20 Jahre Pfrontener Landschaftspflege

Professor Göttle (links) Präsident des LfU und Josef Zeislmeier (rechts) erhalten die ersten Exemplare des Projektberichtes Riedteufel vom Bearbeiter Martin Hermle. Foto: gau

Eigentlich ist Josef Freuding Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Ostallgäu. Und eingeladen hatte der LPV aus Anlass des 20-jährigen Bestehens und weil die Ergebnisse einer Kooperation zwischen Landwirtschafts- und Umweltamt vorgestellt werden sollten. Doch neben lobenden und grüßenden Worten gab es auch mahnende an die Adresse von Politik und Verwaltung – die mit ihrer Spar - und Ausgabenpolitik die Basisarbeit der Landschaftspfleger torpedieren.

„Ein Bauer der weg ist, ist weg“. Gerichtet waren diese Worte von Josef Freuding an die Ehrengäste aus dem Land für Umwelt. In deren Auftrag ist Freuding unterwegs, um Mitstreiter zu suchen und die Landschaft, vor allem etwa Streuwiesen oder Moore, zu erhalten und zu pflegen. Doch immer öfter klopft er vergebens an bei den Landwirten, die man einstmals als Partner im Boot hatte. Hier mache sich der Strukturwandel bemerkbar. So fehlen mittlerweile die Leute, die in die Kommunalarbeit abgewandert seien oder sich andernorts ein Betätigungsfeld gesucht hatten, als seitens der Politik gespart wurde. Wer sich einen speziellen Mäher für die Landschaftspflege anschaffe, der will, und vor allem muss damit arbeiten, um das Gerät zu bezahlen, so Freuding. Doch wenn er für die Bewirtschaftung von Mooren und Streuwiesen kein Geld mehr bekomme, dann könne man den Landwirt nicht mehr bei der Stange halten. Und einen verlorenen Landwirt wiederzugewinnen, wie man sich das vielleicht in einem Landesamt vorstellt, sei nicht möglich. „Der sperrt die Stalltüre nicht mehr auf“, so Freuding. Dabei hatte der Präsident des bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU), Professor Albert Göttle, kurz zuvor die intakte Natur, und damit auch die Arbeit der Bauern dafür, in Wert gesetzt. Die sorge nämlich von allein für sauberes Trinkwasser. Müsste aber Bayern sein Trinkwasser selbst aufbereiten, müsste man dafür rund eine Milliarde Euro ausgeben, pro Jahr. Und die intakten oder renaturierten Moore und Streuwiesen, um die es in Pfronten auch ging, sind als Hochwasserrückhalt und CO2-Speicher mit 150 Millionen Euro pro Jahr in Wert zu setzen. Allein die Moore in Bayern halten 700 Millionen Tonnen Kohlendioxid zurück, während der Freistaat mit Industrie und Fahrzeugen jährlich 80 Millionen Tonnen produziert. Eine dieser Feuchtflächen wurde im Rahmen des Riedteufelprojektes (benannt nach einem Schmetterling) untersucht im Auftrag des LfU und gemeinsam mit dem Landesamt für Landwirtschaft. Die Ergebnisse wurden dabei im Rahmen der Einladung an Professor Göttle übergeben, außerdem zogen die Beteiligten, allen voran Pfrontens Bürgermeister Josef Zeislmeir ein Resümee aus 20 Jahren Landschaftspflege mit allen seinen Ablegern, etwa der Entdeckung des Heus in Pfronten oder der Wiederentdeckung der Streuwiesen und ihre Wertschöpfung als Rohstoff. Daneben gab es praktische Vorführungen.

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