Sozialdemokraten und Naturschützer sprechen von einem Skandal

Kiesabbau im Forggensee: Heftige Kritik von der SPD

Bagger und Lkw beim Kiesaabau im Forggensee
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Dass künftig zwei ARGEN Kies im Forggensee abbauen dürfen, stößt bei der Füssener SPD und dem Bund Naturschutz Ostallgäu auf heftige Kritik.

Füssen – Dass künftig zwei Arbeitsgemeinschaften Kies im Forggensee abbauen dürfen, hat für die Umwelt schwerwiegende Folgen – in dieser Frage besteht zwischen Bund Naturschutz Ostallgäu und SPD-Ortsverein Füssen Einigkeit. Das ist das Ergebnis der jüngsten Vorstands-Sitzung der Füssener Sozialdemokraten. Hintergrund ist die Erlaubnis des Landratsamts für den Bau einer weiteren Zufahrt zum See durch eine zweite Arbeitsgemeinschaft (ARGE). Diese darf und kann damit de facto künftig ebenfalls Kies aus dem Forggensee abbauen.

Durch diese Erlaubnis werde der Kies- und Betontourismus im südlichen Ostallgäu enorm gefördert und durch eine weitere Ausfahrt aus dem Forggensee große Flächen im Landschaftsschutzgebiet für die schweren Kies-Lkw verdichtet und versiegelt, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des SPD-Vorstands.

Demnach zeigten sich die Mitglieder zunächst einmal verwundert darüber, dass vor zwei Jahren aus dem seinerzeit leeren See kein Kies gefördert wurde und auch in diesem Jahr mangels ausreichendem Abstaus den Firmen dies nicht ermöglicht wurde. Umso heftiger fiel die Kritik der Vorstandsmitglieder an dem Mitte September vom Landratsamt erlassenen Planfeststellungsbeschluss für eine weitere Arbeitsgemeinschaft aus, der im Wesentlichen es der Marktoberdorfer Firma Hubert Schmid in den kommenden zehn Jahren erlaubt, bis zu 450.000 Kubikmeter Kies im Forggensee abzubauen (der Kreisbote berichtete mehrfach ausführlich).

„Das stellt eine Verdoppelung der bisher der ARGE I, bei der die Füssener Firma Scheibel federführend ist, genehmigten Kiesmenge dar“, stellte SPD-Vorsitzende Ilona Deckwerth fest. Das führe dazu, dass in zehn Jahren die Ressourcen verbraucht seien. Vorstandsmitglied Dr. Paul Wengert wies dagegen auf die ökologische Belastung durch rund 120 zusätzliche Lkw-Fahrten pro Tag hin. „Das sind über 4000 Kilometer am Tag mit entsprechenden Diesel-Abgasen der schweren Lkw, Belastung der Straßen, Lärm und Staub für die Anliegergemeinden“, so der frühere Landtagsabgeordnete und ehemalige Füssener Bürgermeister. Die der Firma Schmid genehmigte zweite Ausfahrt auf die B 16 berge zudem erhebliche Verkehrsgefahren in sich.

Unverständnis bei Hack

Der stellvertretende Kreisvorsitzende des Bunds Naturschutz, Hans Hack, verurteilte die mit der Genehmigung verbundene Ausholzung im Uferbereich und an der B16 sowie die Befestigung und Versiegelung von hunderten von Quadratmetern bisheriger naturbelassener Flächen bzw. Wiesengrundstücke. „Und das alles im Landschaftsschutzgebiet und in einem ausgewiesenen Biotop und dies ausschließlich in privatwirtschaftlichem Interesse“, wie Hack hervorhob. „Da kehrt das Forschungsschiff 'Nordstern' mit alarmierenden Ergebnissen im Zusammenhang mit dem Klimawandel aus dem Polareis zurück, und vor Ort wird vom Landratsamt Ostallgäu eine Entscheidung getroffen, die eine unnötige und zusätzliche Umweltbelastung durch den Transport von einigen hunderttausend Tonnen Kies und den dadurch entstehenden Verbrauch von mehreren hunderttausend Litern Diesel in den nächsten zehn Jahren zur Folge haben wird“, sagte er. „Die Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde zu den unnötigen Kiestransporten vom Forggensee zu den Betonwerken nach Marktoberdorf und Haldenwang bei Kempten sowie der Bau einer zweiten Zufahrt in den Forggensee im Landschaftsschutzgebiet und durch ein bekanntes Biotop muss als der umweltpolitische Skandal im Jahre 2020 in unserem Landkreis bezeichnet werden!“

Lob für Stadt Füssen

Auf Zustimmung der Füssener Genossen stieß indes das Vorgehen der Stadt Füssen. Hier hatte der Stadtrat vor zwei Jahren weiteren Kiesunternehmen die Überfahrt über ihr Grundstück zwischen See und B16 verboten. Ihr dürfe nun keinesfalls der „schwarze Peter“ zugeschoben werden, so Deckwerth.

Deutlich Kritik äußerten die Sozialdemokraten auch am Regionale Planungsverband, dessen Stellungnahme laut Wengert „mehr als dürftig“ gewesen und in der mit keinem Wort auf die Ziele des Regionalplans in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit eingegangen worden sei. Der Bund Naturschutz prüfe nun die Chancen einer Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss, berichtete Hack den Anwesenden abschließend.

kb/mm

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