Josef Kössel blickt bei seinem 90. Geburtstag auf sein Leben zurück

Josef Kössel ist seit 40 Jahren Fähnrich der Kameradschaft der Spielhahnjäger Allgäu/Falkenstein. Foto: privat

Weizern – Seinen 90. Geburtstag hat kürzlich Josef Kössel gefeiert. Die Erlebnisse, die er während des Zweiten Weltkrieges in der Wehrmacht gemacht hatte, prägen ihn noch heute. So setzt er sich als erster Vorsitzender bei den Spielhahnjägern Allgäu/Falkenstein für den Frieden ein.

1941 wurde Kössel als junger Bursche in der Wehrmacht zum Kradschützen in München ausgebildet. Im Juni 1942 wurde er dann zu einer Maschinengewehrstaffel in einer Aufklärungsabteilung der ehemaligen 97. Jägerdivision, den Spielhahnjägern, versetzt. Das Ziel der Division im Krieg gegen Russland war das Schwarze Meer. Der Vormarsch über rund 2000 Kilometer wurde jedoch im Südwest-Kaukasus gestoppt und so traten sie im Februar 1943 den Rückzug an. Da Josef Kössel bei den Kriegshandlungen mehrfach verwundet wurde, wurde er gegen Ende des Kriegs als Postenführer eines russischen Gefangenenlagers in Simbach am Inn eingesetzt. Seine verständnisvolle und menschliche Art gegenüber den Gefangenen veranlasste einen russischen Offizier ihm nach der Kapitulation ein Empfehlungsschreiben in englischer Sprache zu übergeben. Dieser „Ausweis“ half ihm, als er aus einem amerikanischen Lager in Marktl zum Hof seiner Eltern nach Weizern flüchtete. Um die in Not geratenen Angehörigen und Familien der ehemaligen Soldaten seiner Division zu unterstützen, stand er 1955 bei der Gründung der Kameradschaft der Spielhahnjäger Allgäu/Falkenstein dem Vorsitzenden Alex Eiterer als zweiter Vorstand zur Seite. Damit er seiner Arbeit bei den Spielhahnjägern nachgehen konnte, hielt ihm seine Frau Rosa den Rücken auf dem gemeinsamen Hof frei. 1972 übernahm Kössel in der Kameradschaft die Aufgaben des Fähnrichs und nach dem Tod von Alex Eiterer die des 1. Vorsitzenden. Besonders wichtig ist ihm, das Denkmal der Spielhahnjäger auf dem Falkenstein mit der jährlichen Bergmesse zum Gedenken an die fast 14.000 Opfer der ehemaligen 97. Jägerdivision und an den Appellen und Vereidigungen der Füssener Gebirgsjäger teilzu- nehmen. Denn auf diese Art soll vermittelt werden, dass nie wieder ein Krieg von deutschem Boden ausgehen darf.Im Januar 2011 übergab die Kameradschaft der Spielhahnjäger ihr Vermächtnis. Josef Kössel unterzeichnete den Vertrag mit der Gemeinde Pfronten und der Reservistenkameradschaft, das Denkmal auf dem Falkenstein dauerhaft zu erhalten, zu pflegen und die jährliche Bergmesse, immer am Sonntag vor Pfingsten, zu organisieren. Josef Kössel, der unter anderem 51 Jahre lang Vorsitzender der Veteranenkameradschaft war, verbringt in geistiger Frische den Lebensabend mit seinem Sohn und dessen Familie in Weizern. kb

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