Kaum Aussichten auf Umfahrung

Für die B17 am Schelleweg wünscht sich mancher Schwangauer eine Verkehrssinsel, um den Lastwagen ein wenig die Lust am Rasen zu nehmen. Foto: Sommer

„Ich weiß nicht, ob meine Enkel das noch erleben“ – so lautete die Antwort von Bruno Fischle, Leiter des Staatlichen Bauamts in Kempten, auf die Frage eines Bürgers, wann man denn mit der Verkehrsfreigabe einer Umfahrung B16/17 rechnen könne. Am Montagabend gaben Fischle und seine Kollegen im Schwangauer Schlossbrauhaus Auskunft über den Stand der Dinge in Sachen Verlängerung der Bundesstraße 310 in Richtung Schwangau, die die B16 und B17 in der Füssener Innenstadt entlasten könnte. Sein Fazit: Selbst wenn das Projekt in den kommenden Jahren im Rennen bleibt, braucht die Planung und Umsetzung etliche Jahre. Im Zuge der Diskussion forderten einige Bürger stattdessen kleinere Lösungen.

Keine Diskussion um Trassen sollte es werden, machte Schwangaus Bürgermeister Reinhold Sontheimer zu Beginn der gut besuchten Informationsveranstaltung klar. Ganz ohne die Frage, wo eine Verlängerung der B310 denn verlaufen soll, kamen die Referenten aber freilich nicht aus. Nachdem Fischle selbst die Geschichte der Ortsumfahrung Füssen seit 1970 revuepassieren ließ, erläuterte sein Mitarbeiter Thomas Stöckle einige angedachte Trassenführungen. Vier davon sollen von der Einmündung der B310/B16 nahe des Forggensee-Ufers verlaufen und unweit der Lechbrücke in die B17 münden. Die vier Variationen unterscheiden sich dabei in ihrem Verlauf geringfügig, schmiegen sich mehr oder weniger nah ans Weidach, bleiben diesseits des Lech oder überqueren ihn. Zwei weitere Variationen sehen eine Straße quer über den Forggensee vor, verlaufen durch den Bereich Waltenhofen/Brunnen um dann kurz hinter Schwangau in die B17 zu münden. Stöckle machte aber klar, dass es sich dabei nicht um konkrete Planungen, sondern eher um grobe Skizzen handle. Denn genau hier liegt die Krux: Fünf Planungsschritte muss ein solches Projekt durchlaufen, um tatsächlich realisiert zu werden. Der erste Schritte heißt „Vorplanung“ und noch nicht einmal der sei begonnen worden. Voraussetzung dafür wäre, dass die Umfahrung im Bundesverkehrswegeplan wieder in den vordringlichen Bedarf rückt. In diesem Plan setzt der Bundestag alle fünf bis zehn Jahre neu seine Prioritäten in Sachen Bundesstraßen und Autobahnen. Fortgeschrieben wird dieser Plan frühestens 2015. Bis dann die weiteren Planungsstufen durchlaufen sind und Projektgegner alle Rechtsmittel ausgeschöpft haben, dürften viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte vergehen, erläuterte Fischle. Viel Konkurrenz Derzeit spielt die Umfahrung im Bundesverkehrswegeplan aber nur die zweite Geige und befindet sich im „weiteren Bedarf mit hohem ökologischen Risiko.“ Denn die Zahl der Flächen ohne ökologische Bedeutung sei im Bereich Schwangau „sehr gering“, so Stöckle. Bei der Frage, welche Projekte zu bevorzugen sind, interessiert den Bundestag auch die Wirtschaftlichkeit, sprich: was bringt die Straße und wieviel kostet sie? Straßenbauprojekte, die für weniger Geld einen ähnlich prekären Knotenpunkt andernorts entlasten, dürften bessere Chancen haben. Die beiden Varianten, die den Forggensee überqueren seien besonders teuere, gab der Straßenplaner an. „Die Landschaft würde bei allen Varianten ähnlich hoch beeinträchtigt werden“, urteilte er. Wie Bruno Fischle darlegte, steht das Füssener Projekt sogar im Ostallgäu mit mehreren Vorhaben in Konkurrenz, die ebenfalls im weiteren Bedarf des Bundesverkehrswegeplans sind, etwa B16-Umfahrungen bei Rieder oder Steinbach sowie eine Umfahrung Kaufbeuren Nord. Umfahrung hin oder her – Füssener wie Schwangauer sind die Verkehrsprobleme Leid. Sie forderten Entlastung, etwa in Form einer Verkehrsinsel im Schellenweg, Geschwindigkeits- oder Tonnagebegrenzungen. Während Josef Merk, der für das Ostallgäu zuständige Planer im Staatlichen Bauamt, versprach, die Möglichkeit einer Verkehrsinsel zu prüfen, erteilte sein Chef Bruno Fischle einer Tonnagebegrenzung eine Absage. Bundesstraßen seien nämlich dazu da, den Fernverkehr, auch den Schwerlastverkehr, abzuwickeln. Eine Begrenzung von 50 km/h zwischen Horn und Schwangau hielt Bürgermeister Sontheimer nicht für sinnvoll. Denn oft seien es gerade die Einheimischen, die sich daran nicht halten. Dass eine Fußgängerunterführung unter der Sebastianstraße in Füssen sinnvoll wäre, bezweifelte Bruno Fischle. Eine solche hatte Dr. Michael Krehl vorgeschlagen, der Sprecher einer jüngst gegründeten Bürgerinitiative gegen die Ortsumfahrung. Die Unterführung solle eine Ampel überflüssig machen und so den Verkehrsfluss fördern. Sie müsse jedoch nicht nur gebaut sondern auch betrieben werden, so Fischle, zudem versuchen seiner Erfahrung nach viele, die Unterführung zu umgehen und die Straße einfach so zu überqueren, ohne Überweg.

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