Füssener Geigenbauer informieren während "vielsaitig" über ihr Handwerk

Blick hinter die Kulissen

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Andreas Ott ist mit der Instandsetzung eines Kontrabasses beschäftigt.

Füssen – Das gute Holz der Bergwälder im Füssener Land war solide Grundlage für den Aufstieg der Stadt am Lech als „Wiege“ des professionellen Lautenbaus in Europa.

In Füssen wurde die erste Lautenmacherzunft Europas gegründet. 1562 war das allerdings auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Berufsstand der Lautenbauer mit Problemen kämpfte. Denn der Zunftzwang, so erklärt es eine Schrift aus dem Kulturamt der Stadt, sorgte für eine Regulierung des Marktes. 

Zu dieser Zeit kamen in Füssen auf 2000 Einwohner rund 20 Lautenbauerwerkstätten: Zu viele, um damit sogar als Meister ein Auskommen zu finden. Viele zogen deshalb weg von Füssen. Sie pflegten künftig ihr Handwerk in einigen südlicheren Städten entlang der Via Claudia Augusta: In Venedig und Padua waren im 16. und 17. Jahrhundert etwa zwei Drittel aller Lautenbauer Füssener Abstammung. 

Heute gibt es noch zwei Werkstätten in der Altstadt, die jetzt zum „Festival vielsaitig“ einen Beitrag leisten. Der „Treffpunkt Geigenbau“ in der Füssener Sing- und Musikschule am Kaiser-Maximilian-Platz 1 wird von Andreas Ott organisiert. Gezeigt werden zeitgenössische Streichinstrumente aus den Werkstätten von Pierre Chaubert und Oliver Radtke. 

Der Treffpunkt wird am morgigen Donnerstag, 3. September, um 10 Uhr eröffnet. Danach bieten die Organisatoren bis 6. September – jeweils von 10 bis 16 Uhr – die Gelegenheit, „uns in entspannter Atmosphäre Fragen zu den einzelnen Instrumenten zu stellen und diese auch auszuprobieren“, wie Andreas Ott im Gespräch mit dem Kreisboten betont. 

Große Begeisterung 

Passend zum Festival-Motto „baRock“ (sie eigener Artikel auf Seite 9 dieser Kreisboten-Ausgabe) ist Gabriel Reinhold aus der Radke-Werkstatt mit zwei Barockinstrumenten vertreten. Reinhold hat die Geigenbauschule Mittenwald besucht, in Wien gearbeitet und ist seit 2014 in der Lechstadt. Mit Oliver Radke, der nach seiner Meisterprüfung in Hamburg Erfahrungen in den USA, Singapur, Malaysia und auch Korea sammelte, teilt sich Gabriel Reinhold jetzt regelmäßig die Werkstattluft in der Brunnengasse. 

„Die Begeisterung für den Neubau von Instrumenten ist bei den beiden Kollegen sehr groß“, so Ott. Radke ist überregional als virtuoser Bassist in unterschiedlichen Bands bekannt. Er erklärt: „Meine Instrumente sind verlässliche Partner, die Freude am Spielen bereiten, weil sie ein reiches Spektrum an Klangfarben bieten.“ Die Stadt Füssen kann ihre Lautenbau- und Geigenbau-Tradition lebendig halten. 

Dazu trägt seit 1982 auch Chaubert bei, der seine Werkstatt am Schrannenplatz gründete. Der Geigenbaumeister stammt ursprünglich vom Genfer See. Ott wiederum absolvierte die Ausbildung in Stuttgart. „Ich kümmere mich in der Chaubert-Werkstatt hauptsächlich um die Restaurierung und Reparatur von älteren Instrumenten“, erläutert er seine Arbeit neben dem Bau von Geigen, Bratschen und Celli.

 Während dieser „Treffpunkt Geigenbau“ im Rahmen des Festivals „vielsaitig“ auf vier Tage beschränkt bleiben muss, lädt die Stadt Füssen zur Dauerausstellung von Geigen und Lauten ins eigene städtische Museum ein, das seine Tür im ehemaligen Benediktinerkloster an der Lechhalde öffnet. Der Zugang ist barrierefrei. „Wir freuen uns, das Festival bereichern zu können“, frohlockt Andreas Ott. Mit den Kollegen werde er vor allem auch den Studierenden der „Vielsaitig“-Meisterkurse fachmännisch zur Seite stehen, „wenn sie bei diesem Treffpunkt vorbeischauen. Es gibt bei uns auch Kaffee!“

Chris Friedrich

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