Joan Baez macht auf ihrer Abschiedstournee Station am Forggensee

Abschied einer Grande-Dame

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Nicht mehr so stimmgewaltig wie früher, aber mit einer deutlichen politischen Haltung präsentiert sich Joan Baez ihren Fans am Forggensee.
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Nicht mehr so stimmgewaltig wie früher, aber mit einer deutlichen politischen Haltung präsentiert sich Joan Baez ihren Fans am Forggensee.
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Nicht mehr so stimmgewaltig wie früher, aber mit einer deutlichen politischen Haltung präsentiert sich Joan Baez ihren Fans am Forggensee.
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Nicht mehr so stimmgewaltig wie früher, aber mit einer deutlichen politischen Haltung präsentiert sich Joan Baez ihren Fans am Forggensee.
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Nicht mehr so stimmgewaltig wie früher, aber mit einer deutlichen politischen Haltung präsentiert sich Joan Baez ihren Fans am Forggensee.
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Nicht mehr so stimmgewaltig wie früher, aber mit einer deutlichen politischen Haltung präsentiert sich Joan Baez ihren Fans am Forggensee.

Füssen – Legendär ist der nächtliche Auftritt der schwangeren Joan Baez im Regen beim Woodstock-Festival vor knapp 50 Jahren. Joan Baez war und ist eine Institution der Protest- und Friedensbewegung.

Wegen ihres Einsatzes für Menschenrechte wanderte sie sogar ins Gefängnis. Die amerikanische Folk-Sängerin befindet sich derzeit auf Abschiedstournee durch Europa und bereitete bei den „Königswinkel Open Airs” rund 6000 Zuhörern einen anrührenden und inspirierenden Abend am Forggensee. Die 78-Jährige spricht eher das bejahrte Publikum ihrer Generation an. 

Mit ihren Songs zeichnet sie Geschichten; meist mit Interpretationen fremder Lieder, die sie durch ihre oft sanfte Stimme, durch ihr feines Zupfspiel an der akustischen Gitarre und ihrem häufig ernsthaft-melancholischen Ton zu ihren eigenen macht. Phil Ochs, Tom Waits, Josh Ritter, Woody Guthrie, Donovan, Antony and the Johnsons und Zoe Mulford heißen die Original-Interpreten der Titel von Füssen. 

Aber auch Leonard Cohen, Earl Robinson, Violeta Parra, Paul Simon und Pete Seeger gehören dazu. Einigen Raum nehmen auch Songs von Bob Dylan ein, dessen Lebensgefährtin Baez in den 1960er Jahren war. Ihm widmete sie „Diamonds and Rust“, ein eindringliches Stück Musik und eines der wenigen an diesem Sommerabend, die sie selbst geschrieben hat. Es erzählt wehmütig von ihrem mitunter schwierigen Verhältnis zu Dylan. 

Das markante Vibrieren in ihrer Stimme ist im Alter verschwunden, der helle Sopran ist dunkler geworden und stellenweise etwas heiser. Ein Getränk steht stets griffbereit und die junge Sängerin Grace Stumberg unterstützt Baez in den höheren Tonlagen. Sohn Gabriel Harris am Schlagwerk und der versierte Multiinstrumentalist Dirk Powell bewegen sich fast immer an Baez’ Seite.

Bei einigen Stücken steht sie aber auch völlig allein auf der großen Seebühne, singt deutsche Titel wie „Der Mond ist aufgegangen“, „Sag mir, wo die Blumen sind“ und „Kinder (Sind so kleine Hände)“, das sie – ohne Begleitung ein wenig holprig – vom Textblatt liest. Es fehlt die Protest-Hymne „We shall overcome“ und ihr großer Erfolg „The Night they drove old Dixie down“, dessen Melodie in Deutschland auch unter dem Titel „Am Tag als Conny Kramer starb“ von Juliane Werding bekannt wurde. 

Gegen Mauerbau

Baez zeigt in Füssen ihre politische Haltung deutlich. Sie widmet ein Lied den Flüchtlingen in aller Welt und spricht sich gegen den Bau von Mauern aus. Der Name „Trump“ fällt dabei kein einziges Mal – doch wird sofort klar, wer gemeint ist; zumal Baez selbst mexikanische Vorfahren hat. Der gewaltfreie Widerstand hat einen festen Platz in ihrem Leben, sei es im Vietnamkrieg oder der Bürgerrechtsbewegung in Amerika. Musiker, die zum Innehalten auffordern und offensichtlichen Ungerechtigkeiten mit Festigkeit entgegen treten, fehlen heute mehr denn je. Umso bedauerlicher, dass eine starke politische Stimme des Folk nun von der Bühne abtritt. 

Eine bezeichnende Begebenheit am Rand des Füssener Auftritts: Ein paar Zuschauer setzen sich direkt neben den teuren VIP-Plätzen vor der Bühne auf den Boden in den Staub und lauschen der Sängerin von dort. Als der Sicherheitsdienst einschreitet und sie von dort vertreiben will, bricht Baez während eines Songs ab und weist ihrerseits die Wächter an, die Zuhörer dort sitzen zu lassen. Und beginnt den Song von neuem. Ein bewegender – und der vermutlich letzte – Auftritt der großen alten Dame des Folk in Deutschland.

chr

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