Mit Intuition und Durchsetzungskraft

„Wir feiern nicht 20 Jahre Museum“, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) am vergangenen Donnerstag im Colloquium des Klosters St. Mang, „sondern 20 Jahre Museum der Stadt Füssen“. Um beides zu unterstreichen, gab Museumsleiter Thomas Riedmiller einen Abriss über die gut 100-jährige Geschichte. Anschließend ehrte Iacob Museums-Mitbegründerin Cilly Kahle mit dem Ehrenbrief der Stadt Füssen.

Viel hat sich im Lauf des letzten Jahrhunderts getan im ehemaligen Kloster St. Mang. Das Colloquium, in dem sich die Festgäste versammelt hatten, war vor über 20 Jahren noch in vier Räume aufgeteilt, seine prachtvolle Kuppel verdeckt. Die Bibliothek, erklärte Riedmiller, stellte im Jahre 1904 Baron von Pappus nicht als Raum für ein Museum zur Verfügung. Das hätte der damalige Bürgermeister Wallner den Verein „Heimat“ dort gerne gründen lassen. Der Baron meinte aber, die Bibliothek werde als Wäschetrockeraum für die Mietparteien im Haus benötigt. Erst 1913 gründete sich der Museumsverein und durfte dann sein Museum dort einrichten. Gut 90 Prozent der ursprünglich über 700 Ausstellungsstücke wurde jedoch im im ersten Weltkrieg verscherbelt. Als „kläglichen Rest“ bezeichnete der Kemptener Kunsthistoriker Kaiser das, was er 1924 noch begutachten durfte. 1945 wurde das Museum zum Bezirksmuseum und wanderte ins alte Refektorium. 1989 dann wurde das Museum der Stadt Füssen an heutiger Stelle mit den drei Abteilungen „Kloster St. Mang“, „Lauten und Geigen“ und „Barockräume“ eröffnet. Stark durchgesetzt Maßgeblichen Anteil daran hat Cilly Kahle. Ihr Engagement durften die Festgäste in einem 20 Jahre alten Film mit eigenen Augen betrachten, in dem Kahle durch die halbfertigen Räume führt. Viele der Gäste im Colloquium waren damals bei der Einweihung mit dabei. 1954 hatte sich Cilly Kahle bei der Kämmerei der Stadt Füssen beworben, erinnerte Bürgermeister Iacob. 1961 wechselte sie in den kulturellen Bereich und wurde schließlich Museumsleiterin. Sie habe es geschafft, „sich mit weiblicher Intuition gegen männliche Bürgermeister durchzusetzen“, würdigte Iacob ihr Engagement. „Du brauchst doch ned so viel verdienen, du bist doch ein Mädchen“, habe der ehemalige Rathauschef Otto Wanner einst zu ihr gesagt, erzählte sie. „Wieso, ich ess’ genauso viel wie a Bua“, erinnerte sie sich an ihre schlagfertige Antwort. „Des brauchts doch ned“ sei ihre erste Reaktion auf die Würdigung mit dem Ehrenbrief gewesen, den Iacob ihr im Namen der Stadt Füssen verlieh. Den Abend untermalte das vom Quartett zum Sextett angewachsene kleine Ensemble des Füssener Kammerorchesters musikalisch.

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