Hotels und Gaststätten in Füssen und Umgebung warten noch auf die versprochenen Hilfen

Hotels in der Corona-Krise: Mit dem Rücken zur Wand

Restaurant ohne Besucher in Füssen
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Leere Hotels und Restaurants bringen die Unternehmen in Existenznöte. Erschwerend hinzu kommt, dass die vom Staat versprochene Hilfe ausbleibt.

Füssen/Landkreis – Seit mehr als zwei Monaten sind Hotels- und Gaststätten wegen der Corona-Krise wieder geschlossen, die Einnahmen sind weggebrochen und eine Wiedereröffnung ist nicht absehbar. Um das aufzufangen, hatte die Bundesregierung Wirtschaftshilfen für November und Dezember in Aussicht gestellt. Bisher habe aber noch kein Betrieb in Füssen und dem Ostallgäu dieses Geld erhalten. Lediglich Anzahlungen seien geleistet worden, sagte Wolfgang Sommer, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Bayern e. V. (DEHOGA Bayern) Ostallgäu und Geschäftsführer des Hotels „Sommer“. Die Folge: Vielen Hoteliers und Gastronomen geht langsam die Puste aus. 

So habe ein Betrieb, der im November 100.000 Euro beantragt hätte, bislang vielleicht eine Anzahlung von 10.000 Euro bekommen, erläutert Sommer gegenüber dem Kreisboten. Dabei ist diese Anzahlung nicht mehr als ein „Tropfen auf den heißen Stein“, die in Anbetracht der hohen monatlichen Betriebs- und Instandhaltungskosten schnell wieder verpuffe. „Unsere Betriebe stehen an der Wand“, betont er. Zwar mache er der Politik keinen Vorwurf hinsichtlich Zwangsschließungen, der Staat habe den Betrieben aber versprochen, sie unbürokratisch und schnell zu entschädigen. Doch noch immer würden sie auf die beantragten Wirtschaftshilfen warten oder zumindest darauf, endlich einen Bescheid zu bekommen.

Als Grund für die Auszahlungsverzögerungen der Novemberhilfe beruft sich der Pressesprecher des Bayerischen Wirtschaftsministeriums auf Nachfrage darauf, dass das für die Bewilligung erforderliche IT-System vom Bund erst am 12. Januar 2021 zur Verfügung gestellt werden konnte. Bislang hätten in Bayern 50.400 Unternehmen Novemberhilfen und 26.600 Unternehmen Dezemberhilfen mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro beantragt. Durch Abschlagszahlungen seien bereits rund 460 Millionen Euro in die Unternehmen geflossen.

Zahlungen bleiben aus

Für sein eigenes Vier-Sterne Hotel hat Sommer den Antrag für die Novemberhilfe erst im Januar ausfüllen können, doch bisher sei „noch nichts auf dem Konto“. Er habe lediglich eine Information bekommen, dass eine Anzahlung erfolgen solle. Im November hatte Sommer seine 50 Mitarbeiter größtenteils in Kurzarbeit geschickt, nur das Telefon hält er noch besetzt und der Hausmeister arbeitet weiterhin.

Doch trotz der Schließung „verbrät“ sein Betrieb durch die enorm hohen Betriebskosten „Geld ohne Ende“, auch im Zwangsstillstand. So müsste das Wasser geprüft, die Leitungen und das Hallenbad regelmäßig gereinigt werden. Und auch auf das Heizen könne nicht verzichtet werden, sonst könnten die Leitungen einfrieren. Ein Herabsenken der Wassertemperatur sei ebenfalls nicht möglich aufgrund der Gefahr einer Legionellenbildung. Wartungsverträge, wie beispielsweise die Prüfung und Instandhaltung der 400 installierten Brandmelder würden weiterhin laufen und Kosten verursachen, von der Gebührenerhöhung der Energieversorger ganz zu schweigen.

„Trotz des Lockdowns habe ich fast die gleichen Aufwendungen für Heizung und Strom, wie zu Betriebszeiten“, gibt auch Andreas Eggensberger, Geschäftsführer des gleichnamigen Biohotels in Hopfen, im Gespräch mit unserer Zeitung zu bedenken. So liegen die monatlichen Fixkosten des Biohotels im hohen fünfstelligen Bereich. Mit einem Fixkosten-Zuschuss sollen die Betriebe im Januar vom Bund weiter unterstützt werden. Dass jedoch alle „Fixkosten“, die jetzt zur Aufrechterhaltung des Betriebes nötig sind, als solche anerkannt werden, bezweifelt der Hotelier.

So gebe es eben einen hohen Anteil an variablen Kosten, die zur Aufrecht- und Instandhaltung nötig seien und nicht entsprechend gesenkt werden können. Dazu gehörten etwa Heizung, Nachtbeleuchtung, oder die Kosten für die EDV- und Telefonanlage. Bekäme er also von den angegebenen Fixkosten nur die Hälfte anerkannt und 90 Prozent davon, würden ihm unterm Strich monatlich mehrere 10.000 Euro fehlen. „Bei weiteren fünf bis sechs Monaten ohne Einnahmen wird das dann ganz schön happig“, sagt der Hotelier. Längst hätten viele Hotels „sechsstellige Minusbeträge“ auf den Konten. Und um weiterhin liquide zu bleiben und die Vorauszahlungen für das Kurzarbeitergeld leisten zu können, müssten die Betriebe weiter verschulden.

Dicht bis Pfingsten?

„Ich kenne keinen Betrieb, der in dieser Zeit keinen Kredit aufgenommen hat. Und diese müssen irgendwann auch wieder zurückgeführt werden“, sagt auch DEHOGA-Kreisvorstand Sommer. Für die Kompensation dieser enormen Schuldenlast rechnen die Hoteliers mit bis zu zwölf Jahren. Auch die Beantragung des Kurzarbeitergeldes sei für die deutschen Hotel- und Gaststättenbetriebe umständlich, immer wieder müsse ein Nachantrag gestellt werden.

Dagegen liefe im benachbarten Österreich alles schneller, einfacher und viel unbürokratischer ab, bemerkt Sommer. So könnten die Hotel- und Gaststättenbetriebe im Nachbarland die Beantragung der Wirtschaftshilfe selbst und ohne einen Steuerberater vornehmen. Auch die entsprechenden Hilfsgelder fielen höher aus. Zudem hätten viele der dortigen Betriebe die Auszahlung bereits im November erhalten.

Mittlerweile seien viele Betreiber dermaßen frustriert und hätten „die Nase so voll“, dass laut einer DEHOGA-Umfrage rund 50 Prozent der Hotel- und Gaststättenbetreiber signalisiert hätten, bei einem entsprechenden Angebot ihren Betrieb zu veräußern, gibt Eggensberger zu bedenken. Letztendlich fehle es aber nicht nur an der Liquidität, sondern auch an einer Planungssicherheit. Denn mit einer Öffnung vor Pfingsten sei nicht zu rechnen, darüber sind sich beide einig.

Tamara Lehmann

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