Bauausschuss streitet über Bebauung des Klosterhangs

"Äußerst sensibler Platz"

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In diesen Hang unterhalb des Klosters wollen Investoren Häuser einbauen. Der Bauausschuss kann sich darauf allerdings noch nicht einigen.

Füssen – Zunächst war vor einigen Jahren ein ringförmiger, geschlossener Rundbau angedacht, mittlerweile bevorzugen Planer und Investoren eine rechtwinklige Bebauung unterhalb des Franziskanerklosters mit größeren Abständen zwischen den Häusern.

Doch auch diesem Vorschlag wollte der Bauausschuss nicht folgen. Nach einer teils hitzigen Debatte vertagte das Gremium schließlich mit 8:2 Stimmen den Billigungsbeschluss zur Auslegung des Bebauungsplans „A 52 – östliche Floßergasse“. 

Die Geschichte, die jetzt ein vorläufig eher unrühmliches Ende nahm, begann ungefähr 2011. Seinerzeit wollten Investoren Wohnhäuser unterhalb des Franziskanerklosters in den Hang bauen. Geplant waren diese als ein recht massiver Rundbau. Von einer „kulissenhaften Bauweise“ sprach deshalb das Landesamt für Denkmalpflege (LfD), das die damaligen Pläne prompt kassierte. Denn der zu bebauende Bereich ist „ein äußerst sensibler Platz“, wie es Bürgermeister Paul Iacob (SPD) unlängst im Bauausschuss formulierte. 

Vor allem sorgen sich die Denkmalpfleger um die Sichtachse auf die Altstadt, weshalb die Häuser weniger massiv, nicht zu hoch und nicht zu weit in den Hang gebaut werden sollen. Dementsprechend haben Investoren und Füssener Bauverwaltung ihre Pläne mittlerweile angepasst. Statt eines Rundbaus sollen nun rechtwinklige zueinanderstehende Häuser gebaut werden und die Firsthöhe wurde um einen Meter gesenkt. In Sachen Abhang haben sich die Beteiligten dagegen einen cleveren Winkelzug einfallen lassen: Als Hanggrund wird nun der ursprüngliche, womöglich hunderte Jahre alte ursprüngliche Grund des Hanges herangezogen. Die zahlreichen Meter, die wahrscheinlich im Laufe der Jahrhunderte aufgeschüttet wurden, werden abgetragen. So hofft man, beim LfD durchzukommen. 

So gesehen, stand der Billigung des Auslegungsbeschlusses eigentlich nichts mehr im Wege. Eigentlich. Doch in den politischen Gremien Füssens kommt es oft erstens anders, und zweitens als man denkt. Den Anfang machte diesmal Stadtrat Magnus Peresson (UBL/FDP). Er kritisierte einmal mehr das Fehlen von Unterlagen (in diesem Fall eine Stellungnahme des LfD). „Wir sollen über Sachen diskutieren, die wir nicht vorliegen haben“, sagte er. Und weiter: „Die Unterlagen sind irreführend!“ Dr. Martin Metzger (BfF) sprang auf den jetzt fahrenden Zug auf und beschleunigte ihn noch: „Diese Dinge liegen uns nicht vor“, schimpfte er auf fehlende LfD-Stellungnahmen. 

In den nun entbrennenden Disput zwischen Metzger, Peresson und Iacob um Sichtachsen und Sinn und Zweck einer Bebauungsplanaufstellung, die wahrscheinlich doch wieder vom LfD kassiert werde, schaltete sich nun auch Bernhard Eggensberger (Füssen Land) ein. Er zweifelte an, ob es rechtmäßig sei, den historischen Hanggrund als Referenzwert heranzuziehen. „Dann kann ich ja auch sagen, ich nehme das Urmeer. Des goht do it!“ Deshalb schlug er vor: „Wir sollten uns erst mal überlegen, was wir überhaupt wollen.“ Obwohl Ursula Lax (CSU) bereits eine Vertagung des Themas als Kompromiss angeregt hatte, schaltete sich auch Dr. Christoph Böhm ein und plädierte ebenfalls dafür, zurück auf Start zu gehen. Aus den bisherigen Stellungnahmen des LfD lasse sich herauslesen, „in diesen Hang wollen die nicht bauen!“, sagte er. Und angesichts verschiedener neuer Stadträte „steht uns eine Meinungsänderung zu“, sagte er. Nun wurde es Iacob langsam zu bunt. Mit bereits deutlich mehr Dezibel als zuvor verwies er auf den Vertrauensschutz, den Investoren bei ihm genießen. „Ansonsten treiben wir in drei Tagen alle Investoren aus der Stadt!“ 

Völlig eskalierte die Situation, als Iacob – obwohl sich das Gremium mit 8:2 bereits für eine Vertagung ausgesprochen hatte – sich entschuldigend in Richtung der Investoren wandte und dabei auf die neuen Stadträte verwies. „Sie können uns nicht für dumm erklären!“, intervenierte daraufhin Dr. Metzger lautstark, was Iacob noch lauter konterte: „Jetzt werde ich massiv, wenn Sie das nicht sofort zurücknehmen!“, donnerte er in Richtung Metzger. 

Sicherlich wäre die Situation noch weiter eskaliert, wenn Wolfgang Bader nicht um eine Pause gebeten hätte, um die Gemüter wieder abzukühlen. 

Nach der Sitzung verstanden sich Iacob und Metzger übrigens wieder prächtig.

Matthias Matz

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