Nach jahrelangen Diskussoinen

Land Tirol verhängt Motorradverbot

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Gerade im Sommer zieht es Motorradfahrer zu Ausflugsfahrten in die Berge. Doch unter dem zunehmenden Lärm leiden immer mehr die Anwohner. Deshalb hat die Tiroler Landesregierung jetzt ein Fahrverbot für besonders laute Motorräder im Außerfern erlassen. Das tritt ab 10. Juni in Kraft.

Reutte – Egal ob Hahntennjoch-, Lechtaler- oder Tannheimerstraße: Das Außerfern ist im Sommer gerade bei Motorradfahrerin für Ausflugsfahrten beliebt – zum Leidwesen vieler Anwohner, die der Lärm der Biker stört. Deshalb greift die Tiroler Landesregierung jetzt zu drastischen Mitteln.

Für besonders laute Motorräder gilt ab Mittwoch, 10. Juni, ein Fahrverbot.Das ist das Resultat der „Motorradlärmstudie Außerfern” aus dem vergangenen Jahr, wie Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Die Grüne) jetzt bekannt gibt. 

„Wir werden mit 10. Juni dieses Jahres besonders laute Motorräder, welche laut Zulassung einen Nahfeldpegel von über 95 dB aufweisen, auf den einschlägigen Routen verbieten”, erklärte Felipe. „Diese, in Österreich erstmals auf Lärm basierenden Fahrverbote, sollen zu einer spürbaren Entlastung für Mensch und Natur führen.“ 

Die Bergstraßen im Außerfern sind seit vielen Jahren beliebte Ausflugsstrecken für unzählige Motorradfahrer. Die Lärmbelastung für die entlang der Straßen lebenden Menschen sei dementsprechend gestiegen, so Felipe. 

Zusätzlich zu den bereits in den vergangenen Jahren verordneten Maßnahmen werde mit diesen neuen Fahrverboten auf der Bschlaber-, der Hahntennjoch-, der Lechtaler-, der Berwang-Namloser und der Tannheimerstraße eine spürbare Reduktion des Lärms eintreten, erwartet sich der Lärmexperte des Landes, Christoph Lechner von der Abteilung ESA: „Die gutachterliche Grundlage für diese Verordnungen bildet die repräsentative Lärmstudie, aus welcher klar hervorging, dass der Motorradverkehr an den Sommer-Wochenenden und insbesondere das hochtourige Fahren bei Beschleunigungs- und Bremsvorgängen am meisten störend für die Befragten sind.” 

Fahrverbote für „laute” Motoräder und das Sperren bestimmter Strecken werde mit großer Mehrheit befürwortet. „Generelle Wochenendfahrverbote hingegen mehrheitlich abgelehnt”, so der Lärmexperte. 

Unter Federführung der Abteilung Verkehrsrecht und unter Einbindung der Bezirkshauptmannschaften Reutte und Imst habe die Landesregierung an den Maßnahmen gearbeitet, erklärt Felipe. „Wesentlich dabei ist die rechtliche Durchsetzbarkeit, die praktische Umsetzbarkeit und die spürbare Verbesserung für die anrainende Bevölkerung. Die nun gesetzten Schritte sollen alle diese Vorgaben erfüllen.“ 

220 Euro Bußgeld

Bernhard Knapp, Leiter der Verkehrsrechtsabteilung erklärt: „Sollte der in der Zulassung festgeschriebene Nahfeldpegel einen Wert von 95 dB überschreiten, gilt das Fahrverbot.” Halten sich die Motorradfahrer jedoch nicht an diese Regel müssen sie mit einer Geldstrafe von 220 Euro rechnen. 

Veranschaulichen lassen sich die Verordnungen an einem Beispiel, wie Lechner erklärt: „Aktuell würden die Fahrverbote circa sieben Prozent der in Österreich zugelassenen Motorräder betreffen. Diese 4400 lauten Motorräder erzeugen in Summe dieselbe Emission als Nahfeldpegel, wie die restlichen circa 61.000 leiseren Motorräder.“

 Die Fahrverbote gelten ab Mittwoch, 10. Juni, bis Samstag, 31. Oktober 2020, ohne Ausnahmen für Ziel-, Quell- und Anrainerverkehr. „Die übergebührliche Lärmbelastung für die Menschen entlang der Motorradstrecken erfordert auch entsprechende Maßnahmen”, unterstreicht Felipe. „Diese werden ab Inkrafttreten fachlich begleitet und evaluiert, sodass wir nach der Motorradsaison die Auswirkungen feststellen und für kommendes Jahr mögliche Änderungen erarbeiten können.”

kb

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