Mit dem Biber umgehen

Holger Voß hat einen ausgestopften Biber mitgebracht, den die Kinder auch anfassen dürfen. Foto: ab

Ostallgäu – Über 35 Teilnehmer fanden sich für einen Spaziergang zum Langenwalder Weiher am Samstagnachmittag im Waldort Gut Kinsegg von Christa Rodenkirchen ein. Sie hatte den Biberbeauftragten (in Ruhestand) Holger Voß vom Landratsamt Ostallgäu zu sich geladen. Der informierte über den Nager. 

Hier kann man es deutlich sehen: Der Biber ist nach Bayern zurückgekehrt. Um 1970 wurde er erfolgreich am Unteren Inn und an der Donau wieder angesiedelt. Inzwischen lebt eine Population von etwa 500 Familien, das entspricht etwa 1500 Tieren, in Schwaben. Das ist flächendeckend im gesamten Einzugsgebiet nördliches und mittleres Schwaben.

Mit einem ausgestopften Biber, einer selbstgebauten Biberburg und vielen Bildern erklärte der Ansprechpartner für Biber im Raum Ostallgäu am Langenwalder Weiher bei Sameister vom Leben der Biber, den größten einheimischen Nagetieren, die bis zu einen Meter lang und 30 Kilo schwer werden. Der Pflanzenfresser fällt mit Hilfe seiner stetig nachwachsenden Schneidezähne Bäume, um die saftige Rinde der Zweige als Wintervorrat zu nutzen. Ein Biberrevier, das gegen eindringende Artgenossen verteidigt wird, umfasst daher immer auch nutzbare Ufergehölze. 

Kaum ein Tier kann sich seinen Lebensraum so aktiv gestalten wie der Biber. Durch Dammbauten sichert er sich einen stabilen Wasserstand, der es ihm ermöglicht, schwimmend möglichst dicht an seine Nahrungsquellen zu gelangen. Er fällt Bäume, um die Zweige zu nutzen. So dringt auch mehr Licht auf den Boden: Gräser und Kräuter - seine Hauptnahrung - wachsen vermehrt. Er gräbt als Schutz vor möglichen Feinden Fluchtröhren und Baue in die Gewässerufer. Dank dieser Taktik haben ausgewachsene Biber praktisch keine Feinde. 

Als „Familientier“ lebt der Biber in Einehe in einer selbst gegrabenen Höhle oder einer kunstvoll aus Zweigen geschichteten „Biberburg“. Nach zwei Jahren müssen sich die zweijährigen Jungbiber dann auf die Suche nach eigenen Revieren machen. Von den Konsequenzen für den Menschen durch das Wirken des Bibers weiß Holger Voß viel zu berichten. Wandernde Jungbiber weichen in für sie ungeeignete Gewässer, zum Beispiel Entwässerungsgräben aus. Ihre Grabtätigkeit bewirkt Ufer- und Geländeeinbrüche, Dämme und Deiche werden durchlöchert. Ihre Dammbauten führen zu Vernässungen. Am auffälligsten sind aber meist die gefällten Bäume. 

Aber auch viele positive Folgen hat die „Umgestaltung“ der Landschaft durch den Biber. Die Gewässer sind reicher an Strukturen, was einer vielfältigen Lebensgemeinschaft zugutekommt; damit wird auch die Renaturierung gefördert. Mit den kunstvoll errichteten Dammbauten wird Wasser zurückgehalten. Damit erhöht sich der Grundwasserspiegel, trockene Zeiten werden besser überstanden. Auch für den Hochwasserschutz leistet der Biber damit einen wichtigen Beitrag, denn die feuchten Böden können mehr Wasser aufnehmen. 

Der Biber sorgt mit seinem spannenden Leben und dem Wirken für die Natürlichkeit der Landschaft natürlich nicht nur für Begeisterung. Da der Zugriff auf den nach EU- und Bundesrecht streng geschützten Biber nur unter engen Voraussetzungen möglich ist, wurde ein Management erarbeitet, das Konflikte durch rasche und unbürokratische Hilfe vor Ort lösen soll. Zum Beispiel werden Schäden ersetzt. Und die Biberbeauftragten erklären Schutzmaßnahmen, die auch vor Traktoreinbrüchen und zu großem Schaden an wertvollem Nutzholz bewahren sollen. So schließt denn auch Holger Voß seinen Aufklärungs-Ausflug ab: „Wir müssen lernen, mit dem Biber umzugehen.“ ab

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