Über 20 Flugunfälle rund um den Tegelberg

Mehr Einsätze für Füssener Bergretter

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20 Mal mussten die Bergretter im vergangenen Jahr den Rettungshubschrauber zur Hilfe rufen.

Füssen/Schwangau – Als moderne Helden bezeichnet zu werden, das würden die 75 Füssener „Bergwachtler“ sicherlich nicht wollen – schon gar nicht öffentlich. Sie kommen eigentlich nur dann „ins Spiel“, wenn Andere nicht mehr können oder wollen.

Und das war im vergangenen Jahr deutlich häufiger der Fall als in den Jahren davor: Insgesamt 135 Mal mussten die Bergretter ausrücken. Leichtsinn und Selbstüberschätzung, frei nach dem Motto: „Auf´n Berg muas ma nauf, grad wurscht wie!“, war einer der Hauptgründe für die 135 geleisteten Einsätze der Bergwacht Füssen in 2018. Nach zuletzt rückläufigen Einsatzzahlen wurden die Ehrenamtlichen damit fast so häufig alarmiert wie im Rekordjahr 2011 (140 Einsätze) und etwas häufiger als 2015, als die Bergretter 129 Mal ausrücken mussten. 

Jubilar Hans Schwarzenbach (v.l.), der neue Ausbildungsleiter Michael Mayer und Georg Seel sowie Bereitschaftsleiter Hannes Bruckdorfer und sein Stellvertreter Andreas Kösl.

Wie aus den Berichten in der Jahreshauptversammlung der Bergwacht am Freitag im Schwangauer Schlossbrauhaus deutlich wurde, fanden die Einsätze zumeist in den Sommermonaten und hier speziell an den Wochenenden statt. Es habe Wochenenden gegeben, an denen bis zu fünf Einsätzen am Tag stattgefunden hätten. 

Bei den 135 Einsätzen kam auch 115 Mal die Gebirgstrage zum Einsatz und 20 Mal musste der Rettungshubschrauber gerufen werden. Allein 78 Einsätze fanden am rund 1900 Meter hohen Tegelberg statt. Weitere Einsatzschwerpunkte waren der Salober- und der Senkele-Rücken. 

Zunehmend zu schaffen macht den Bergwachtlern auch die im Vergleich zu den Vorjahren steigende Zahl der Flugunfälle, etwa mit Drachenfliegern: Insgesamt 22 Mal mussten die Helfer deshalb im vergangenen Jahr ausrücken. Spektakulärster Fall war der Absturz eines Hängegleiters unterhalb der Marienbrücke. 

Dank moderner Technik wie Smartphones mit Ortungsfunktion sei es heute allerdings leichter, die Verunglückten in kürzerer Zeit zu finden und zu versorgen. Jedoch stoße die digitale Technik schnell an die Grenzen, wenn beispielsweise der Akku leer ist oder sich der Betroffene sich in einem Funkloch befindet. Dann müssen die Bergretter wie früher den Verunglückten zu Fuß und teils stundenlang suchen. 

Um den vielfältigen Aufgaben gerecht werden zu können, investieren die Bergretter viel in ihre Ausbildung: Insgesamt verbrachten sie 2018 2751 Stunden im Training. Allein 610 Stunden kosteten die Luftrettungsübungen am Bad Tölzer Simulator und am realen Hubschrauber. Verantwortlich für den Ausbildungsstand der Helfer aus Füssen und Schwangau ist unter anderem Ausbildungsleiter Georg Seel, der dieses Amt am Freitagabend nach zwölf Jahren an seinen Stellvertreter Michael Mayer übergab. 

Mehr Mädchen

Frischen Wind gibt es auch in der Jugendgruppe der Füssener Bereitschaft. Denn diese verzeichnete vergangenes Jahr gleich acht Neuzugänge, darunter sechs Mädchen. „Das gab´s in den fünf Jahren seit Gründung noch nie!“, freute sich Jugendleiter Dr. André Hitzl. Damit beläuft sich die Gesamt Stärke der jungen Nachwuchs-Retter auf 14 Personen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren. 

Diese trafen sich an 24 Terminen und erfuhren in 1450 Ausbildungsstunden Vieles über die Gefahren im alpinen Gelände wie auch über Sicherungstechniken ohne und mit Seil. Höhepunkt des Jahres 2018 war aber sicherlich die zweiwöchigen Dreharbeiten des KinderKanal über ein Mitglied der Füssener Jugend für die Rubrik „Schau in meine Welt“. „Zum Schluss machten wir uns mehr Sorgen um das Berliner Filmteam als um unseren Nachwuchs. Sind sie doch solche Höhen nicht gewöhnt“, schmunzelte Bereitschaftsleiter Hannes Bruckdorfer. 

Für sein 25-jähriges Engagement als Aktiver zeichnete Bruckdorfer anschließend Hans Schwarzenbach aus. Schwarzenbach sei darüber hinaus maßgeblich am Bau der neuen Rettungswache beim Füssener Krankenhaus beteiligt gewesen, lobte der Bereitschaftsleiter. 

Lob für ihren Einsatz erhielten die ehrenamtlichen Bergretter von Füssens Zweitem Bürgermeister Niko Schulte (CSU). Dieser verglich den Geist der Bergwachtler mit dem Spruch der drei französischen Musketiere Alexandre Dumas. „Einer für Alle, alle für einen. Auf dass alle Bergwachtler gesund aus ihren Einsätzen zurück kehren mögen!“

th

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