Anbieter wollen Mobilfunkversorgung in Füssen verbessern – Stadt schlägt Standorte für neue Masten vor

In Füssen kocht die Diskussion um neue Sendemasten wieder hoch

Mobilfunkmast in Füssen
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Die Kapazität des Mobilfunkmastes auf dem Galgenbichl reicht nicht mehr aus. Deshalb wollen die Netzbetreiber jetzt nachrüsten.
  • Katharina Knoll
    VonKatharina Knoll
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Füssen – Um den Mobilfunkempfang in Füssen zu verbessern, möchten die Deutsche Telekom und O2 neue Masten in der Lechstadt aufstellen. Deshalb hat sich die Stadt Füssen zusammen mit der Firma „Corwese“ auf die Suche nach geeigneten Standorten gemacht. Nachdem der Umweltbeirat bereits Anfang Juni darüber diskutiert hatte, sollte am Dienstag nun der Stadtrat darüber abstimmen. Dabei wurde deutlich: Wirklich begeistert ist keiner von der Anfrage. Doch die Mitbestimmungsrechte der Stadt sind in diesem Fall stark eingeschränkt. 

Beim Thema Mobilfunk scheiden sich die Geister: Den einen ist vor allem ein möglichst guter Handyempfang und eine schnelle Datenübertragung beim Surfen wichtig, für andere steht eine möglichst geringe Strahlenbelastung durch den Mobilfunk im Vordergrund. So wurden bereits vor wenigen Jahren der Neubau von zwei Sendeanlagen auf dem Galgen- und Fischerbichl kontrovers diskutiert (der Kreisbote berichtete mehrfach). Das könnte sich nun wiederholen.

Denn auch nachdem die beiden Sendemasten in Betrieb gegangen sind, rissen die Beschwerden der Gewerbetreibenden, Füssener Bürger und Gäste über ungenügende Verbindungsqualitäten sowie Kapazitätsdefizite bei der Mobilfunkversorgung bei der Stadtverwaltung nicht ab, wie diese berichtet. Entsprechende Anfragen bei den Netzbetreibern hätten ergeben, dass es Kapazitätsengpässe in den Mobilfunknetzen gebe, vor allem in der touristischen Hauptsaison. Deshalb wollen die Telekom und Telefónica, zu der O2 gehört, ihre Netze verbessern. Sie reichten nun Suchkreisanfragen für sieben Standorte im Raum Füssen ein, die auch das Vodafone-Netz verbessern sollen, weiß die Stadtverwaltung.

„Das Problem ist: Wir können nicht mitdiskutieren“, erklärte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). Auf Grundlage des Mobilfunkpakts Bayern können Kommunen nur Standortvorschläge machen. „Das heißt aber noch lange nicht, dass sich die Mobilfunkbetreiber daran halten“, erklärte der Rathauschef. Deshalb hätten Kommunen nur zwei Alternativen: „Entweder geht man aktiv auf die Suche oder die Mobilfunkanbieter machen das alleine.“ Die Stadt Füssen hat sich für die erste Möglichkeit entschieden und sich zusammen mit der Firma „Corwese“ auf die Suche nach den aus ihrer Sicht idealen Standorten für die Mobilfunkmasten gemacht – eine intensive Suche, wie es sie bisher wohl nur selten gab, betonte der Rathauschef.

Herausgekommen ist unter anderem ein städtisches Grundstück an der B16 bei Eschach. Um den Mobilfunkmast am Galgenbichl zu entlasten, könnten weiter Masten auf dem ehemaligen Landratsamt und am Sportgelände Weidach entstehen, erklärte Andreas Weller von der Firma Corwese. Für den von Stadtrat Dr. Martin Metzger (BfF) vorgeschlagenen Standort auf dem Ziegelberg stehen die Chancen dagegen schlecht, informierte Weller. Dieser liegt nicht nur außerhalb des Suchkreises der Telekom. Da es dort auch Biotopflächen gibt, dürfte es schwierig werden, eine Baugenehmigung für den Masten zu bekommen, erklärte Weller.

Für die Suchkreisanfrage von O2 im Bereich Galgenbichl, schlägt die Stadt vor, den dort schon bestehenden Masten aufzurüsten, auch wenn er knapp außerhalb des Suchkreises liegt. Für den Suchkreis Allgäuer Land könnte sich die Stadtverwaltung einen Masten auf dem Gebäude der Stadtwerke Füssen vorstellen.

Da O2 die Sendeanlage am Kühbrunnen wegfallen wird, braucht der Mobilfunkanbieter dort einen Ersatz. Dieser könnte auf dem Dach der Firma Kößler entstehen. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Grundstück der Stadt Füssen im Schotterwerk. Auch im Bereich Schwarzenbach/Oberkirch steht eine Veränderung an. Auf Drängen der Bürgerschaft musste dort ein Mast auf einem Privatgebäude abgebaut werden, so Weller. Den Strommasten in der Nähe aufzurüsten ginge jedoch nicht. Auch der Wasserbehälter und das Gelände der Bundeswehr scheiden als Standort aus. Deshalb sind nun verschiedene Privatgrundstücke im Gespräch.

Mobilfunklücke am Alatsee schließen

Eine weiße Lücke in der Mobilfunkversorgung gibt es dagegen noch am Alatsee. Deshalb soll dort ein Förderstandort entstehen. Ein entsprechender Sendemast soll entweder auf das Dach der Ferienanlage des Sozialwerk des Bundes oder dahinter aufgestellt werden.

Diese Standorte hatte die Stadtverwaltung bereits an einem runden Tisch mit dem Umweltbeirat und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt besprochen – und es bestand weitgehend Einverständnis damit, heißt es in den Sitzungsunterlagen. Das bestätigte auch Dr. Martin Metzger (BfF). Trotzdem ärgerte er sich darüber, dass Kommunen bei solchen Anfragen nur einen geringen Handlungsspielraum haben. „Die Größe der Kreise (- Suchgebiet der Netzbetreiber – Anmerk. der. Red.) ist gefühlt willkürlich gewählt“, monierte er.

Außerdem sei es nur schwer nachzuvollziehen, dass kurz nach dem Bau der Sendemasten auf dem Galgen- und Fischerbichl schon wieder neue Masten gebaut werden müssen, weil die Kapazitäten nicht mehr ausreichen. „Das wird so weitergehen. Das ist absehbar“, ist Metzger überzeugt. „Das System wird immer enger und problematischer werden. Die Belastung für die Bürger können wir nicht verringern, sondern nur möglichst dezimieren. Das ist nicht zufriedenstellend.“ Die Stadt könne zwar, wie Eichstetter vorgeschlagen hatte, die Strahlenbelastung vor und nach dem Bau der neuen Mobilfunkmasten messen, doch das habe keinerlei Konsequenzen, sagte Metzger, wofür er Applaus von Mitgliedern des Mobilfunk Forums Füssen erhielt, die im Publikum saßen.

Handlungsspielraum nutzen

Auch die SPD-Fraktion monierte, die wenigen Handlungsmöglichkeiten der Kommunen in Sachen Mobilfunk. Umso wichtiger sei es jedoch, diese zum Schutz der Bürger so gut es geht zu nutzen, appellierte SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth im Namen ihrer Fraktion. „Das ist der saure Apfel, in den wir beißen müssen“, meinte auch Wolfgang Bader von den Grünen. Christine Fröhlich (FWF) fühlte sich dagegen zu wenig über die Thematik informiert, um jetzt schon eine Entscheidung treffen zu können.

So segnete der Stadtrat mehrheitlich alle vorgeschlagenen Standorte, bis auf den Ziegelberg, ab.

»Mobilfunk Forum« kritisiert Vorgehen

Kritisch sieht das „Mobilfunk Forum“ die Suche nach neuen Standorten für Mobilfunkmasten. So fragte Stefanie Zeller in der Bürgerfragestunde, in wie weit Dr. Peter Nießen, der bereits 2008 und 2020 den Zweckverband Allgäuer Land beim Thema Mobilfunk beraten hatte, und das Mobilfunkminimierungskonzept des EMF-Institut hier miteingebunden bzw. berücksichtigt wurden. Die Stadtverwaltung antwortete, dass die Firma Corwese die allgemein anerkannten Minimierungstechniken, die auch im Standortkonzept des EMF-Instituts genannt wurden, berücksichtigt und soweit wie möglich auf die Standortsuchkreise angewandt habe. Außerdem habe sie im Rahmen des technisch Möglichen und, wenn entsprechende Standortalternativen vorhanden waren, die Grundprinzipien der Strahlungsminimierung angewandt. Immissionsspitzen seien durch die Auswahl der jeweils höheren Standortalternativen minimiert worden. Aus wirtschaftlicher und organisatorischer Sicht habe sich die Verwaltung bei der Standortsuche für die Firma „Corwese“ entschieden. „Dr. Nießen stand für eine so intensive Ausarbeitung gar nicht zur Verfügung.“ Das sah Zeller anders. Auf Basis von Nießens Konzepts hätte man die Standorte am Telefon abstimmen können. Auch dass zwei Masten innerhalb von 600 Metern gebaut werden sollen, erschloss sich ihr nicht. Sie fragte sich, ob hier die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt wurden. Es sei zwar gut, dass sich die Stadt bei der Standortsuche aktiv einbringe. Aber: „Die Alternativstandorte müssen diskutiert werden. kk

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