Vortrag in Füssen

Wenn Pflegende selbst Hilfe brauchen

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Referentin Ursula Feichtmair beantwortete nach dem Vortrag noch Fragen unter vier Augen.

Füssen – In der Langau bei Steingaden wird eine einwöchige Auszeit für pflegende Angehörige angeboten. Diplom-Sozialpädagogin Ursula Feichtmair informierte jetzt in Füssen über dieses Projekt und diskutierte mit der „Angehörigengruppe Füssen“ über persönliche Belastungen in der häuslichen Pflege.

Bei ihrem immer stärker werdenden Wunsch, eine Auszeit zu nehmen, sollten pflegende Angehörige kein schlechtes Gewissen haben. Wer sozusagen rund um die Uhr für einen Mitmenschen sorgt, ist in Gefahr sich mit der Zeit zu überlasten. „Wer pflegt, darf selbst eigentlich nicht krank werden“, sagte eine Teilnehmerin der Veranstaltung „Auszeiten für pflegende Angehörige“ im BRK-Seniorenheim. 

Annett Filser von der BRK-Fachstelle für pflegende Angehörige in Marktoberdorf lädt in Füssen jeden Monat zu Info-Veranstaltungen für pflegende Angehörige ein. Beim jüngsten Treffen berichtete Gastreferentin Ursula Feichtmair über die „Erholungswoche für Menschen mit Demenz und deren Angehörige“ am Beispiel Langau, wo sie mit einer Kollegin ein entsprechendes Pionierprojekt konzipiert hat. 

Zwar gibt es bundesweit Hotels, die einen Urlaub für pflegende und gepflegte Personen anbieten. Das Projekt in der Langau in einem barrierefrei umgebauten Bauernhaus in der Nähe der Wieskirche aber beschränkt die Aufenthaltsdauer auf eine Woche. Zielgruppe sind Paare, die hier gemeinsam Freizeit verbringen, aber auch stundenweise voneinander getrennt werden. „Unsere Fachkräfte“, sagte sie, „betreuen die an Demenz erkrankten Partner, auch für die pflegende Personen gibt es einen Wochenplan, der hier Zeit für persönliche Interessen lässt.“

Sorgt für Erleichterung 

Die Sozialpädagogin berichtete davon, dass beim Projektstart pflegende Frauen mit ihren zu betreuenden Männern zu Gast in der Langau waren. „Denkbar und wünschenswert sind auch gemischte Gruppen“, so Feichtmair auf Nachfrage. Der Info-Abend gewann darüber hinaus noch mehr Anschaulichkeit, weil eine Füssenerin mit ihrem an Demenz erkrankten Mann in Langau war. „Wir Frauen haben uns ausgetauscht. Für mich persönlich, war es schön, eine Woche lang nicht kochen zu müssen und mich auszuruhen, wenn mir danach war.“ Den Ehemann in guten Händen zu wissen, sorge für Erleichterung. Diese Erfahrung hätten auch die anderen Frauen aus der überschaubaren Gruppe bestätigt. 

Große Belastung

In der Diskussion mit der Referentin wurde deutlich, dass „für einige Zeit loslassen“ für die betreuende Person oft ein großes Problem darstelle. Damit drohe die Gefahr der Überlastung. Vertreten aus dem Teilnehmerkreis wurde darüber hinaus die Position, dass eine gemeinsam verbrachte Auszeit keinen hohen Erholungswert für Betreuer habe. Vielmehr wurde die Meinung geäußert: wenn man nach monatelanger Betreuungsleistung reif für die Insel sei, sei es am besten, den Urlaub allein zu verbringen, um wirklich komplett abschalten zu können. 

Schließlich gebe es mit finanzieller Unterstützung der Pflegeversicherung die Möglichkeit, dem Partner dank der sogenannten Verhinderungspflege für die Zeit der eigenen Abwesenheit das zukommen zu lassen, was dieser brauche. Zurück zur Bildungs- und Erholungsstätte Langau: Das Fachkräfteteam der Projektstelle Entlastung für Angehörige von Menschen mit Demenzerkrankung ((EFAD) weist darauf hin, dass vorab mit Hilfe von Fragebogen und Telefonat herausgefunden werden könne, was mit Blick auf die individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten des Gastes zu berücksichtigen ist. 

Bedauert wurde von den Teilnehmern, dass ein Angebot wie das in der Langau Seltenheitswert habe. Es bestand Einigkeit darüber, dass zum Beispiel auch Personen, die kranke Partner mit der Pflegestufe 3 betreuen, eine Auszeit in ähnlicher Form bräuchten. Wie die Referentin sagte, wird das Projekt Langau aus Mitteln des Bayerischen Gesundheitsministeriums gefördert. Das heiße im Klartext aber auch: es könnte sein, dass dafür nur eine bestimmte Zeit Geld fließen werde.

cf

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