Tourist Info zieht dafür ins „Haus Hopfensee“

Hopfen soll einen Dorfladen bekommen

Tourist Information Hopfen am See
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Die Tourist Information in Hopfen am See liegt in prominenter Lage direkt an der Uferstraße. Nun soll sie ins Haus Hopfensee ziehen, um Platz für einen Dorfladen zu machen. Vor Ort sollen die Gäste aber weiterhin Basisinformationen erhalten.
  • Katharina Knoll
    vonKatharina Knoll
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Füssen – Hopfen soll einen Dorfladen bekommen. An sich eine gute Idee, waren sich die Füssener Stadträte in ihrer Sitzung am Dienstag einig. Doch der geplante Standort bereitet nicht nur so manchem Hopfener Sorgen, sondern stieß auch bei der SPD-Fraktion auf Kritik. Denn der Laden soll in die Tourist Information, die in prominenter Lage direkt an der Uferstraße liegt, einziehen und die touristische Beratung ins Haus Hopfensee verlegt werden. Einen Schritt, den nicht nur Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier begrüßte, sondern auch die Mehrheit der Füssener Stadträte. 

„Eine Tourist Information ist im Tourismus eine heilige Kuh“, erklärte Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier am Dienstag den Stadträten. Wenn man diese anfasse, sei die Aufregung meist groß. Und so scheint es auch in Hopfen der Fall zu sein. „Ich habe noch nie so viele Anrufe bekommen“, sagte Martin Dopfer (Füssen Land). Offenbar hätten viele Angst, dass das nur der erste Schritt sei, um die Tourist Info in Hopfen ganz abzuschaffen. Deshalb forderte Dopfer, zuerst ein Meinungsbild der Hopfener einzuholen, bevor die Stadt erste Beschlüsse zu dem Thema fällt. „Ich finde das heute zu schnell geschossen.“

Tatsächlich scheinen sich die Geschehnisse zu überschlagen. Denn erst in der Februarsitzung hatte Andreas Eggensberger (CSU) überhaupt angeregt, dass Hopfen einen Dorfladen braucht – und nun liegen schon konkrete Ideen auf den Tisch.

Basisinfos gibt es weiterhin

Diese sehen vor, dass die Tourist Information ins Haus Hopfensee einzieht, genauer in die derzeitige Garderobe. Dort soll ein Fenster eingebaut werden, zwei Schreibtische hinkommen und ein Beratungsbereich entstehen, der auch genutzt werden kann, wenn die Tourist Information nicht in Betrieb ist. Neben der technischen Ausstattung müsse auch die optische Gestaltung stimmen, sagte Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier. Weil die Planung noch am Anfang steht, liegen noch keine konkrete Kosten für den Umbau auf dem Tisch. Aber: „Wir werden uns keinen Luxus leisten.“ Fredlmeier schätzt, dass die Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich liegen werden. „Wir schauen, dass wir eine Förderung kriegen.“

Doch auch an der bisherigen Tourist Info werden die Gäste weiterhin Basis-Informationen bekommen. Dafür soll ein Outdoor-Informator und eine Prospektauslage sorgen.

Vorteile sind größer als Nachteile

Insgesamt begrüßte der Füssener Tourismusdirektor das Projekt. Denn die Vorteile, die sich durch einen Dorfladen mit regionalem Warensortiment ergeben, seien größer, als die Nachteile, die die Verlegung der Tourist Information mit sich bringt. Einer davon werde sicher sein, dass weniger Tagestouristen die Tourist Info aufsuchen werden. Aber: „Der Tagesbesucher weiß in der Regel bevor er kommt, was er tun will.“ Er würden sich hauptsächlich digital informieren.

Urlauber, die einen längeren Aufenthalt planen, werden dagegen auch den neuen Standort aufsuchen – zumal sie dort besser parken können, ist Fredlmeier überzeugt. „Eine Beratung ist nicht austauschbar.“ Und auch die Gastgeber werden weiterhin ihre Beratung bekommen. „Keiner braucht Angst zu haben, dass der Tourismus schlechter wird“, unterstrich der Tourismuschef. Und: „Es muss sich keiner um seinen Arbeitsplatz Sorgen machen.“

Zu den Vorteilen, die die Umsiedlung mit sich bringt, zählt zudem, dass das Haus Hopfensee aufgewertet werde. „Diese Wechselwirkung ist sehr, sehr wertvoll“, meint Fredlmeier.

„Wir alle sind angehalten, die Qualität und die Grundfunktionen des gesamten Lebensraumes für Einheimische und Gäste gleichermaßen im Auge zu behalten“, sagte der Tourismusdirektor. „Jegliche einseitige Betrachtung nur aus der Branchenbrille springt zu kurz.“

Daneben begrüßt Fredlmeier auch persönlich das Projekt. „Ich wohne selbst in Hopfen. Ich freue mich über eine Dorfladen. Der fehlt.“ Deshalb wäre das für den Ortsteil eine „extreme Aufwertung“, meinte er.

Dieser Überzeugung waren auch viele Stadträte. Gerade in der Corona-Pandemie habe Simon Hartung (CSU) beim Thema Einkaufen selbst festgestellt, „wie schlecht wir in Hopfen versorgt sind und wie schwierig es ist, an regionale Produkte zu kommen.“ Als Vorsitzende des Tourismusvereins Hopfen am See hätten er und Peter Hartung (CSU) außerdem keine Kritik zu den Verlegungsplänen gehört. „Unsere Leute halten normalerweise nicht hinterm Berg, wenn was stört.“

Zuerst nach Alternativen suchen

Diese Erfahrung hat auch Bernhard Eggensberger (Füssen Land) gemacht. Er habe zwei Umfragen zu dem Thema gestartet. Das Ergebnis: „Der Großteil steht hinter der Verlegung der Tourist Information und dem Dorfladen.“ Nur drei hätten das Projekt abgelehnt – ohne Gründe dafür zu nennen. „Ich habe sehr viele gute Argumente zum Umzug gehört, aber kein stichhaltiges dagegen.“

Zu schnell ging das Ganze jedoch der SPD-Fraktion. „Wir wollen keinen Dorfladen aufhalten“, sagte Erich Nieberle. Aber: „Für uns ist nicht erkennbar, obs nicht andere Alternativen gibt.“ Zumal durch den Dorfladen mehr Verkehr in den Ortsteil hineingezogen werde. Deshalb sprach sich Ilona Deckwerth auch dafür aus, die Tourist Info, „diesen wunderbaren Ort des Tourismus“, so zu belassen wie er ist.

Verhandlungen für Parkplätze laufen

Doch die Sache sei alternativlos. Einen anderen Platz für einen Dorfladen gebe es nicht. Das unterstrichen nicht nur Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) und Fredlmeier, sondern auch Bernhard Eggensberger. Denn an anderen möglichen Standorten fehlen die nötigen Parkplätze. Diese könnte die Stadt jedoch hinter der derzeitigen Tourist Information anlegen. Die Stadt sei deswegen bereits in Verhandlung mit dem Grundstückseigentümer, informierte der Rathauschef.

Übrigens: Mit dem Turbogang, mit dem das Projekt voranschreitet, hat dieser nichts zu tun. „Angeschoben habt ihr das“, sagte Eichstetter in Richtung der Stadträte. Es hätte viele Termine dazu gegeben, von denen er selbst nichts wusste. Das erklärte Bernhard Eggensberger mit den Umbauarbeiten, die derzeit im Haus Hopfensee über die Bühne gehen. Dort werkeln derzeit auch Vertreter der Hopfener Vereine. Man trifft sich, man redet – und so nahm das Ganze an Fahrt auf. „Das Eine ergibt das Andere“, so Eggensberger.

Am Ende sprachen sich die Stadträte – bis auf die SPD-Fraktion – grundsätzlich für einen Dorfladen in der jetzigen Tourist Information aus. Die Stadtverwaltung soll nun die Kosten ermitteln und eine Ausschreibung für das Gebäude in der Uferstraße erstellen.

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