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Reutte: Hochwasserschutz für 51 Objekte

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Von: Hans Nikolussi

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Spatenstich Hochwasserschutz Reutte
Als letztem Schutzprojekt am Tiroler Lech wird nun gearbeitet. Beim Spatenstich dabei sind Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf (v.l.), Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler und der Reuttener Bürgermeter Günter Salchner. Foto: Nikolussi © Hans Nikolussi

Reutte - Um Reutte künftig besser vor Lech-Hochwasser zu schützen, hat jetzt der Bau der größten Hochwasserschutzmaßnahme in Tirol begonnen.

„Das heutige Datum wird als Hochwasserschutz-Tag in die Annalen der Marktgemeinde Reutte eingehen“, meinte Bürgermeister Günter Salcher kürzlich beim Spatenstich zur Lechverbauung im Ortsteil Lüß. Schon beinahe zwei Jahrzehnte lang planen die Behörden an diesem Projekt und hoffen auf den Baubeginn. Nun soll es bis 2027 realisiert werden.

Aufgrund der Komplexität und teils schwierigen Rahmenbedingungen hat das Behördenverfahren viel Zeit in Anspruch genommen, was nicht nur von der Reuttener Bevölkerung mit Unverständnis gesehen wurde. „Umso mehr freut es mich, dass heute der Spatenstich für dieses extrem wichtige Schutzprojekt erfolgt“, sagte Salchner jetzt.

„Im vergangenen Jahr ist es dank der großen Kooperationsbereitschaft der betroffenen Grundeigentümer gelungen, die letzten Fragen rasch zu klären“, so das Reuttener Gemeindeoberhaupt beim Festakt weiter und sprach allen Beteiligten seinen großen Dank aus.

Die Kosten von rund 15 Millionen Euro werden zu 85 Prozent vom Bund getragen.

Beim Vorhaben „Lüß Bauteil 2“ handelt es sich um das aktuell größte in Bau befindliche Hochwasserschutzprojekt in Tirol. Die Katastrophen von 1999, 2002 und 2005 sind noch in guter Erinnerung, sie sollen sich durch das aktuelle Vorhaben nicht mehr wiederholen. So hoffen zumindest die Verantwortlichen in Reutte.

Nach der Geschiebefalle Hornberg, die 2019 fertiggestellt wurde und 300 Häuser in Ehenbichl und Höfen schützt, ist das nunmehrige Hochwasserschutzprojekt das vorläufig letzte schutzwasserwirtschaftliche Großvorhaben im Großraum Reutte. „Auch wenn der Lech ein weitgehend natürlich fließender Wildfluss mit viel Platz ist, sind auch hier immer wieder Schutzmaßnahmen notwendig, um Bevölkerung und Infrastruktur vor Überflutungen zu bewahren. Diese werden im Natura 2000-Gebiet mit besonderer Umsicht durchgeführt“, versicherte Landeshauptmann Josef Geisler beim Spatenstich.

Viele Maßnahmen

Das vorliegende Schutzkonzept ist ein Maßnahmenmix und umfasst den Erhalt bestehender Überflutungsflächen ebenso wie die Errichtung von Hochwasserschutzdämmen und Mauern sowie Pumpwerke. Außerdem werden ein Stall auf hochwassersicherem Niveau neu errichtet und mehrere Objekte abgetragen.

Es erfolge darüber hinaus auch eine gewässerökologische Aufwertung der Brunnwässer. Diese werden für Fische passierbar. Am Lech direkt sind hingegen keine Maßnahmen vorgesehen. Das Projektgebiet erstreckt sich über 1,5 Kilometer flussaufwärts der Gemeindegrenze Reutte/Pflach. „Jedes Hochwasserschutzprojekt ist anders.

Allen gemeinsam ist aber, dass die Verbesserung des Hochwasserschutzes nicht zu einer Verschärfung der Hochwassersituation für Unterlieger führen darf“, erläutert Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft. Eine Besonderheit beim Lech sei das Geschiebe. „Das wurde im Projekt entsprechend berücksichtigt“, betonte Federspiel. Besonderes Augenmerk werde auch auf die geringstmögliche Flächeninanspruchnahme und die bestmögliche landwirtschaftliche Bewirtschaftbarkeit gelegt.

Leidvolle Erfahrungen

Von eigenen leidvollen Erfahrungen bei den Hochwasserkatastrophen der vergangenen Jahre berichtete Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf. In Abwesenheit ihres Chefs hatte sie damals die Einsätze zu koordinieren und zu leiten. Nun hofft sie, nie mehr in eine solche, vor allem für die Bewohner der Objekte, bittere katastrophale, Lage zu kommen.

Im heurigen und kommenden Jahr werden 17 hochwassergefährdete Gebäude in der Unteren Lüß von einem Ringdamm umschlossen. Dieser sogenannte Polder Nord schließt an den bestehenden Lechdamm an, der nach Süden und Norden verlängert wird. Ab Herbst 2023 wird dann mit den Arbeiten am Polder Süd begonnen, der im Ereignisfall das Hochwasser von weiteren 19 Gebäuden im Bereich der nunmehrigen Pferdekoppel abhalten wird. Abgeschlossen werden soll das Hochwasserschutzprojekt im Jahr 2027 mit einem Hochwasserdamm in der Oberen Lüß.

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