BRK Ostallgäu hilft Asylbewerbern in der Arbeitswelt Fuß zu fassen

Wichtige Erfahrungen

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Der junge Afghane Sayed Amjad Hussain Kazmi begann im Seniorenheim St. Michael in Füssen mit gemeinnütziger Arbeit. Im März 2016 machte er mit einem offiziellen Praktikum weiter und nahm im September schließlich seine Ausbildung als Altenpfleger auf.

Landkreis/Füssen – „Altenpfleger ist ein toller Beruf und im BRK Seniorenheim St. Michael hatte ich einen guten Einstieg“, schwärmt Sayed Kazmi.

Der Migrant aus Afghanistan absolviert derzeit in Füssen eine Ausbildung zum qualifizierten Altenpfleger. Zunächst leistete er ab Oktober 2015 gemeinnützige Arbeit und lernte so die Rotkreuzeinrichtung in Füssen kennen. 

Ein halbes Jahr später begann Kazmi ein offizielles Praktikum zur Vorbereitung auf den Pflegeberuf. „Bei der Flüchtlingsarbeit stehen jetzt Hilfen auf dem Weg ins Berufsleben im Vordergrund“, sagt Thomas Hofmann, Geschäftsführer beim BRK-Kreisverband Ostallgäu. Teilweise auch in festen Beschäftigungsverhältnissen sammelten rund 80 Zuwanderer in den vergangenen zwei Jahren Arbeitserfahrung in Rotkreuzeinrichtungen vor Ort. 

Die Aufgaben für die jungen Männer reichten dabei vom Ein- und Abdecken der Tische in den Speisesälen über Hilfen in der Küche bis hin zur Aufnahme einer Ausbildung im altenpflegerischen Bereich. „Damit ist Flüchtlingshilfe beim Roten Kreuz weit mehr als die Not-Erstaufnahme erschöpfter Flüchtlinge in Turnhallen“, betont Hofmann. 

So sieht er den Einstieg der Migranten in die heimische BRK-Arbeitswelt als eine Bereicherung und eine Aufgabe ganz im Sinne der Rot-Kreuz-Idee zu helfen, ohne nach Herkunft, Rasse, Religion oder politischen Einstellungen zu fragen. „Neuland betreten wir in Bezug auf die Ausbildung ausländischer Mitarbeiter nicht“, erklärt Personalleiter Werner Ehrmanntraut.

Mausart Hussain aus Pakistan begann mit einem Praktikum im BRK Clemens-Kessler-Haus Zentrumf. Nebenher besuchte er Deutschkurse und bekam von Seiten des Clemens-Kessler-Hauses Unterstützung bei zahlreichen Behördengängen. Mittlerweile arbeitet Hussain als Altenpflegehelfer.

Bereits 2014 startete der Kreisverband ein Ausbildungsprojekt mit fünf spanischen Altenpflegern (der Kreisbote berichtete). Von diesen Erfahrungen profitiere der Kreisverband nun bei der Integration von Zuwanderern, so Ehrmanntraut. Eine gewichtige Rolle würden aber auch die Asylkreise vor Ort spielen.

Die Asylhelfer kennen die einzelnen Flüchtlinge und können so sozial interessierte Bewerber vermitteln. So fand Kazmi seinen Einstieg beim Roten Kreuz. „Als es Schwierigkeiten wegen der Zeugnisanerkennung für die Altenpflegeschule gab, halfen mir mein externer Flüchtlingsbetreuer und die Mitarbeiter von St. Michael“, erzählt Kazmi. Er sieht seine Perspektiven in der Altenpflege als sehr gut an. Er räumt aber auch ein, dass die Schule anspruchsvoll sei, da die Erschwernis der gerade erst gelernten deutschen Sprache hinzukäme.

Umfassende Hilfe

Diesen Knackpunkt sieht auch Ehrmanntraut: „Wir wollen bei der Integration umfassende Hilfestellungen anbieten.“ Neben der Begleitung durch BRK-Paten fördere der Kreisverband den Erwerb der notwendigen Sprachkenntnis (B2-Standard) und sorge für ein angemessenes Lebens- und Lernumfeld. „Zu diesem Zweck haben wir eine Wohnung angemietet und stellen bei Bedarf einzelne Zimmer zur Verfügung.“ 

Davon profitiere laut Ehrmanntraut derzeit auch Musarat Hussain aus Pakistan. Nach erfolgreichem Praktikum arbeitet er im Clemens-Kessler-Haus, BRK-Zentrum für Betreuung und Pflege, als Altenpflegehelfer. „Ich bin froh, dass ich ein Zimmer in der BRK-Wohngemeinschaft beziehen konnte“, sagt Hussain. Nach zwei Jahren Integrationsarbeit zieht Ehrmanntraut folgendes Fazit: Migranten bräuchten rund ein Jahr, bis sie organisiert seien und ausreichend Sprachkenntnisse hätten, um Arbeitstätigkeiten aufzunehmen. 

Die Anerkennung von Zeugnissen durch die Behörden sei ein schwieriges, zeitintensives Unterfangen, für das man zusätzliche Arbeitszeit bei den Mitarbeitern einplanen müsse. Lieselotte Hempel, Einrichtungsleitung des Marktoberdorfer Clemens-Kessler-Hauses, ergänzt pragmatisch: „Die Betreuung der Flüchtlinge durch Paten bindet Arbeitszeit und ist eine Aufgabe, der wir uns bewusst stellen müssen, damit es funktioniert.“

kb

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