Festspielhaus Füssen

Einmal ein richtiger Bayer sein

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Unter anderem mit Tracht und Bier in Maßkrügen sollen Asiaten künftig hautnah die bayerische Traditionen am Forggensee erleben können.

Füssen – Schlag auf Schlag geht es derzeit beim Festspielhaus Füssen.

Die Eröffnung steht, das Kulturprogramm nimmt Formen an und auch für die Gastronomie haben die Geschäftsführer nun eine Lösung gefunden: Eine Erlebnisgastronomie, spezialisiert auf asiatische Gäste. 

Sein Konzept stellt Gastronom Friedrich Marstall jetzt exklusiv im Kreisbote vor. Warum nach München fahren, wenn man doch in Füssen und Umgebung alles hat, was Bayern ausmacht? Berge, Schlösser, Bier, Tracht und deftige Gerichte. 

Aus dieser Überlegung heraus hat Marstall ein Konzept entwickelt, mit dem er nun die Geschäftsführung im Festspielhaus überzeugen konnte. Bayerische Kultur und Genuss sollen hier auf Natur treffen. Seinen Fokus will der gebürtige Münchner dabei auf Touristen aus Asien legen. Schließlich wächst dieser Markt seit Jahren: Allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl der taiwanesischen Gäste in Füssen um 60,49 Prozent. Auch bei den Übernachtungen legte diese Gruppe mit 48,64 Prozent kräftig zu (der Kreisbote berichtete).

„Was kennen Chinesen, Japaner und Taiwanesen von Deutschland? Schloss Neuschwanstein, das Oktoberfest, Bier und Lederhosen. Genau das wollen sie auch vor Ort erleben“, sagt Marstall. Da sie auf ihrer Europareise allerdings nur wenige Tage im Freistaat verbringen können, sei die Enttäuschung oft groß, wenn die Zeit nicht reicht, weiß Marstall aus Expertenkreisen. 

Deshalb kam ihm die Idee alles an einem Ort zu bündeln. „Das Festspielhaus mit seiner Nähe zu Schloss Neuschwanstein ist dafür einfach perfekt. Die Gäste können nach ihrem Schlossbesuch gleich bayerische Gemütlichkeit, Bier und typische Hausmannskost genießen, ohne einen Umweg in Kauf nehmen zu müssen.“ 

Für die Gastronomie plant er deshalb bayerische Gerichte, die an die asiatischen Geschmacksgewohnheiten angepasst werden. Aus seiner jahrelangen Erfahrung als Gastronom – auch im Ausland – weiß Marstall: „Den asiatischen Gästen ist unser bayerisches Essen zu salzig.“ Und falls diese sich doch nicht mit seinen Gerichten anfreunden können, wird es auch eine kleine Auswahl an asiatischen Speisen geben. Daneben sollen Bier in Maßkrügen und Musikkapellen für die richtige Oktoberfeststimmung sorgen. 

Damit sich die Gäste selbst als Einheimische fühlen, plant Marstall auch einen Trachtenverleih, den er im großzügigen Souvenirshop vor dem Restaurant ansiedeln will. „So erhalten die Urlaubsfotos mehr Authentizität. Außerdem lieben es Asiaten sich zu verkleiden“, sagt Marstall.

Lichter wie in Shanghai

Wie die Bayern auf dem Land leben, möchte der 53-Jährige außerdem in einer bayerischen Erlebniswelt darstellen. Diese plant er im Außenbereich des Festspielhauses, neben dem Barockgarten. „Die Pläne für das Allgäuer Dorf haben mich auf diese Idee gebracht. Unseren Gästen will ich so das bäuerliche Leben in Bayern näher bringen.“ 

Allerdings behält er auch dabei die Bedürfnisse der Touristen im Auge. „Chinesen finden unsere Städte nachts oft langweilig. Sie sind bunte Beleuchtungen wie in Shanghai gewöhnt“, so Marstall. Deshalb soll auch die Erlebniswelt entsprechend illuminiert werden. 

Daneben sind noch eine Fotoecke, Süßigkeiten- und Losstände vorgesehen. Schließlich gibt es nirgends so viele Glücksspieler wie in Asien. „Vielleicht stellen wir auch noch Spielautomaten auf. Aber da sind wir noch am planen. Schließlich müssen sie auch ins Konzept passen“, so Marstall. 

Weniger Staus in Füssen 

Ob er seine Pläne aber überhaupt umsetzen kann, hängt auch vom Füssener Stadtrat ab. Der muss erst grünes Licht für die Nutzungsänderung geben. 

Doch hier ist der 53-Jährige zuversichtlich. Erste Beratungen habe es schon in einer nichtöffentlichen Sitzung gegeben. Und dabei sei sein Konzept gut angekommen. „Viele Füssener Stadträte haben es begrüßt, dass durch meine Erlebnisgastronomie und -welt die asiatischen Gäste aus der Füssener Innenstadt herausgehalten werden“, sagt Marstall. 

Schließlich behindern ihre Busse oft den innerstädtischen Verkehr. „Die Räte erhoffen sich dadurch, dass im Sommer der ein oder andere Stau vermieden werden kann.“

Katharina Knoll

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