Jung und Alt unter einem Dach

Im Moment ist es nicht mehr als ein Traum: Das Münchener Ehepaar Gisela Schultze-Bachmann und Herbert Bachmann wollen in Füssen ein Mehrgenerationenwohnhaus errichten. Darin sollen zehn bis 15 Mietparteien aller Altersstufen miteinander leben und sich gegenseitig helfen. Einen Investor oder ein Grundstück gibt es im Moment noch nicht, dennoch wollen die beiden Ideengeber in drei Jahren dort einziehen. Am Donnerstag präsentierten sie die Idee dem Seniorenbeirat.

Die beiden Münchner sind selbst um die 60 Jahre alt, die beiden erwachsenen Söhne sind aus dem Haus, wie sie den Mitgliedern des Seniorenbeirats erklärten. Sie wohnen in München, machen aber am liebsten im Ostallgäu Urlaub und würden am liebsten bald hierherziehen. Aber nicht in irgendein Haus, sondern in ein „Mehrgenerationenwohnhaus“. Mehrgenerationenhäuser gibt es viele, „aber sie sind nur ein Treff“, so Gisela Schultze-Bachmann. Ihr und ihrem Mann schwebt ein tatsächliches Wohnhaus vor. Von einander profitieren Dort sollen etwa ein Drittel der Mietparteien der Generation „60+“ angehören, der Rest jünger sein. Die Bewohner sollen eine Gemeinschaft bilden, miteinander die Freizeit verbringen, kochen essen, Feste feiern. Die Jugend soll von der Erfahrung der Älteren profitieren, die Senioren durch den Austausch mit der jüngeren Generation „up to date“ bleiben, so Herbert Bachmann. Daher soll das zukünftige Mehrgenerationenwohnhaus neben Wohnungen über einen Gemeinschaftsraum mit einer Küche verfügen und freilich komplett barrierefrei sein. Ein Grundstück oder einen Investor, der das Haus baut, haben Schultze-Bachmann und ihr Mann noch nicht. „Wir sind mit Investoren in Verhandlungen“, gaben sie an. Wie sowohl Mitglieder des Beirats als auch der Ostallgäuer Seniorenbeauftragte Alexander Zoller meinten, wäre es wichtig zuerst eine Gemeinschaft zusammen zu haben, die Interesse an einer solchen Wohnform hat, um Investoren zu begeistern. „Mit einer guten Gemeinschaft finde ich auch ein Haus“, so Zoller. Alternative Wohnformen sind gefragt Die Beiratsvorsitzende Ilona Deckwerth gab sich hier zuversichtlich. Die Umfragen zum Füssener Seniorenkonzept hätten ein Interesse der Füssener Bevölkerung offenbart. „Ich bin erstaunt, wie viele Menschen sich interessiert gezeigt haben an alternativen Wohnformen.“ Auch für Füssen sehen die Ideengeber einen Imagegewinn, das Mehrgenerationenwohnhaus soll ein Vorzeigeprojekt werden. Auch Bürgermeister Paul Iacob (SPD) habe seine „ideelle Unterstützung“ zugesichert, was er auch in der jüngsten Stadtratssitzung bestätigt hatte. Ideen holte sich das Münchener Ehepaar unter anderem in Sonthofen und Regensburg, wo es bereits ähnlich Wohnformen gibt. Die Mitglieder des Seniorenbeirats zeigten sich offen für die Idee und regten an, auch gegenüber jüngeren Menschen die Idee zu präsentieren, etwa in Form einer öffentlichen Informationsveranstaltung. Bislang präsentieren Gisela Schultze-Bachmann und Herbert Bachmann ihr Projekt im Internet unter www.mgwf.de.

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