Prof. Walcher lässt Geschichte der Militärmusik Revue passieren

"Vernichtetes" Kulturgut

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Aufschlussreich informiert Prof. Walcher im Museum über das Thema „Militärmusik in der Monarchie“ und deren Ende.

Reutte – Kurzweilig, anschaulich erklärt und angereichert mit vielen Anekdoten war der Vortrag von Prof. Franz Walcher zum Thema „Militärmusik in der Monarchie“ im Rahmen der Ausstellung „Für Kaiser und Vaterland? Der Weltkrieg aus Außerferner Sicht“ im Museum „Grünes Haus“ in Reutte.

Der frühere Direktor der Landesmusikschule verstand es ausgezeichnet, sein Publikum mit theoretischem aber auch praktischem Wissen zu informieren. Eingespielte Passagen von Militär/Marsch-Musik und die praktische Demonstration an verschiedenen Musikinstrumenten bereicherten die Ausführungen. 

Es war interessant, über die ersten musikalischen „Kriegsinstrumente“ wie Pauken und Trompeten oder dem Schellenbaum, eine reich verzierte, repräsentative Standarte der Militärmusik und die Auftritte der „Feldmusiker“ mit diesen Instrumenten zu erfahren. Ganz neue Möglichkeiten boten die permanenten Verbesserungen der Instrumente, die unter anderem durch eine Verbesserung der Ventile die Erweiterung der Naturtöne ermöglichten. 

Goldene Zeiten 

Das 19. Jahrhundert war nach seinen Worten eine goldene Zeit der Militärmusik. Es gab zum Beispiel 1918 in Österreich 100 Militärkapellen, die neben ihren militärischen auch zahlreiche zivile Auftritte zu bewältigen hatten, was auch der Imagepflege diente. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Militärkapellmeister zugleich auch komponierten. So mussten diese jeden Monat eine neue Komposition vorweisen. Es war auch ein „Zauber der Montur“, die monströse Uniform der Musiker die der Husaren, der Kaiserjäger, der Hoch- und Deutschmeister oder der „Rainer Regimentsmusik“, die noch heute in und um Salzburg präsent ist – jedoch alle lediglich noch auf privater Basis. 

Dass heute nach den jüngsten Sparmaßnahmen für die letzten aktiven Militärkapellen das Aus kam, bedauerte Walcher außerordentlich. „Damit wurde einer der besten Werbeträger und gewachsenes Kulturgut vernichtet. Und das nicht auf dem Schlachtfeld, sondern durch uneinsichtige und unkluge Politiker“, sagte Walcher. Übrigens bekommt das Museum für die ausgezeichnete Präsentation der momentan laufenden Ausstellung um den Ersten Weltkrieg am 25. November den Tiroler Museumspreis 2015 verliehen.

ed

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