Kinderschutzzentrum in Pflach öffnet seine Türen

Schutz vor Gewalt in der Familie

+
Freuen sich gemeinsam über das Kinderschutzzentrum für den Bezirk Reutte in Pflach: Bundesrätin Sonja Ledl-Rossmann (v.l.), Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf, Sozialarbeiterin Regine Weber, Hofrat Dr. Dietmar Schennach, Sozialarbeiterin Carolina Anna Harrer, Pflachs Vizebürgermeisterin Reinhild Astl und Karin Hüttemann, Geschäftsführerin Tiroler Kinder- und Jugend GmbH.

Reutte – Neben der Zentrale in Innsbruck und den Kinderschutzzentren in Lienz, Imst und Wörgl gibt es in Zukunft mit dem Kinderschutzzentrum in Pflach eine weitere Beratungsstelle für von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche. Die Einrichtung wurde am Montag vergangener Woche eröffnet.

„Diese neue Anlaufstelle im Bezirk Reutte ist ein wichtiger Schritt, das Beratungs- und Unterstützungsangebot des Kinderschutzes in die Bezirke zu bringen. Die Anlaufstelle in Reutte ist die erste Beratungseinrichtung, die nach 16 Jahren in den Bezirken eröffnet wird – das ist Anlass zum Feiern“, freute sich die Geschäftsführerin der Tiroler Kinder- und Jugend GmbH, Karin Hüttemann vor einer ganzen Reihe an prominenten Gästen bei der Einweihung. 

Damit sei ein langjähriger Herzenswunsch in Erfüllung gegangen. „Gerade die Schwächsten unserer Gesellschaft – die Kinder und Jugendlichen – brauchen besonderen Schutz vor Gewalt“, betonte Landesrätin Christine Baur, zuständig für die Kinder- und Jugendhilfe. Laut Gewaltschutzzentrum Tirol waren 2016 insgesamt 846 Kinder zumindest indirekt von Gewalt betroffen. Von 80 Kindern und Jugendlichen sei bekannt, dass sie 2016 direkte Gewalt innerhalb der Familie oder im sozialen Nahbereich erfahren haben.

 „Dies sind die gemeldeten, offiziellen Zahlen. Die Dunkelziffer ist weitaus höher“, stellte Landesrätin Baur klar. Und sie fügte hinzu: „Wichtig bei der Kinderschutzarbeit ist es, dass sie möglichst niederschwellig und leicht erreichbar ist, damit die betroffenen Kinder, Jugendlichen sowie ihre Bezugspersonen nicht vor Hürden stehen, wenn sie sich mit ihren Problemen an eine Beratungsstelle wenden“. 

War früher alles besser? 

„Das Angebot des Kinderschutzzentrums Reutte reicht von Beratung und Prozessbegleitung bis hin zu Psychotherapie für betroffene Kinder und Jugendliche und deren Bezugspersonen“, informierte Martin Schölzhorn, Fachbereichsleiter Kinderschutz in der Tiroler Kinder und Jugend GmbH. Ziel sei es dabei, Schutzmaßnahmen aufzubauen und die Lebensbedingungen für Kinder und Jugendlichen so zu gestalten, dass deren Sicherheit gewährleistet sei. 

In der Praxis sei dies nur in enger Kooperation möglich, vor allem mit nahen Bezugspersonen sowie mit der Kinder- und Jugendhilfe. „Auch mit der Schule oder dem Kindergarten sowie anderen Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, arbeitet der Kinderschutz zusammen“, sagte Schölzhorn. 

„Früher haben wir so etwas nicht gebraucht – war früher wirklich alles besser?“, fragte Pflachs Bürgermeister Helmut Schönherr und gab gleich die Antwort: „Es war eben nicht besser, man hat eben nicht darüber gesprochen, man hat alles vertuscht.“ Gewalt in der Familie, gegen Kinder ebenso wie Frauen, habe es schon immer gegeben und es sei eine gesellschaftliche Aufgabe, die Verantwortung für diesen Personenkreis nicht aus dem Auge zu verlieren. 

Ähnlich äußerte sich Dekan Franz Neuner: „Primäre Aufgabe für uns muss es sein, betroffene Kinder vom Rand in unsere Mitte zu nehmen. Dies umzusetzen braucht es die Unterstützung eines ganzen Dorfes – das geht uns alle an!“ 

Sicherheit gewinnen 

„Unsere kostenlose, vertrauliche und auf Wunsch anonyme Beratung hilft Kindern und Jugendlichen dabei, wieder Sicherheit zu gewinnen“, erklärte Sozialarbeiterin Regine Weber, die gemeinsam mit Carolina Anna Harrer die Kinderschutzarbeit vor Ort in Reutte leistet. Die Angebote des Kinderschutzzentrums Reutte richteten sich an Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr, deren Bezugspersonen sowie Menschen, die beruflich oder privat mit dem Thema Gewalt und Vernachlässigung von Kindern konfrontiert seien. 

Das Kinderschutzzentrum in Pflach ist telefonisch unter der Nummer 0043/(0)5672/64510 zu erreichen. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Donnerstag von 9 bis 13 Uhr, sowie Montag und Mittwoch zusätzlich von 14 bis 18 Uhr. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.kinder-jugend.tirol.

ed

Auch interessant

Meistgelesen

Füssener Bahnhof: Ausschuss genehmigt Abweichungen
Füssener Bahnhof: Ausschuss genehmigt Abweichungen
Gäste im Caffé Luca können Kaffee im ökologischen Mehrweg-Becher mitnehmen
Gäste im Caffé Luca können Kaffee im ökologischen Mehrweg-Becher mitnehmen
Das Ostallgäu ist bei Touristen beliebt
Das Ostallgäu ist bei Touristen beliebt
Füssener Innenstadt: "Das ist sicher nicht optimal"
Füssener Innenstadt: "Das ist sicher nicht optimal"

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.