Geigenbaumeister Oliver Radke referiert beim Festival "vielsaitig" über neue Restaurationstechniken

Mit dem 3D-Drucker zur Geige

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Der in Füssen arbeitende Geigenbaumeister Gabriel Reinhold setzt sich noch kurz ans Klavier, nachdem er die Präsentation der Instrumente aus regionalen Werkstätten aufgebaut hatte und auf erste Besucher wartet.

Füssen – Große Handwerkskunst können Besucher derzeit beim Festival „vielsaitig” bewundern.

Wie man moderne Technik beim Geigenbau einsetzen kann, das war jetzt Thema vom Füssener Geigenbaumeister Oliver Radke. Dieser referierte beim „Treffpunkt Geigenbau” am Samstag über eine neue Restaurationstechnik mit 3D-Drucker/ Scanner sowie CNC-Fräsmaschinen. 

Die Füssener Lautenmacher gaben sich als erste in Europa 1562 eine eigene Zunftordnung, mit der sie die Ausbildung regelten und die Zahl der ansässigen Meister reglementierten. Das führte zu Auswanderung von Instrumentenbauern in großer Zahl, vor allem über die Alpen nach Italien. Dadurch starb im 19. Jahrhundert der Beruf in Füssen sozusagen aus. 

Die Werkstattgründung von Geigenbaumeister Pierre Chaubert in der Altstadt, der auch beim „Treffpunkt Geigenbau“ beim „vielsaitig”-Festivals erneut vertreten ist, ließ vor 35 Jahren dieses Handwerk der Instrumentenbauer wieder aufleben. 

Nicht allein Instrumente aus den regionalen Werkstätten sind beim interessanten „Forum“ im historischen Colloquium-Saal vertreten. Beteiligt haben sich auch Kollegen, die nicht in Füssen tätig sind. Dabei fällt auf: diesmal fehlen Geigenbauerinnen. „Wir haben Kolleginnen eingeladen, aber leider haben sie nicht mitgemacht“, bedauerte Gabriel Reinhold gegenüber dem Kreisbote. Er hatte die Präsentation abgeschlossen und hörte sich mit dem Kollegen Oliver Radke die ersten Besucherfragen an. 

Vor einem überschaubaren Kreis war Geigenbaumeister Radke, der eine Werkstatt in der Brunnengasse hat und damit Nachbar von Chaubert und Zupfinstrumentenbauer Urs Langenbacher am Schrannenplatz ist, nachmittags Referent. Sein Thema „Moderne Methoden in der Restauration – wird Geigenbau digital?“ Mit zahlreichen Bildbeispielen stellt er dabei Argumente zur Diskussion, die im Detail dafür sprechen könnten, dass sich die gute alte Zunft dem Fortschritt nicht grundsätzlich verweigern sollte. 

Bei der Restauration von Instrumenten, so Radke, könnten 3D-Drucker/Scanner und CNC-Fräsmaschinen zum Einsatz kommen. Der handwerklich erfahrene Referent gab Denkanstöße. Letztlich muss wohl jeder Meister für sich und seine Gesellen entscheiden, wie die Aufgaben ausgeführt werden: zeitaufwändig handwerklich oder technisch unterstützt. 

Vertreten beim „Treffpunkt Geigenbau“ ist auch der in Füssen und Pfronten gut bekannte Andreas Ott, der jetzt in Kempten seine Werkstatt hat. „Wir stellen die Instrumente während des gesamten Festivals im städtischen Museum aus“, unterstrich Geigenbaumeister Reinhold. Nach dem Gedankenaustausch und den weiteren Fachvorträgen am vergangenen Wochenende besteht für Besucher weiter die Möglichkeit, große Handwerkskunst – made in Germany – zu bewundern.

cf

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