Infoveranstaltung Mobilfunk: Hopfener befürchten Strahlung und Einbußen im Hotelgewerbe

Mobilfunkmast sorgt für Ärger

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Im Namen von Netzbetreiber Vodafone gibt Christian Schilling (links) Auskunft. Mit zahlreichen Fragen zum stark steigenden Datenverkehr und den vorgeschlagenen beiden neuen Standorten in Füssen und Hopfen konfrontieren die Bürger das Podium mit Experten und Vertretern der Stadtverwaltung.

Füssen – Jederzeit und überall telefonieren zu können und erreichbar zu sein, ist mit Konsequenzen verbunden. In Hopfen wäre das ein nicht zu übersehender Mast mitten in der Natur. Doch dagegen formiert sich Widerstand: Die einen stört die Optik, den anderen ist die Strahlung suspekt.

Zum Jahresende 2015 muss in Eschach der Mobilfunksendemast abgebaut werden (der Kreisbote berichtete). Um den gesetzlichen Bestimmungen für eine flächendeckende Versorgung nachzukommen, ist nach Angaben aus dem Rathaus ein neues Mobilfunk-Konzept auf den Weg gebracht worden. 

Zwei von drei notwendigen Ersatzstandorten sind – wie berichtet – bereits ermittelt. Planung, Ortsbegehungen und der Schritt zur diskussionswürdigen Vorlage haben vier Jahre in Anspruch genommen. Wie auf dem Podium betont wurde, wurden der Fischer- und auch der Galgenbichl zu „geeigneten Standorten“ erklärt. 

Eingeladen hatte Bürgermeister Paul Iacob (SPD), der die dreistündige Veranstaltung mit 100 Besuchern im Saal eröffnete. Es gehe um die kleinen Geräte, von denen vor allem auch die Hände der Kinder nicht lassen können, wie Stadtrat Martin Metzger (BFF) den Stimmen entgegenhielt, die aus Hopfen am liebsten einen Vorreiter fürs Dorf ohne Mobilfunk machen würden. 

Handy statt Festnetz 

Die Experten, Frank-Peter Käßler von der Telekom, und Christian Schilling von Vodafone, machten in ihren Kurzreferaten deutlich: Mit dem Kauf und der Nutzung von Handys und ähnlichen Geräten mit Internetzugang stimmt „der Bürger“ selbst über den Ausbau der Netze ab. Notwendig macht die Investition insbesondere auch ein Trend: Es wird zunehmend aufs Festnetz zugunsten dieser mobilen Geräte verzichtet, wie nicht nur die Telekom im Kundenverhalten sehe. Man nutze das eigene Handy nicht mehr nur für schnelle telefonische Verbindungen, sondern auch um Daten zu speichern und zu verschicken. 

Eine Flut von Daten rase heute vom Sender zum Empfänger. Doch von diesen Erklärungen ließen sich die Versammelten nur mäßig beeindrucken. Ihnen brannten viele Fragen auf der Seele. Auch massive Kritik an der Rathaus-Informations-politik kam auf. Dennoch ging die Fragerunde sachlich über die Bühne. Kurz wurde es auch mal lustig, als eine Frage aus dem Publikum an den „Herrn Bürgermeister Gangl“ ging. 

Insgesamt wurde aber deutlich: Die Optik stört. Das war nicht nur einmal zu hören. Auch Stadtrat Metzger meinte, dass das „ein nicht unbedeutender Faktor“ sei. Trotzdem sei es keine denkbare Lösung, so die Experten, den Masten beispielsweise wie in Kairo zwischen Palmen anzusiedeln. Somit bleibe es beim Stahlgittermast. Doch von dem Masten, der bis zu 35 Meter hoch werden soll, befürchtete Simon Hartung eine „Schädigung des Hotelgeschäfts“. 

Ist Strahlung gefährlich? 

Eine Gefährdung der Gesundheit prophezeiten dagegen andere Teilnehmer, die sich zu Wort meldeten. Über die Immissionswerte wurde im Detail diskutiert. Hier gab Dr. Peter Nießen vom Kölner EMF-Institut Auskunft, das Studien über die Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt erstellt und hier seit Jahren mit der Stadt Füssen zusammenarbeitet. Nießen gab „mit Blick auf die in Deutschland zulässigen Grenzwerte“ Entwarnung. „Umso höher der Mast, umso geringer fällt die Strahlung aus“, erklärte er. 

Im bewohnten Gebiet Hopfens sei daher durch den Sendemast am Fischerbichl lediglich eine Immission von ein bis zwei Milliwatt pro Quadratmeter zu erwarten. 

Guter Kompromiss? 

Stadtrat Dr. Hans Martin Beyer (CSU) wollte wissen, ob es zu den vorgeschlagenen Standorten eine Alternative gebe. Es handle sich hier aus technischen Sicht gar nicht „um die erste Wahl“, antwortete Käßler. Wie Schilling, der auf die Konsequenzen hinwies, falls der Plan abgewiesen werden sollte, charakterisierte er das Vorhaben als Ergebnis eines „vernünftigen Kompromisses“. 

Sollte es jedoch hinsichtlich Fischer- und Galgenbichl zu keiner Lösung kommen, werden die Anbieter voraussichtlich mehrere kleine statt zwei große Sendemasten im Stadtgebiet aufstellen. Dass die Bürgerschaft, die Kommune und die beiden Netzbetreiber an einem Strang ziehen werden, ließ der Versammlungsverlauf aber nicht erkennen. So kritisch die Hopfener den Mobilfunkmast in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft sahen, so entspannt sind offenbar die Füssener. 

Denn Befürchtungen, falls ein Mast auf dem Galgenbichl aufgestellt wird, wurden im Saal nicht geäußert. Bürgermeister Iacob kündigte am Ende des Informationsabends an, die Mobilfunk-Pläne „noch einmal zu prüfen“. Wie Füssens Hauptamtsleiter Andreas Rist danach im Gespräch mit dem Kreisboten erklärte, „wird dies mit der größten Sorgfalt geschehen. Wir verstehen die hier geäußerten Bedenken aus Hopfen.“

Chris Friedrich

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