Die gelben Helden am Briefkasten

Kein Corona-Bonus: Lechbrucker Briefträger kämpfen an der Front 

+
Während viele im Homeoffice oder in Kurzarbeit sind, haben die 21 Mitarbeiter der Lechbrucker Post währen der Corona-Krise besonders viel Arbeit. Und da sie täglich mit vielen Menschen zu tun haben, besteht obendrein die Gefahr, sich mit Covid-19 anzustecken.

Lechbruck – Die Bäckerei Schuster, die Metzgerei Ungelert und die Heizungsfirma Zink haben den Lechbrucker Briefträgern jetzt eine Brotzzeit spendiert. Die drei Lechbrucker Betriebsinhaber Michael Schuster, Herbert Sager-Wucherer und Florian Zink möchten sich damit bei den „Postlern“ bedanken.

Ihr Dank gilt den Helden, die in diesen Zeiten der Krise das öffentliche Leben mit aufrechterhalten und dabei ihre eigene Gesundheit aufs Spiel gesetzt haben. Menschen wie Lydia Schön, Peter Heyartz und ihren vielen Kollegen bei der Deutschen Post. „Riesig gefreut haben wir uns über die Brotzeit!“, erzählt Lydia Schön vom Zustellstützpunkt in Lechbruck. „Und auch darüber, dass endlich jemand an uns denkt!“ 

Ihr und ihren Kollegen ist es zu verdanken, dass in den vergangenen Wochen jeder jeden Tag seine Post bekommen hat. Das bedeutet aber auch: an vielen Türen klingeln, Menschen treffen, Pakete übergeben und ständig in Gefahr sein, sich dabei mit dem Coronavirus anzustecken. „Bei uns gibt es kein Homeoffice!“, betont Schön. Verschickt werden auch während der Krise Waschbecken, Innenputz, Brennholz, Katzenstreu und auch sonst so ziemlich alles, was der Handel hergibt. Bis zu 31 Kilo schwere Pakete schleppen die einundzwanzig Mitarbeiter der Lechbrucker Post tagtäglich ins Auto und vom Auto raus zum Kunden. „Ich hab letztens sogar ein halbes Wildschwein zugestellt!“, berichtet Heyartz noch immer erstaunt. 

Heyartz, den man in der Region nur als „Piet“ kennt, hat seine Ausbildung bei der Deutschen Post vor fünfunddreißig Jahren noch auf dem Fahrrad absolviert. Er kann viele Geschichten von seiner Zeit als Briefträger erzählen. Er kennt seine Kunden und die Kunden kennen ihn. „Das ist doch der, der vor vielen Jahren,als erster Postbote eine Nikolausmütze in der Weihnachtszeit aufgesetzt hatte“, erinnert sich eine Bernbeurerin, und, dass „des ein ganz ein Freundlicher ist!“ Doch das hört man überall in den Dörfern um Lechbruck über die „Postler“. Und das ist es auch, was die Mitarbeiter vorantreibt und motiviert. Gerade in den vergangenen Wochen der Corona-Zeit seien die Menschen noch dankbarer als sonst und hätten sich gefreut, dass wenigstens die Post funktioniert hat. 

Großes Gebiet 

Das Gebiet der „Postler“ ist groß. Von Lechbruck aus über Prem, Steingaden, Bernbeuren und bis Burggen fahren die gelben Busse. „Und wenn es dann im Sommer zu Mittag 13, 14 Uhr wird, hat es in so einem Bus schon mal um die 50 Grad Celsius! Und da wird’s dann hart, so ganz ohne Klimaanlage“, erzählt Lydia Schön. Sie arbeitet seit sieben Jahren bei der Post und ist eigentlich durch Zufall dazu gekommen. Die gelernte Arzthelferin hat damals einen Halbtagsjob gesucht und wurde gleich genommen. „Ich arbeite gerne als Postbotin. Hier bin ich mein eigener Chef und die Kolleginnen und Kollegen sind super!“ 

Überhaupt sei der Zusammenhalt und das Arbeitsklima in Lechbruck sehr gut. „Letztens hatte ein Kollege in Steingaden einen Motorschaden. Da hieß es dann: Beeilung mit der eigenen Tour. Und dann rüber nach Steingaden und dem Kollegen helfen.“ „Das ist in Lechbruck selbstverständlich, dass wir da zusammen helfen“, so ihr Kollege Peter Heyartz weiter. „Wir können ja nichts auf den nächsten Tag aufheben, denn morgen kommen wieder zig Pakete und müssen ausgeliefert werden!“ 

Auf die Frage, was in den vergangenen Wochen besonders anstrengend war, kommt es bei den beiden Briefträgern unisono: „Die Flut an Prospekten und Werbeflyern! Da musst du wegen einem Flyer zu jedem einzelnen Briefkasten gehen. Und das hätte in dieser Zeit nicht sein müssen“, sind sich die beiden Kollegen einig. „Apropos Briefkasten: es wäre sehr wichtig, wenn die Leute ihre Namen an die Briefkästen schreiben würden. Das wäre echt hilfreich für uns!“ Rein rechtlich ist es so, dass, wenn kein Name auf dem Briefkasten steht, die Post zurück an den Absender geht. „Wir Stammzusteller kennen die Leute und wissen meist, wer wo wohnt. Aber es gibt halt auch viele Aushilfen bei uns und die sind dann aufgeschmissen!“ 

Boomende Branche 

Die Branche boomt. „Dass das so ist, merkt man, dass wir momentan arbeiten wie an Weihnachten. Wir bei der Post unterscheiden zwischen ‚Normalzeit‘ im Frühling und im Herbst, ‚Schwachzeit‘ im Sommer und ‚Starkzeit‘ an Weihnachten. Und die letzten Wochen ist nur noch ‚Starkzeit‘ angesagt“, blickt Heyartz zurück. „Und trotz dieser Mehrarbeit und dem Risiko, dem wir in den letzten Wochen ausgesetzt waren, bekommen wir weder mehr Lohn, noch den Corona-Bonus. Und leider auch keine Anerkennung von der Obrigkeit bei der Post. Und trotz diesem Umstand sind wir froh und dankbar, dass wir arbeiten dürfen“, sagt Heyartz. „Es gibt zu viele, die in den letzten Wochen nicht arbeiten konnten, oder durften.“

Silke Zink

Auch interessant

Meistgelesen

Füssen: Betrunkener Hotelgast schreit unbegründet nach Hilfe und leistet Widerstand gegen die Polizei
Füssen: Betrunkener Hotelgast schreit unbegründet nach Hilfe und leistet Widerstand gegen die Polizei
Landkreis Ostallgäu will Begeisterung für Denkmalschutz wecken
Landkreis Ostallgäu will Begeisterung für Denkmalschutz wecken
Arbeitsunfall: 59-jähriger Mann in Füssen-West schwer verletzt
Arbeitsunfall: 59-jähriger Mann in Füssen-West schwer verletzt
Schwangau: Badegast findet Handgranate im Schwanensee
Schwangau: Badegast findet Handgranate im Schwanensee

Kommentare