Keine Lust auf Wahlkampf

Gruppenbild mit Dame: Pfrontens Bürgermeister Josef Zeislmeier (vorne links), der Fraktionsvorsitzende der CSU im Gemeinderat, Peter Scholz (hinten v.l.), FW-Vertreter Hans-Peter Lichtblau, SPD-Fraktionschef Klaus Frick und Dr. Otto Randel, Fraktionsvorsitzender der Pfrontener Liste, stehen hinter ihrer Bürgermeister-Kandidatin Michaela Waldmann. Foto: Schuster

Am Montag nahm Michaela Waldmann zum ersten Mal an der Stirnseite des Tisches im Sitzungssaal im Haus des Gastes Platz, als sie offiziell als Bürgermeisterkandidatin vorgestellt wurde. Derzeit hat sie beste Chancen, den Platz des Gemeindeoberhaupts am Sitzungstisch im kommenden Jahr regelmäßig einzunehmen, denn Waldmann wird von allen Gemeinderatsfraktionen getragen, einen Gegenkandidaten gibt es derzeit nicht.

Auch wenn die Gemeinderäte bereits mit der 43-jährigen Diplomverwaltungswirtin gearbeitet haben, in Pfronten ist sie noch ein unbeschriebenes Blatt. Waldmann ist im Lengenwanger Ortsteil Bethlehem aufgewachsen und lebt mit ihrem Mann heute in Aitrang. Neben der Kommunalverwaltung, die ihr Beruf ist, ist ihr auch die Politik nicht fremd. Ihr Vater, Harald Hutter, war acht Jahre lang Bürgermeister von Lengenwang, ihre Mutter 43 Jahre als Gemeindesekretärin tätig. Im Landratsamt war Waldmann in den vergangenen zehn Jahren neben den „Leader“-Projekten für Kreisentwicklung, Wirtschaftsförderung, Tourismus, Kultur, ÖPNV und Klimaschutz zuständig. Seit dem vergangenen Jahr ist sie darüber hinaus Geschäftsführerin der Konzertgesellschaft Neuschwanstein e.V. So überzeugend muss Michaela Waldmanns letzter Auftritt in einer nicht öffentlichen Sitzung des Pfrontener Gemeinderats gewesen sein, dass sie prompt gefragt wurde, ob sie sich das Amt des Bürgermeisters zutrauen würde. Nach zwei Wochen überlegen und vielen Gesprächen habe sie ja gesagt, gab sie an. Das Amt traue sie sich zu und sie fühle sich im richtigen Alter, um sich beruflich noch zu verändern, erklärte sie. Auch einen Umzug von Aitrang nach Pfronten schließe sie nicht aus. „Frau Waldmann hat uns als Persönlichkeit und mit ihrer Fachkompetenz“ überzeugt, lobte Dr. Otto Randel (Pfrontner Liste). Ihre Nominierung sei ein Signal nach innen, dass „wir Pfronten gemeinsam nach vorne bringen wollen“. „Wir wollten eine ausgebildete Verwaltungsfachfrau“, gab Peter Schmölz (CSU) an. Waldmann sei „durch ihre lange Tätigkeit dem Amt gewachsen“. Auch die SPD stehe „mit ganzem Herzen zu dieser Kandidatin“, so der Fraktionsvorsitzende der Genossen, Klaus Frick. Als „zu 100 Prozent kompetente Fachfrau“ lobte Hans-Peter Lichtblau stellvertretend für die Freie-Wähler-Fraktion. Er hoffte ebenso wie Schmölz auf eine hohe Wahlbeteiligung. Doch Wahlmöglichkeiten bleiben dem Pfrontener wenig, ein Gegenkandidat ist nicht in Sicht. Das sahen die Gemeinderäte aber nicht als Problem, auch Josef Zeislmeier habe bei der vorvergangenen Wahl schließlich keinen Gegenkandidaten gehabt. Besonders Randel betonte einen Vorzug der Gemeinschaftslösung: Ein aggressiver Wahlkampf dürfte ausfallen. Manche Worte im Wahlkampf schaffen Gräben, die die spätere Gemeinderatsarbeit belasten, gab er zu befürchten. „Wie viele Bürger sind angewidert vom Wahlkampf?“, meinte er. Die „Hahnenkämpfe“ vor der Wahl vermisste auch der scheidende Amtsinhaber nicht. Dass Waldmann Mitglied der CSU ist, stört keine der beiden Seiten. Sie kandidiere überparteilich, erklärte sie, auch die Fraktionen sehen offenkundig eine Basis für eine Zusammenarbeit. „Ich sehe mich ja auch nicht als Parteikämpfer“, gab SPD-Mann Klaus Frick an, „sondern als jemanden, der eine politische Heimat hat.“ An einem gemeinsamen Abend Ende Juni soll Waldmann offiziell nominiert werden. Noch bis zum 27. September könnte sich theoretisch ein Gegenkandidat finden, gewählt wird dann am 18. November.

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