Werbegemeinschaft-Vorsitzender Alexander Mayerhofer spricht im Kreisbote-Interview über Ideen zur Rettung der Innenstadt

"Ich bleibe sehr optimistisch"

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Umso schöner das Wetter, umso belebter ist die Fußgängerzone. Doch nicht alle Einzelhändler in der Innenstadt profitieren davon.

Füssen – Zum Dramatisieren besteht kein Grund, doch an der Entwicklung gibt es auch nichts zu beschönigen: In der Füssener Altstadt wächst der Leerstand, was Inhaber geführte Läden anbelangt.

Über die Hauptgründe dafür und mögliche Lösungsstrategien sprach der Kreisbote mit Alexander Mayerhofer, Vorsitzender der Füssener Werbegemeinschaft. 

Die Top-Lage in der City lässt zwar erwarten, dass sich rund um den Schrannenplatz auf den leeren Verkaufsflächen wieder etwas tut. Aber gelingt den nachfolgenden Einzelhändlern die Wiederbelebung des Ladens auch nachhaltig? Ist die Massierung der Geschäftsaufgaben ein Zufall? Oder stehen kleinere Läden verstärkt unter Druck? 

Mayerhofer: „Das sind gleich mehrere Fragen auf einmal, aber alle verdienen eine Antwort aus Sicht der Werbegemeinschaft. Wir sollten feststellen, dass es sich hier um keine neue Entwicklung handelt. Es war abzusehen, dass die kleineren Geschäfte, die nicht in der Reichenstraße der Fußgängerzone angesiedelt sind, in Schwierigkeiten geraten könnten. Andererseits gibt es gute Chancen in dieser Toplage. Wo sollte eine gute Geschäftsidee aufgehen, wenn nicht am schönen Füssener Schrannenplatz und in den sich an den Platz anschließenden Gassen? Ich bin und bleibe da sehr optimistisch!“ 

Also ist alles bald wieder in bester Ordnung? 

Mayerhofer: „Nein, natürlich nicht. Wenn ein einzelnes neues Geschäft floriert, freut uns das. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es bestimmte Ursachen gibt, warum sich manche Einzelhändler, selbst in guter Lage, nur noch sehr schwer ihre Existenz sichern könnten.“ 

Das liegt woran? 

Mayerhofer: „Der Trend zum Kauf im Internet und höhere Ladenmieten machen dem Handel das Leben schwer. Filialisten und Gastronomiebetriebe könnten sich die in Füssen übliche Miete leichter leisten. Kleine inhabergeführte Einzelhändler können das oft nicht mehr. In der Innenstadt ist es jedoch wichtig, dass es beim gesunden Mix aus kleinen Händlern, Filialisten und Gastronomie bleibt.“

Alexander Mayerhofer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Füssen

 

Sind das alle Gründe für Leerstand? 

Mayerhofer: „Nein, es gibt noch einen dritten Grund. Oft ist es schwer, einen Nachfolger zu finden, wenn man aus Altersgründen nicht mehr arbeiten kann. Folglich droht auch in Füssen Traditionsgeschäften das Aus.“ 

Brauchen wir überhaupt noch den klassischen Einzelhändler?

Mayerhofer: „Unbedingt! Aber statt sich als Einzelkämpfer zu verstehen, ist es wichtig, ein Wir-Gefühl zu entwickeln. In Füssen brauchen wir für Einheimische und Touristen die schönen kleinen Geschäfte, die es anderswo nicht mehr gibt. Ich bin viel unterwegs. Die Innenstädte sind austauschbar geworden. Dabei sollte sich jede Stadt durch Individualität auszeichnen. Füssen hat noch diese besondere Ausstrahlung. Diesen Kampf haben schon mehrere Städte verloren, welche sich nicht rechtzeitig um dieses Thema gekümmert haben.“

Wie lässt sich diese besondere Ausstrahlung, die auch ein Magnet ist, erhalten? 

Mayerhofer: „Zum Vorbeugen vorm Geschäftssterben sind unbedingt Schritte für ein Stadtmarketing einzuleiten. Es benötigt einen Plan für die Zukunft der Gewerbe in Füssen. Für die Innenstadt muss das Ziel heißen, eine B-Lage zur A-Lage und C-Lagen zu B-Lagen aufzuwerten.“ 

Ein aktuelles Beispiel? 

Mayerhofer: „Eine erfreuliche Entwicklung zur Aufwertung zeigt sich in der Brunnengasse.“ 

Gibt es ein Rezept, sich gegen den Internet-Handel zu behaupten? 

Mayerhofer: „Weil der Internet-Handel blüht, ist es wichtig, für mögliche Kunden die Stärken des Einzelhandels herauszustellen. Beratung und Service sind wichtiger als je zuvor. Dazu müssen die Leute durch gemeinsame Aktionen des Handels zu Besuchen in der Stadt bewegt werden, auch außerhalb der Hauptsaison. Dass Einkaufen zum Erlebnis wird, kann das Internet nicht bieten. Wenn der Kunde beim Einkaufen ein gutes, glückliches Gefühlt hat, kommt er auch gern wieder.“ 

Warum sind Sie in der Werbegemeinschaft Füssen so aktiv geworden? 

Mayerhofer: „Mir liegt Füssen am Herzen, deshalb engagiere ich mich seit eineinhalb Jahren für die Stadt. Wie schon erwähnt, bin ich viel unterwegs und sehe was in anderen Städten möglich ist und was es ausmacht, wenn man gemeinsam daran arbeitet. Das ist es, was mich antreibt.“ 

Herr Mayerhofer, danke für das Gespräch.

Chris Friedrich

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