»Lasst junge Menschen teilhaben«

Im Kreisboten-Interview: Kai Fackler geht für die FDP in die Bundestagswahl

Kai Fackler
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Kai Fackler aus Memmingen ist der jüngste Direktkandidat im Wahlkreis Ostallgäu. Der 19-Jährige tritt für die FDP an.

Im Interview spricht der FDP-Bundestagskandidat Kai Fackler über das Renten- und Bildungssystem, den Klimaschutz, das Gesundheitswesen und Afghanistan.

Der ­Kreisbote befragt vor der Bundestagswahl am 26. September die Direktkandidaten (der Bundestagsparteien) aus dem Wahlkreis Ostallgäu. Die FDP schickt den 19-jährigen Kai Fackler ins Rennen. Der Memminger hat 2020 sein Abitur gemacht und studiert seither Rechtswissenschaften.

Herr Fackler, nehmen wir an, Sie sitzen bald im Bundestag: Welches wären dann Ihre wichtigsten beiden Themen, die Sie in Berlin einbringen wollen?

Fackler: „Ich möchte zwei Themen aufgreifen, die bereits viel zu lange ruhen: Einerseits muss das umlagefinanzierte Rentensystem erneuert werden, um dem demographischen Wandel zu trotzen. Es muss durch eine gesetzliche Aktienrente unterstützt werden.”

Und zweitens?

Fackler: „Außerdem müssen wir an unserem Bildungssystem arbeiten. Bis vor einem Jahr war ich selbst noch Schüler und musste leider bemerken, wie sehr das Bildungssystem noch im letzten Jahrhundert feststeckt. Wir müssen endlich auch in der Schule im Jahr 2021 ankommen.”

Sie sind mit 19 Jahren mit Abstand der jüngste Direktkandidat im Wahlkreis Ostallgäu. Gibt es in Ihrer noch jungen Politik-Vita schon Erfolge?

Fackler: „Besonders stolz bin ich darauf, durch meine Kandidatur bisher andere davon überzeugen konnte, sich ebenfalls politisch zu engagieren. Ich freue mich jedes Mal, wenn andere Menschen sich entscheiden, unsere Politik ebenfalls aktiv gestalten zu wollen.”

CO2-Zertifikatehandel ausweiten

Für Ihre junge Generation spielt, das haben die Fridays for Future gezeigt, der Klimaschutz eine große Rolle. Was sollte die Regierung zum Schutz unserer Umwelt verändern?

Fackler: „Wir müssen den CO2-Zertifikatehandel endlich auf alle Bereiche unseres Lebens ausweiten und ihn weiterhin europäisch gestalten. Um mögliche Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen, die nachhaltiger wirtschaften, gegenüber Unternehmen aus anderen Teilen der Welt, die das nicht tun, auszugleichen, müssen beim Import in die EU entsprechende Preisausgleichsmechanismen eingeführt werden. Außerdem muss eine Klimadividende an Bürgerinnen und Bürger ausgezahlt werden, die wegen steigender Preise durch den Zertifikatehandel in ihrer Existenz gefährdet sind.”

Auch in Afghanistan sind zig Existenzen von Bürgern in Gefahr. Was halten Sie von Bundeswehreinsätzen im Ausland?

Fackler: „Es ist schwer, alle Auslandseinsätze über einen Kamm zu scheren. Im Bezug auf Afghanistan ist jetzt sehr wichtig, dass alle Ortskräfte außer Landes gebracht werden. Vor jedem Engagement der Bundeswehr im Ausland muss beachtet werden, ob realistische Chancen bestehen, dass langfristig ein positiver Beitrag zu Sicherheit und Stabilität im betroffenen Gebiet geleistet werden kann.”

Angemessene Bezahlung im Gesundheitswesen

Was sagen Sie zu unserem Gesundheitswesen?

Fackler: „Wir müssen dafür sorgen, dass unser Gesundheitssystem nicht früher oder später überlastet. Dazu ist es erforderlich, dass Personal im Gesundheitswesen angemessen bezahlt wird und der Job attraktiver ausgestaltet wird. Darüber hinaus muss überbordende Bürokratie im Gesundheitswesen abgeschafft werden, damit die Menschen dort das machen können, weshalb sie in diesen Arbeitssektor gegangen sind. Nämlich, um Menschen zu helfen.”

Wie stehen Sie zur Corona-Impfpflicht für alle?

Fackler: „Ich befürworte die Impfung und kann jeder und jedem nur empfehlen, das Impfangebot wahrzunehmen. Dennoch halte ich eine Impfpflicht nicht für den richtigen Schritt. Stattdessen sollten wir dafür sorgen, dass es niedrigschwelligere Impfangebote gibt.”

Viele Menschen sehen immer tiefer werdende Gräben in der Gesellschaft nicht nur wegen Corona, sondern auch beim Einkommen und Vermögen, bei der Bildungspolitik und den Zukunftsperspektiven. Teilen Sie diese Sorgen?

Hartz IV soll zum liberalen Bürgergeld werden

Fackler: „Gegen wachsende Gräben in der Gesellschaft müssen wir etwas tun. Aktuell machen wir es allerdings vor allem denjenigen schwer, ihre Situation zu verbessern, die es ohnehin schon schwer haben.”

Wie könnte eine konkrete Lösung aus Ihrer Sicht aussehen?

Fackler: „Ein Ansatz ist die Reform von Hartz IV hin zu einem liberalen Bürgergeld. Wichtig dabei ist, dass Menschen, die Sozialhilfen beziehen, diese von einer zuständigen Stelle und nicht von einer Vielzahl an verschiedenen zuständigen Ämtern bekommen können. Außerdem muss sich mehr Arbeit immer lohnen. Wer im aktuellen ­Hartz-IV-System durch eigene Arbeit etwas dazuverdienen will, dem wird vom Staat ein Großteil des selbst erwirtschafteten Geldes abgenommen. Beim liberalen Bürgergeld ist die soziale Sicherung derart ausgestaltet, dass Menschen, die sich aus ihrer schlechten finanziellen Situation herausarbeiten wollen, am Ende des Monats auch wirklich mehr Geld auf dem Konto haben.”

Kommen wir zuletzt noch auf Ihr Parteiprogramm zu sprechen. Was ist Ihnen besonders wichtig?

Fackler: „Dass die FDP den Menschen zutraut, selbst die besseren Entscheidungen für ihr Leben zu treffen als der Staat. Wir Freien Demokraten trauen den Menschen auch zu, eine fundierte Wahlentscheidung zu treffen. Eine der wichtigsten Forderungen für mich ist daher die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre.”

Kritiker dieses Vorschlags werfen Jugendlichen, zumindest in Teilen, mangelnde Reife vor.

Fackler: „Wir erleben aktuell, dass deutlich mehr junge Menschen als früher sich politisch engagieren. Lassen wir diese Menschen doch auch so an unserer Demokratie teilhaben, wie sie es verdienen.”

Vielen Dank für das Gespräch.

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