann“, erklärt sie. 

Problem: Wohnungssuche

Die Top-Beratungsthemen –Schulden, Schwangerschaft, Arbeit und Wohnen – unterscheiden sich laut Hollerbach nicht von den Herausforderungen, denen sich auch Einheimische oftmals stellen müssen. „Die ratsuchenden Menschen sind sehr dankbar, weil ich ihnen direkt helfen oder sie an eine zuständige Stelle verweisen kann.“ Dies gelte aber nicht für den Wohnungsmarkt. „Das ist ein Horrorthema“, so Hollerbach. Als Beispiel, wie Hilfe funktionieren kann und dadurch eine finanzielle Belastung abnehmen könnte, nennt sie Zuschüsse, die eine Familie mit Schulkindern etwas entlasten könne.

cf

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