Mit einer interaktiven szenischen Lesung eröffnet die Gemeinde Schwangau das Festival "September-Phase"

Zurück ins Jahr 1947

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Statt am Bannwaldsee am Bullachberg: In der dortigen Theatertenne geht die szenische Lesung „Zu Gast bei Ilse Schneider-Lengyel“ über die Bühne.

Schwangau – Vor 70 Jahren traf sich die Gruppe 47 das erste Mal am Bannwaldsee, um über Texte junger Autoren zu diskutieren.

Diese Schriftstellervereinigung bot eine Plattform zur Erneuerung der deutschen Literatur nach dem zweiten Weltkrieg und wurde später zu einer einflussreichen Institution im Kulturbetrieb der Bundesrepublik. Mit dem Kulturfestival „September-Phase“ möchte die Gemeinde Schwangau dieses Jubiläum feiern. 

Eröffnet hat es jetzt Rebecca Mack von Elmenau mit einer interaktiven szenischen Lesung. Der gelungene Versuch von Rebecca Mack von Elmenau, mit „Zu Gast bei Ilse Schneider-Lengyel“ die Atmosphäre nachzuzeichnen, die am 6. und 7. September 1947 im Haus der Künstlerin am Bannwaldsee geherrscht hatte, erntete viel Beifall. 

Literarischer Taubenschlag

 Das von der Regisseurin und Diplomdramaturgin konzipierte Bühnenstück stand im Mittelpunkt der Eröffnung des Kulturfestivals, mit dem die Gemeinde Schwangau bis Ende dieses Monats den 70. Jahrestag der Gründung der Gruppe 47 feiert. 

Nachdem Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke die ungefähr 80 Besucher in der Theatertenne bei Schloss Bullachberg aufgefordert hatte, kurz die Augen zu schließen und sich das Haus am Bannwaldsee zur Zeit der Gründung vorzustellen, verwandelte sich die Küche auf der Bühne denn auch geschwind in eine Art literarischen Taubenschlag. 

Mittendrin Küchenchefin Ilse Schneider-Lengyel alias Mack von Elmenau, die sogleich für ihre Künstlerkollegen, die damals wie heute aus ganz Deutschland angereist waren, zu kochen begann. Dann nahmen die Geschehnisse, die an ein modernes Casting erinnerten, ihren Lauf. 

So kamen nacheinander Wolfdietrich Schnurre (von Andreas Riegel verkörpert), Heinz Friedrich (Tom Nollau), Walter Kolbenhoff (Thomas Honsberg), Isolde Kolbenhoff (Jana Jangl), Heinz Ulrich (Reinhard Mack) und Ilse Schneider-Lengyel mit dem Vortragen beziehungsweise Vorlesen eigener Texte auf dem „elektrischen Stuhl“ zu Wort, wie es Gregor Franke in der Rolle des Schriftstellers Hans Werner Richter formulierte, der diesen historischen Poetry-Slam moderierte. 

Eindrücke vom Krieg

 Dicht umringt von den Zuschauern präsentierten die Darsteller in der Rolle der Poeten auf einem Podium mitten in der Tenne ihre Werke. Sie gaben dabei in erster Linie Zeugnis ihrer Empfindungen, die unter den damals noch relativ frischen Eindrücken des Krieges standen. Phasenweise beklemmend, aber auch rebellisch sowie erheiternd, geriet diese Lesung zu einem berührenden, beeindruckenden und gleichzeitig unterhaltsamen Zeitdokument deutscher Nachkriegsgeschichte.

lex

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