Die 25 Jahre alte Cornelia Merkl aus Hopfen ist Deutschlands beste Fahrzeuglackiererin

Alles im Lack

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Hat eine ruhige Hand und ein gutes Auge: Cornelia Merkl (25) aus Hopfen.

Hopfen am See – Manchmal passiert es, dass ein Spengler ein Fahrzeugteil bringt, und Cornelia Merkl es ihm gleich wieder mitgibt.

Nacharbeiten bitte, dann wiederkommen. Denn beim Lackieren sieht man jede Unebenheit. „Geht’s heut so genau“, wird da gemurrt. „Ja, heut geht’s genau“, lautet dann die Antwort.

Ihren Qualitätsanspruch verteidigt die 25-Jährige inzwischen mit mehr Selbstbewusstsein als früher: Merkl ist seit Oktober nicht nur Bayerns beste Fahrzeuglackiererin. Seit November ist sie die Beste in Deutschland. Als junge Frau mit 16 Männern in einer Werkstatt? In der Männerdomäne Auto? 

Für die junge Frau aus dem Füssener Ortsteil Hopfen am See kein Problem. „Mit Männern sind Probleme gleich bereinigt. Da geht’s kurz hin und her, dann ist ein Streit geklärt“, sagt sie. Den unkomplizierten Umgang schätzt sie und fühlt sich wohl im Füssener Karosseriebetrieb Menhofer, wo sie auch die Ausbildung machte. 

Zuhause war man über die Berufswahl zuerst nicht glücklich. „Wir hatten gesundheitliche Bedenken“, sagt Mutter Maria. Der Lack, die Dämpfe. Inzwischen ist sie jedoch beruhigt: „Die sind durch Maske und Anzug doch gut geschützt.“ 

Aber am wichtigsten: Ihre Tochter ist glücklich. Im Erstberuf als Bürokauffrau war sie das gar nicht. Jeden Tag im Büro sitzen. Papierstapel abarbeiten, immer in den Bildschirm starren. Das wollte Merkl ändern. In jedem Urlaub machte sie ein Praktikum, etwa beim Fotografen oder beim Zahntechniker. „Ich hab schon immer viel gemalt, ich muss was mit den Händen machen“, sagt sie. 

Nach der Lackierer-Lehre ging es dann Schlag auf Schlag: Im Juli Innungssiegerin. Im Oktober der Sieg bei der Bayerischen Handwerkskammer mit ihrer Arbeit zum Thema Augsburger Puppenkiste. Im November Siegerin beim Bundesleistungswettbewerb in Bonn. 

Im Betrieb freuten sich alle mit ihr, schenkten ihr persönlich gravierte Weizengläser. „Weil ich so gerne Weißbier trinke“, gesteht sie. Dabei sind Autos trotz aller Begeisterung eher Nebensache. Muss gar nicht schnell sein – schön muss so eine Kiste sein! Privat fährt sie einen der letzten Scirocco, die VW gebaut hat. Ihr Traum sind US-Muscle Cars: Autos wie ein Ford Mustang – nicht für den Alltag, sondern fürs Auge. „Da lachen sie mich in der Arbeit immer aus“, sagt sie. 

Egal: „Seit ich den Wettbewerb gewonnen hab, geh ich souveräner durchs Leben.“ Denn dass Lackieren – noch dazu mit einer Profi-Lackierpistole – eine Kunst ist, weiß jeder, der schon mal mit der Sprühdose gescheitert ist. „Man braucht Fingerspitzengefühl“, sagt Merkl: beim Abkleben und beim Auftrag. Ein Auge für die Farbtonfindung, „viel Gefühl eben.“ Nichtsdestotrotz ist es ein harter Beruf. „Wenn ich abends heimkomme, bin ich schon kaputt“, sagt sie. Denn den ganzen Tag im Schutzanzug und unter der Atemmaske schwitzen – das hält nicht jeder aus. Aber ihr Kopf, so Merkl, ist frei – anders als früher im Büro. 

Gut, dass es im bayerischen Handwerk Frauen wie Cornelia Merkl gibt.

Klaus Mergel

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