Planer veranschlagen 600.000 Euro Kosten 

Füssener "Sternschnuppe" soll sicherer werden

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In einem ersten Schritt ließ die Stadt im Herbst diesen zusätzlichen Fluchtweg für die Kinderkrippe im Obergeschoss errichten.

Füssen – Kann ein ehemaliger Bauamtsmitarbeiter für mutmaßliche Fehlplanungen und deren kostspielige Folgen für die Kommune in Regress genommen werden?

Diese Frage warf FW-Stadträtin Gerlinde Wollnitza vergangene Woche im Stadtrat auf. Denn die Stadt wird wohl nicht herum kommen, fast 600.000 Euro in die Sanierung des Kindergartens „Sternschnuppe“ zu stecken, um dessen Betrieb zu sichern. Wie bereits berichtet, weist das teilweise nicht den Genehmigungen entsprechende Gebäude eklatante Brandschutzmängel auf. 

Mit seiner extravagante Architektur sollte der Kindergarten „Sternschnuppe“ Anfang der 2000er Jahre eine Besonderheit unter den Füssener Kindergärten darstellen. Zwar gab es von Anfang an Kritik an der fehlenden Funktion des Gebäudes, doch letztlich setzten sich die Befürworter durch. 

Fast 20 Jahre später scheinen die Kritiker von damals Recht zu behalten. „Große Teile des Gebäudes müssten zugemacht werden“, sagte Bauamtsleiter Armin Angeringer am Dienstagabend vergangener Woche im Stadtrat. 

Wie bereits im Kreisbote berichtet, war im vergangenen Sommer bei Kontrollen festgestellt worden, dass das Gebäude massive Brandschutzmängel aufweist. Um den Betrieb trotzdem sicher zu stellen, ließ das Bauamt noch im Herbst einen zweiten Fluchtweg aus dem Obergeschoss, wo die Kinderkrippe untergebracht ist, installieren, berichtete Angeringer.

 Doch damit nicht genug. „Bei der Vorplanung dieser Maßnahme kamen immer mehr bauliche Mängel zum Vorschein, die dem sicheren Betrieb der Kinderkrippe entgegen standen“, so der Bauamtsleiter weiter. Experten des Landratsamtes stellten dabei auch fest, dass Auflagen aus den beiden Genehmigungsbescheiden aus den Jahren 2000 und 2007 nicht eingehalten wurden. „Allein die Tatsache, dass weder eine sichere Rettungswegführung ins Freie noch die geforderte Feuerwiderstandsdauer der tragenden und aussteifenden Wände vorhanden sind, lässt die derzeitige Annahme auf das Vorhandensein eines baurechtlichen Brandschutzes als haltlos erscheinen“, heißt es dazu in einer Stellungnahme der Kreisbehörde. 

Demnach fehlt es vor allem an absturzsicheren und feuerfesten Verglasungen im Obergeschoss und den dortigen Spielfluren. „Wenn es brennt, ist die Verglasung sofort durch und die Stahltreppe bricht durch – das ist eine Mausefalle“, erläuterte der Füssener Architekt Wolfgang Martin jun. Fazit der Fachleute: In dieser Form kann die Kinderkrippe nicht weiter betrieben werden. 

Gips statt Glas

Um eine Schließung der Einrichtung zu verhindern, sollen heuer weitere Maßnahmen umgesetzt werden. Wie Architekt Martin erläuterte, soll unter anderem die Verglasungen im Inneren durch Rigipswände ersetzt werden. Außerdem soll unterhalb der Glaskuppel eine Decke eingezogen, die Treppe ertüchtigt und der Eingangsbereich zugebaut und mit einem Flachdach überdacht werden. 

Diese Variante habe vor allem den Vorteil, das aus dem derzeit kalten Atrium künftig warme und nutzbare Räume auf dem aktuellen Stand der Brandschutztechnik werden. So kann, so der Plan der Verantwortlichen, die Kinderkrippe zum Kindergarten im Erdgeschoss umziehen. Leitung und Verwaltung der Einrichtung ziehen im Gegenzug ins Obergeschoss. „Jeder Bereich hat dann einen Weg ins Freie“, so Martin. 

Das Personal – derzeit betreuen etwa 14 Betreuerinnen 75 Kindergarten- und 15 Krippenkinder – sei mit diesen Plänen einverstanden, erklärte Einrichtungsleiterin Isabella Moser auf Nachfrage von Stadträtin Christine Fröhlich (FW). „Das ist unsere einzige Möglichkeit, in dem Haus zu bleiben“, sagte sie. Die Alternative sei der Abriss des Gebäudes – das wolle niemand. Zumal der Kindergarten am 6. Juli sein 50-jäjhriges Bestehen feiert. Ihr Wunsch sei, dass im Sommer, möglichst während der Ferien, gebaut wird. „Wir werden das organisatorisch hinkriegen!“ 

Frage nach der Schuld

Magnus Peresson (UBL) wies darauf hin, das seines Wissens nach der Architekt des Gebäudes das Urheberrecht auf die Architektur habe und deshalb jede Veränderung an dem Gebäude mit ihm abgesprochen werden müsse. „Der muss bei jeder Änderung gefragt werden.“ Bürgermeister Paul Iacob (SPD) entgegnete, dass das nicht sein Könne, da der Planer Angestellter der Stadt gewesen sei. 

Die Stadträtinnen Ursula Lax (CSU) und Gerlinde Wollnitza von den Freien Wählern brachten dagegen Schadensersatzforderungen gegen den seinerzeit verantwortlichen Mitarbeiter ins Spiel. Ohnehin sei sie sehr verwundert, so Wollnitza, dass niemanden all die Jahre aufgefallen sei, dass das Gebäude nicht den Vorschriften entspreche. „Wie kann das so lange in der Versenkung geblieben sein?“ 

Bürgermeister Iacob antwortete, dass die Mängel erst im vergangenen Jahr bei einer Überprüfung des Gebäudes bemerkt wurden, da seinerzeit eine Änderung beantragt worden sei. „Das war der Moment, wo wir gesagt haben: Jetzt wird es grundsätzlich.“ 

Außerdem bat er darum, dass Thema Schadensersatzansprüche nicht im öffentlichen Teil der Sitzung zu diskutieren. „Wir wollen hier keinen Schuldspruch fällen!“, betonte er. CSU-Stadtrat Andreas Eggensberger machte klar, dass die Stadt wohl wenig Aussichten auf Erfolg habe. Wenn einer seiner Mitarbeiter einen Schaden verursache, habe er als Arbeitgeber „Pech gehabt“.

Matthias Matz

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