"Intensiver Prozess"

Kirche "Zu den Acht Seligkeiten": Ein "Quartierszentrum" soll entstehen

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Die Kirche "Zu den Acht Seligkeiten" soll abgerissen werden. An ihrer Stelle soll ein 15 Millionen Euro teures "Quartierszentrum" entstehen.

Füssen – Wo derzeit noch der Turm der Kirche „Zu den Acht Seligkeiten“ über den Häusern im Füssener Westen thront, soll in den kommenden Jahren für etwa 15 Millionen Euro ein „Quartierszentrum“ entstehen.

Eine erste Hürde nahm das ambitionierte Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Kirche jetzt im Stadtrat, der sich bei zwei Gegenstimmen auf erste Verfahrensschritte einigte.

Weil die Kirche „Zu den Acht Seligkeiten“ mittlerweile zu groß und auch sanierungsbedürftig ist, soll sie bekanntlich abgerissen werden. Gleiches gilt für den in die Jahre gekommenen benachbarten Kindergarten St. Gabriel. An ihrer Stelle sollen eine neue Kindertagesstätte für sechs Gruppen und ein neues Pfarrzentrum mit pastoralem Begegnungsraum gebaut werden. 

„Es soll ein lebendiges Quartierszentrum entstehen“, so Planerin Monika Beltinger vom Planungs- und Ingenieurbüro Lars Consult. Damit solle eine positive Entwicklung über die Schaffung der dringend erforderlichen Kindergartenplätze hinaus angestoßen werden. Wie Stadt und Kirche dabei vorgehen wollen, müsse nun entschieden werden. „Die Zeit drängt“, betonte Planerin Beltinger. „Die Damen des Kindergartens haben eindrücklich geschildert, dass der Sanierungsbedarf hoch ist.“ 

Realisierungswettbewerb geplant

In einem ersten Schritt solle daher von Stadtverwaltung und Kirchenstiftung ein sogenannter Realisierungswettbewerb ausgelobt werden. In dessen Rahmen solle das Grundstück der Kirche überplant, dass Raumprogramm festgelegt und die Aufträge vergeben werden. In einem zweiten Schritt könne schließlich ein Ideenwettbewerb erfolgen, bei dem „Städtebauliches Konzeptumfeld“ entstehen soll. Anschließend soll ein Verhandlungsverfahren nach VgV erfolgen. Denn angesichts der zu erwartenden Höhe der Honorare müsse das Verfahren EU-weit ausgeschrieben werden, so Beltinger weiter. Unter den sich bewerbenden Planungs- und Architekturbüros sollen schließlich 12 anhand bestimmter Auswahlkriterien an dem Planungswettbewerb teilnehmen. Außerdem sollen acht weitere sogenannte gesetzte Teilnehmer eingeladen werden. Ein Preisgericht, bestehend aus Vertretern der Stadt Füssen, der Kirche, des Bistums Augsburg und externen Fachleuten, küre dann den Gewinner des Wettbewerbs – der allerdings nicht automatisch auch den Auftrag erhält, wie Beltinger betonte. Die spätere Auftragsvergabe für Kindergarten und kirchlichem Begegnungszentrum erfolge wiederum getrennt, da der Bau des Kindergartens eine städtische Aufgabe ist. Begonnen werden soll mit dem Prozess noch in diesem Herbst. 

Zuvor muss allerdings noch ein Büro beauftragt werden, das die verschiedenen Verfahrensschritte betreut und koordiniert, da es sich bei dem gesamten Verfahren um einen „intensiven Prozess“ handle, so Beltinger. Die Kosten, die sich Stadt und Kirche teilen, schätzte sie auf 180.000 Euro. Läuft alles nach Plan, können bis Sommer kommenden Jahres Wettbewerb und Vergabe erfolgt sein. 

Kaum Widerspruch

Nach Abschluss der konkreten Planungen könnte demnach im Winter 2019 mit dem Abbruch der Kirche „Zu den Acht Seligkeiten“ begonnen werden. Der Bau des „Quartierszentrums“ könnte schließlich von Sommer 2020 bis Sommer 2022 umgesetzt werden. 

Widerspruch von den Stadträten dagegen gab es kaum. Dr. Martin Metzger (BfF) kritisierte allerdings die Zusammensetzung des Preisgerichts. „Mir schmeckt das nicht“, sagte er. „Hier entscheiden sieben Externe darüber, wie es aussieht. Und dafür zahlen wir 180.000 Euro.“ Beltinger erläuterte Metzger, dass es die Aufgabe der Architekten sei, „die beste Lösung zu finden unter Einbindung der Stimmen, die dort später arbeiten müssen“, also der Kindergärtnerinnen. 

SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth zeigte sich hingegen angetan. „Ein ganz besonderer Bau für die Stadt“, sagte sie und regte an, Zuschüsse aus dem Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ zu beantragen.

Matthias Matz

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