Trauchgauer Schützen feiern ihr Jubiläum mit einem großen Festumzug

In Trauchgau lebt die Tradition

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Traditionelle Schützenuniformen gibt es am Sonntag beim großen Festzug viele zu sehen.

Trauchgau – Mit einem großen Umzug, an dem Schützenkompanien aus dem Ostallgäu, dem Landkreis Schongau und sogar aus Tirol teilnahmen, haben die Vereinigten Schützen Trauchgau am Wochenende ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert.

An dem Umzug nahmen auch zahlreiche Ehrengäste, darunter die Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) und der Landtagsabgeordnete Paul Wengert (SPD), teil. Am Sonntagnachmittag war es endlich soweit: Nach dem Festabend in der Vorwoche und einem Stimmungsabend sowie einem Musikantentreffen fand am Sonntag das große Schützenfest der Vereinigten Schützen Trauchgau seinen Höhepunkt. Hunderte Schützen aus dem Landkreis sowie aus Oberbayern und dem benachbarten Tirol zogen mit Musikkapellen und Festwagen durch Trauchgau. 

So zogen mehr als 60 Fußgruppen und Festwagen durch den Ort und über die B17 zum Festzelt zwischen den beiden Gemeindeteilen Halblech und Trauchgau. Erstmals schriftlich erwähnt wurden die Trauchgauer Schützen 1864, das Schießen als solches geht aber noch weiter zurück. So hieß es in der Chronik, dass die Anfänge des Schützenwesens auch in Trauchgau irgendwo im 16. Jahrhundert liegen müssen. 1590 sei das Schlößle von Niederhofen das Jagdzentrum der bayrischen Kurfürsten unter Herzog Ferdinand gewesen. Die erste erhaltene Schützenscheibe stammt aus dem Jahr 1764 und wurde mit Vorderladern ausgeschossen. 

Diese Scheibe wird noch heute in Niederhofen aufbewahrt, eine Kopie hängt in der Kleinkali-berschussstatt der Vereinigten Schützen Trauchgau. Eine von Johann Pröbstl gestiftete Scheibe mit der Aufschrift „Ich hab’ 50 Jahr’ geschossen, hat Mich oft verdrossen aber itz isch auß, Ich sich nimmer naus“ belegt außerdem, dass um 1877 schon in Trauchgau geschossen wurde. In ihrer Chronik haben die Trauchgauer Schützen, die sich 1951 als Vereinigte Schützen nach dem Krieg wieder neu gegründet haben, zahlreiche interessante Daten. So packten sie die Gelegenheit beim Schopf und errichteten 1966 im Keller der neu gebauten Turnhalle in Trauchgau einen Luftgewehr-Schießstand mit Aufenthaltsraum. 

Dort wurde fortan auf vier Zehn-Meter-Ständen geschossen. Im Jahr 1967 schließlich wurde einer der ihren, Beni Niggl Landesschützenkönig beim Oktoberfestschießen in München. Seit 2007 ist Petra Etschmann Deutsche Meisterin mit dem Luftgewehr in der Damen-Altersklasse und seit 2010 ist sie Deutsche Meisterin in der Damen-Altersklasse mit dem Zimmerstutzen. Einen kleinen Querschnitt der Historie bekamen auch die Besucher beim Umzug am Sonntag zu sehen. So hatten zahlreiche Schützenvereine, darunter aus Elbigenalb im Lechtal alte Stutzen und Vorderlader sowie Kanonen dabei, als sie über die B17 defilierten. 

Die Füssener Schützen, die gerade selbst erst ein großes Jubiläum gefeiert hatten, hatten neben den Böllerschützen auch Schützen mit Armbrust und Bogen im Zug. Dass man nicht nur auf Scheiben schießen muss, bewiesen die „Wilderer“, die mit schwarz bemaltem Gesicht ihre „Jagdbeute“ präsentierten. Hatten die Trauchgauer anfänglich noch Glück mit dem Wetter, öffnete der Himmel dann aber kurz vor Ende des festlichen Umzugs seine Schleusen, sodass der eine oder andere nicht mehr trockenen Fußes ins Festzelt kam.

Oliver Sommer

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