Fans unter sich

E-Auto-Fahrer treffen sich zum Stammtisch

Elektroauto beim Stromtanken auf einem Supermarktparkplatz.
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Dass auf vielen Supermarkt-Parkplätzen mittlerweile Strom getankt werden kann, stellt aus Sicht der Immenstädter Stammtisch-Mitglieder eine Win-Win-Situation für die Märkte und die E-Auto-Fahrer dar.

Immenstadt – Jeden zweiten Freitag im Monat treffen sich im Restaurant „Elia“ E-Auto-, vorwiegend Tesla-Fahrer, zum Erfahrungsaustausch rund um das Thema E-Auto. Die Teilnehmer stammen vorwiegend aus der näheren Umgebung wie Fischen, Kempten, Sonthofen, Oberstdorf und natürlich Immenstadt, ein Teilnehmer kommt aus der Stuttgarter Gegend. Auch interessierte Verbrenner-Fahrer sind stets willkommen in der Runde, um sich dort Ratschläge und Tipps abzuholen, bzw. sich von den Vorteilen eines Elektroautos überzeugen zu lassen.

Beim jüngsten Treffen diskutierten die Teilnehmer darüber, warum es immer noch so viele Vorbehalte gegen die neue Art der Mobilität gibt, und wie diese am besten ausgeräumt werden können. Als Hauptargumente gegen Elektroautos werden in den Medien immer wieder die zu geringe Reichweiten, hohe Anschaffungskosten und fehlende Lademöglichkeiten genannt. Für die Allgäuer E-Autofahrer waren das aber keine Gegenargumente. Im Gegenteil: Jeder hatte sich vorher informiert und die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen. „Nach einem gelungenen Italienurlaub mit drei kurzen Ladestopps und einem total entspannten Ankommen am Zielort hatte ich auch meine Frau überzeugt, dass meine Entscheidung richtig war“, sagte ein Teilnehmer.

Da 90 Prozent der täglichen Fahrten unter 100 Kilometer liegen, stelle sich das Problem der Reichweite nicht. „Es gibt jetzt bereits genügend Lademöglichkeiten an den Autobahnraststätten oder in Autobahnnähe – und diese werden immer mehr ausgebaut.“ Sollte die Umstellung auf die E- Mobilität an Fahrt gewinnen, ist der Ausbau vor allem in den Städten und an der Autobahn weiter nötig, waren sich die Teilnehmer einig.

So wurde vor kurzem Europas größter Ladepark am Autobahnkreuz Hilden mit 40 Tesla Superchargern, 22 HPC-Schnellladern für Nicht-Tesla Fahrer und gut 20 „normalen“ Lademöglichkeiten eröffnet. Allein Tesla biete mittlerweile über 5000 Lademöglichkeiten in Europa an. An den Säulen der neuesten Generation könne in fünf Minuten Energie für 120 Kilometer geladen werden. Über den Verbund ladenetz.de könne darüber hinaus in Deutschland an über 2000 Ladesäulen geladen werden.

Dazu komme, dass die Technik sich weiterentwickelt habe. Hatte beispielsweise ein Renault ZOE 2014 noch eine Batteriegröße von 22 kwh und somit eine realistische Reichweite von 160 Kilometern, so hätten die heutigen Modelle des gleichen Fahrzeugtyps 50kwh Kapazität oder vergleichbare Modelle im Kleinwagensegment anderer Hersteller 350 bis 400 Kilometer Reichweite. „Das Ladeverhalten hat sich geändert bzw. wird sich ändern“, meinte einer der Teilnehmer außerdem. In der Regel werde nicht mehr getankt, wenn die Batterie leer ist, sondern wenn das Auto sowieso stehe: Zuhause, am Arbeitsplatz, beim Einkaufen oder bei längeren Fahrten an der Raststätte und dann am Zielort.

Ein weiteres Thema des Abends waren blockierte Ladesäulen durch Verbrenner bzw. durch nicht mehr ladende E-Autos, die die Gelegenheit des kostenlosen Parkens ausnutzen. Ein Problem, das die Ladesäulenbetreiber aber inzwischen erkannt hätten. Deshalb werde hier jetzt streng durchgegriffen und Bußgelder gegen nicht berechtigte Parker verhängt oder Strafgebühren von der Ladekarte abgebucht.

Viele Supermärkte bieten ihren Kunden mittlerweile kostenfreies Laden während des Einkaufs an. Nach Einschätzung der Stammtischler eine Win-Win-Situation: Der Kunde bekomme seine Energie fürs Fahren umsonst, der Supermarktbetreiber halte seine Kunden länger im Laden und steigere damit seinen Umsatz. Ein weiterer Vorteil aus Sicht der Runde: Die Preise hätten sich an die der Verbrenner angeglichen. Vor allem mit dem Anreiz der Kaufprämie – derzeit bis zu 9000 Euro – könnten E-Autos punkten.

Kaum in der Werkstatt

Da die Unterhaltskosten geringer seien als beim Verbrenner, sollte das Preisargument künftig nicht mehr ausschlaggebend sein. Dazu erzählte ein Teilnehmer eine Anekdote: „Man sieht sie halt nicht mehr“, habe ein Autohändler verzweifelt gesagt. „Du meinst, man hört sie nicht“, sei die Antwort des Kunden gewesen. „Nein, man verkauft sie und dann sieht man sie nie wieder– zu keinem Ölwechsel, zu keinem Zündkerzenwechsel, zu keinem Zahnriemenwechsel – höchstens, um das Wischwasser nachzufüllen und die Winterreifen zu montieren.“

hg

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