Marie Mayer hat es auf die großen Theaterbühnen der Republik geschafft

"Es passiert so viel!"

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Ihr Auftritt in „Kabale und Liebe“ auf der Freiburger Bühne war für die gebürtige Füssenerin Marie Mayer der Türöffner in die Theaterwelt.

Füssen/Stuttgart/Freiburg – Marie Mayer hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Die 23-Jährige ist hauptberuflich Schauspielerin. Doch das wäre ihr vor einigen Jahren nie in den Sinn gekommen. „Ich dachte Schauspieler sind Menschen, die Aufmerksamkeit brauchen.

Ich bin eher introvertiert“, so die gebürtige Füssenerin. Im Kreisboten erzählt sie, wie sie zur Schauspielerei gekommen ist. 

Karla sitzt mit angezogenen Knien auf ihrem Bett, tippt versunken auf ihr Handy herum. Als ein Mann in ihr Zimmer stürmt, beginnen ihre Augen zu leuchten. „Tamás, hey, ich hab schon gedacht du kommst nicht mehr. Ich hab dich ein paar mal angerufen.“ „Das ist jetzt nicht dein Ernst. Karla, was hast du dir dabei gedacht“, schnauft Tamás aufgebracht. Was nach einem Streit klingt, ist eine Szene in der neuen ZDF-Serie „Bettys Diagnose“. 

Mittendrin ist eine Füssenerin. Marie Mayer spielt hier die Klara. Die 23-Jährige ist von Beruf Schauspielerin. Über die Musik hat sie ihre Liebe zum Schauspiel entdeckt, wie sie erzählt. Mit 13 Jahren sang sie in einer Rock-Pop-Cover-Band „The Candy Cans“ auf Hochzeiten und Faschingsbällen rund um Füssen. „Die Gefühle, die über die Lieder transportiert werden haben mich fasziniert“, so Mayer. 

Die Geschichten, die sie erzählen und so auf die Bühne bringen, ließen sie nicht mehr los. So probierte sie ihr Können in der Theater-AG der Anton-Sturm Mittelschule aus. Doch nachdem sie ihren Schullaufbahn mit dem M-Zweig beendet hatte, war der Berufswunsch Schauspielerin noch in weiter Ferne. „Ich hatte den konkreten Gedanken damals noch nicht – noch gar nicht in Erwägung gezogen, es wirklich ernsthaft zu machen. Ich war 16 und interessierte mich sehr für Sprachen. Es war mehr so ein ,Okay-dann sehe ich mal in diese Richtung – wer weiß, was danach kommt’.“ Also ging sie nach Kempten und machte eine Ausbildung zur Übersetzerin. Doch dass das nichts für sie ist, merkte sie schnell. „Das war so theoretisch. Ich wusste ein Bürojob funktioniert bei mir nicht“, erzählt. 

Dennoch machte sie die Ausbildung zu Ende. Denn gerade auch für ihre Eltern war es wichtig, dass sie „etwas Festes“ vorweisen kann. Doch nach ihrem Abschluss „ließen sie mich quasi gehen“, so Mayer. Gehen in eine Welt voller Geschichten, Emotionen, Spannung, aber auch voller Unsicherheiten, Leistungsdruck und Belastungen. Denn während ihrer Ausbildung wurde ihr klar, dass die Schauspielerei sie „so fasziniert, dass ich es ausprobieren muss.“ Sie bewarb sich bei einer privaten Schauspielschule in Stuttgart, sprach vor – und wurde genommen. 

Von da ab standen Tanz, Improvisation und Gesang auf ihrem Stundenplan – „das, was ich sonst als Hobby gemacht habe. Es war vom ersten Tag an großartig“, so Mayer. Dennoch wurde sie von der Art zu arbeiten überrascht. „Man stellt sich nicht hin und rattert seinen Monolog hinunter“ – so wie sich das viele ihrer Generation vorstellen. Es geht nicht um Pathos oder Dramatik, sondern darum „was für Emotionen in einer Szene stecken. Momente zu schaffen, die Menschen in eine Szene reinziehe, sodass sie gar nicht mehr wegschauen können“, erklärt Mayer. 

Glück und harte Arbeit 

So seien manchmal gerade Schülervorstellungen, bei denen Jugendliche anfangs unruhig, später jedoch völlig von der Aufführung gefesselt sind, „viel schöner“ als reguläre Abendvorstelllungen, da die Emotionen „ehrlich“ sind. Doch der Weg raus aus der Schule auf die Theaterbühne und vor die Kamera war hart. Denn „es bringt einem nicht so viel eine Privatschule zu machen“, weiß die 23-Jährige heute. Denn die staatlichen sind in der Branche angesehener, ihre Absolventen besser im Rennen. Wichtig zu wissen, in einer Branche, in der auf insgesamt 6500 Stellen beim Film, im Fernsehen oder auf der Bühne etwa 15.000 Schauspieler kommen. Aber mit 17 war „ich völlig grün hinter den Ohren“, meint die 23-Jährige heute. 

Sie hatte keine Ahnung, was der Unterschied zwischen staatlicher und privater Schauspielschulen ist. Mit etwas Glück aber vor allem harter Arbeit, lief es dennoch gut für sie. Sie ging zu vielen Vorsprechen, präsentierte gegen 50 Konkurrentinnen ihre drei bis vier Rollen, die sie in ihrer Ausbildung erarbeitet hatte, zog mehrmals für Engagements um. Schließlich bekam sie in Freiburg eine Rolle im Theaterstück „Kabale und Liebe“ – ihr Türöffner fürs Theater. Freie Filmproduktionen folgten. Mittlerweile hat sie einen Zweijahresvertrag im Ensemble der Württembergischen Landesbühne. Sie spielt derzeit die Hauptrolle in der Produktion „Die Glückskuh“. 

Gleichzeitig laufen die Proben für „Johnny Cash“, in der sie June Carter spielt. Für die neue ZDF-Serie „Bettys Diagnose“ stand sie in einer Gastrolle vor der Kamera. „So wie es im Moment läuft ist es am schönsten“, sagt Mayr: Theaterspielen und wenn sie frei hat, raus zum Drehen. Denn „es sind zwei verschiedene Arbeitsweisen. Beides ist unterschiedlich, aber beides ist toll“. Im Theater könne man eine Geschichte von Anfang bis Schluss erzählen, im Film oder Fernsehen gehe es dafür viel feiner beim Darstellen der Emotionen zu. „Es passiert so viel jeden Tag.“ 

Dennoch ist das Schauspielern für Mayer mehr Vergnügen als Arbeit. Ihre Kraft dafür zieht sie aus ihrer „Schauspielfamilie“, aber auch aus der Heimat, dem Allgäu. „Es ist superschön zurückzukommen“, meint Mayer. Die Berge zu genießen, Freunde und Familie zu treffen. Doch schwergefallen wegzuziehen sei es ihr „überhaupt nicht“, lacht sie. „Ich brauche die Schnelllebigkeit der Stadt und meinen Job“, meint sie und packt ihre Sachen. Sie muss in die Maske für „die Glückskuh“.

Katharina Knoll

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