Im kommenden Jahres soll in Füssen die Trachten-Ausstellung »Sehnsucht nach Heimat« stattfinden 

Ein Füssener Sommer im Zeichen des Brauchtums

Mann und Frau in Tracht
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Die Geschichte und Geschichten der vier Füssener Trachtenvereine sollen im kommenden Jahr in einer großen Sonderausstellung im Füssener Stadtmuseum gezeigt werden.

Füssen – Es ist auch ein Zeichen der Zuversicht in Zeiten der Corona-Krise: im Sommer 2021 soll in Füssen die große Sonderausstellung „Sehnsucht nach Heimat – Trachtenkultur im Füssener Land“ stattfinden und rund 30.000 Besucher anlocken. Die Eröffnung der Veranstaltungsreihe, die vom Museum der Stadt und der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben ausgerichtet wird und sich bis in den Oktober ziehen soll, ist für den 1. Juli geplant. Im Kultur- und Finanzausschuss stieß das Vorhaben kürzlich auf breite Zustimmung: ohne Gegenstimme machten die Stadträte den Weg frei für das Projekt und bewilligten obendrein noch das dafür notwendige Geld.

Ziel der großen Sonderausstellung mit rund 100 Veranstaltungen zwischen Juli und Oktober kommenden Jahres ist es, erstmals die reichhaltige und vielfältige Trachtenkultur vor Ort und ihre Entstehungsgeschichte in einer Ausstellung darzustellen. „Mit dieser Ausstellung wird erstmalig der über einhundertjährige kulturelle Einsatz der örtlichen Trachtenvereine einem breiten, überregionalen Publikum lebendig vermittelt“, heißt es in einer Präsentation. Die Initiative für die Veranstaltungsreihe gehe auf die vier heimischen Trachten- und Heimatvereine „D‘Neuschwanstoaner Stamm Füssen“, „Almrausch Füssen“, „D‘Falkenstoaner Weißensee“, sowie den Trachten- und Heimatverein „Burg Hopfen“ zurück, berichtete Museumsleiter Dr. Anton Englert. Diese seien in den Jahren nach 1900 vor allem von den damaligen Arbeitern in den Hanfwerken gegründet worden, die aus verschiedenen Bereichen Oberbayerns nach Füssen kamen und ihre Liebe für Schuhplatteln und Trachten mitbrachten und lebten – auch, um sich ein Gefühl der alten Heimat in der Fremde zu bewahren. In der Lechstadt kam es so zu einer Vermischung der unterschiedlichen Traditionen und Brauchtümer. „Die Vereine haben nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel dazu beigetragen, für Füssen identitätsstiftend nach außen und innen und zu wirken“, sagte Englert. Das solle mit der Sonderausstellung gezeigt und gewürdigt werden.

Das Programm

Die feierliche Eröffnung der Sonderausstellung „Sehnsucht nach Heimat – Trachtenkultur im Füssener Land“ soll am 1. Juli 2021 im Kaisersaal stattfinden. Begleitend zur Ausstellung gibt es ein buntes Rahmenprogramm, das am 2. Juli mit einem Wirtshauslieder-Singen mit dem Bezirksmusikpfleger des Bezirks Schwaben in den Wirtshäusern der Altstadt, startet. Für den 3. und 4. Juli ist ein großer Trachtenmarkt in der Altstadt mit Auftritten der Trachtenvereine aus dem Stadtgebiet und dem Oberen Lechgau-Verband geplant. Außerdem soll am 3. Juli abends ein Kirchzug mit Festgottesdienst und Festzug durch die Altstadt anlässlich der Nachtweihe der Fahne der „D‘Neuschwanstoaner“ stattfinden. Darüber hinaus sind ergänzend zur Sonderausstellung im Stadtmuseum weitere rund 100 Veranstaltungen zwischen Juli und Oktober mit sämtlichen Trachtenvereinen und Musikkapellen aus Füssen und dem Ostallgäu geplant. Während das städtische Museum für die Ausstellung zuständig ist, ist für das Rahmenprogramm das „Allgäuer HEIMATwerk“ federführend.

Neben dem städtischen Museum, den vier Füssener Vereinen und der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben ist auch das „Allgäuer HEIMATwerk“ von Richard Hartmann mit im Boot. Der Vorstandssprecher der „D‘Neuschwanstoaner“ machte deutlich, dass die Lechstadt der Ort schlechthin für eine solche Ausstellung sei. Er erinnerte daran, dass die „D‘Neuschwanstoaner“ mit ihren 120 Jahren der älteste Trachtenverein im Ostallgäu sind. Ohnehin kämen mit Füssen und Immenstadt (Oberallgäu) nur zwei der 50 ältesten Trachtenvereine im Freistaat aus dem Allgäu. Dazu komme, dass die Lechstadt seit 1920 Sitz des Oberen Lechgau-Verbandes mit 23 Vereinen und über 5100 Mitgliedern sei.

In der Ausstellung gezeigt werden sollen unter anderem wissenschaftliche Ausarbeitungen der jeweiligen Vereinsgeschichten, die Vereinschroniken, Texttafeln mit Zeitsträngen, besondere Stücke aus den Vereinsinventaren, Trachten der vier beteiligten Vereine, das historischen „Fiassar Bürgergwands“ sowie das größte Bühnenbild des Allgäus, kreiert vom Füssener Künstler Benno Kölbl. Die Forschungsarbeiten der Vereine in ihren Archiven laufen bereits auf Hochtouren. „Das ist eine Riesenarbeit im Hintergrund“, betonte Hartmann. Zum Teil seien die Protokolle und Tagebücher der Vereine noch in Sütterlin verfasst und müssten erst einmal übersetzt werden. „Wir haben dabei Schätze ausgegraben, die für die Stadtgeschichte enorm wichtig sind“, frohlockte er. „Der Stadtarchivar hat schon lange Zähne!“

Erwartet werden zu Ausstellung und Rahmenprogramm bis zu 30.000 Besucher aus einem Umkreis von 100 Kilometern. Angesprochen werden sollen mit „Sehnsucht nach Heimat – Trachtenkultur im Füssener Land“ insbesondere Trachtenbegeisterte aus ganz Bayern, Schüler aus Füssen und Schwangau und natürlich Touristen.

Impuls für die Kultur

Darüber hinaus erhoffen sich die Organisatoren durch die Veranstaltungsreihe eine langfristige Positionierung der Stadt Füssen als die Trachtenstadt im Allgäu, einen Beitrag zur Belebung des ländlichen Raums sowie den Einstieg in eine neue Art von Tourismus in Zusammenarbeit mit Füssen Tourismus- und Marketing (FTM). „Außerdem soll die Ausstellung zur nachhaltigen Entwicklung dieser ehrenamtlichen und identitätsstiftenden Vereins- und Jugendarbeit motivieren und beitragen.“ Darüber hinaus könnte die Stadt als Sitz des „Allgäuer HEIMATwerk“ die Rolle eines bundesweiten „Leuchtturm“-Projekts einnehmen.

Doch all das hat seinen Preis. Zwar unterstützt der Bezirk Schwaben das Projekt mit 30.000 Euro und einer Volontariats-Stelle. Aber: „Das überschreitet den Museumsetat“, machte Dr. Englert klar. Geschätzten Ausgaben in Höhe von 46.000 Euro stehen prognostizierten Einnahmen von 23.000 Euro durch Zuschüsse und Spenden (12.000 Euro) sowie Eintrittsgelder (11.000 Euro) – die komplett in die Stadtkasse fließen sollen – gegenüber. Macht unterm Strich einen Fehlbetrag von 23.000 Euro, den Stadtkämmerer Marcus Eckert zuschießen muss. Dazu kommen noch 10.000 Euro für den Kauf von geeigneten Vitrinen für die Sonderausstellung.

Finanziell machbar

Angesichts dieser Zahlen und trotz des „sehr attraktiven Angebots“ stellte sich für Stadträtin Dr. Anni Derday von den Freien Wählern (FW) die Frage: „Passt das in unser Budget?“ Kämmerer Marcus Eckert sieht in den Ausgaben jedoch kein Problem, wie er erklärte. „Wir haben ganz andere Positionen im Haushalt, über die wir nachdenken sollten!“ Zweiter Bürgermeister Christian Schneider (Füssen-Land) sah das Geld indes gut angelegt. „Es ist viel Geld“, sagte er, „aber jetzt haben die vier Vereine die Gelegenheit sich zu präsentieren.“ Diese hätten immerhin große Verdienste um den Tourismus in Füssen und Umgebung, jetzt könne die Stadt etwas zurück geben.

Dritter Bürgermeister Wolfgang Bader (Grüne) sprach unterdessen die aktuelle Corona-Krise und deren ungewissen Ausgang an. Was passiere, wenn auch im kommenden Jahr keine Veranstaltungen mit einem größeren Publikum möglich sind? „Keiner weiß, ob wir nächstes Jahr Besucher ins Museum rein lassen dürfen“, sagte er. Museumsleiter Englert entgegnete, dass keine weiteren Ausstellungen im Museum geplant seien, um die Dauer der Sonderausstellung möglicherweise noch weiter in den Herbst zu verschieben, sollten Besucher vorher verboten sein. Er gehe außerdem bis dahin von einer veränderten Pandemie-Lage aus. „Wir werden uns bis dahin besser einstellen können“, sagte der Museumsleiter.

mm

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