Nachbarn wehren sich gegen die geplante Erweiterung der "Residenz Hopfensee"

"Wir werden eingemauert"

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Nachbar Eberhard Macziol mit einem Modell der geplanten Hotelerweiterung. Demnach würde die Residenz Hopfensee im Hintergrund etwa doppelt so groß werden wie bisher.Foto: Matz

Füssen/Hopfen am See – Das Hotel „Residenz Hopfensee“ will das bestehende Gebäude in der Uferstraße massiv um mehrere Suiten, Schlafzimmer und einen Wellnessbereich in Richtung Norden erweitern.

Die Anwohner sind entsetzt über die Pläne und wollen notfalls gegen das Vorhaben vor Gericht ziehen. Von der Kommunalpolitik und den Aufsichtsbehörden fühlen sie sich im Stich gelassen. 

Die „Residenz Hopfensee“ in der Uferstraße wirbt auf ihrer Internetseite mit ihrer unvergleichbar schönen Lage und einem traumhaften Blick auf den Hopfensee und die Bergkulisse. Für die unmittelbaren Anwohner ist die geplante Erweiterung jedoch ein Alptraum. „Wir werden eingemauert“, sagt Prof. Dr. Heinrich Kemer, der mit seiner Frau auf dem Grundstück unmittelbar östlich wohnt. „Wir wehren uns dagegen, dass da noch einmal etwas hin gebaut wird“, sagt er. „Es ist ja jetzt schon ein Riesengebäude. Jetzt soll der Baukörper noch einmal verdoppelt werden“, schildert er die Situation aus seiner Wahrnehmung. 

"Das ist ein Affront!"

Noch Schlimmeres sehen Eberhard Macziol und seine Frau auf sich zu kommen. Das Paar zog 2004 nach Hopfen und hat 2007 am Hang hinter der Residenz sein Haus gebaut. Laut Macziol soll der geplante Anbau des Hotels bis auf etwa einen Meter an sein Grundstück heran rücken, wofür der Hang großflächig abgetragen werden muss – mit seiner Meinung nach unabsehbaren Folgen für die Statik des Steilhanges. „Der Hang schiebt ohnehin schon“, befürchtet er einen Hangrutsch. 

Außerdem, so seine Sorge, werde der geplante Residenz-Anbau mit einer Höhe von deutlich über zehn Metern wie ein Riegel vor seinem Grundstück wirken. „Das ist ein Affront! Wir werden massiv in unseren Grundrechten eingeschränkt!“, kritisiert er.

Darüber hinaus befürchtet das Paar eine weitere Lärmzunahme. Denn in dem ihm zugewandten Bauabschnitt solle den Plänen zufolge ein Wellnessbereich mit offener Terrasse entstehen, berichtet Macziol. 

Von der Füssener Politik und dem Landratsamt in Marktoberdorf fühlen sich sowohl die Kremers als auch die Macziols mit ihren Sorgen allein gelassen. „Warum wird hier nicht eingegriffen?“, fragt Macziol. Prof. Kremer wird noch deutlicher: „Ich fühle mich von dem Bürgermeister und dem Stadtrat im Stich gelassen“, so der Hopfener im Gespräch mit dem Kreisbote. 

Tatsächlich hat der Bauausschuss des Füssener Stadtrates nach monatelangem Hin und Her und kontroversen Diskussionen am 4. Oktober des vergangenen Jahres der Erweiterung schließlich doch sein kommunales Einvernehmen erteilt (der Kreisbote berichtete mehrfach). 

Seitdem liegt die Bauvoranfrage zur Genehmigung im Landratsamt Ostallgäu. Dort ist man in der Bauverwaltung mittlerweile ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bauvoranfrage genehmigungsfähig sei. Die entsprechenden Bescheide sind am Montag verschickt worden, wie Behörden-Pressesprecher Rainer Kunzmann auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. 

Iacob weist Kritik

zurück Eberhard Macziol ist aber der Überzeugung, dass die Stadträte und die Aufsichtsbehörde bei den eingereichten Plänen genauer hätten hinsehen müssen. „In den vorgelegten Planungen sind Dinge angegeben, die es gar nicht gibt“, ist sich Macziol sicher. Schon der Stellplatznachweis sei fragwürdig. „Es ist erstaunlich, dass die Stadt hier untätig bleibt“, wundert sich auch sein Nachbar Prof. Kremer.

Er spricht von „Scheinparkplätzen auf dem Papier“. Bürgermeister Paul Iacob (SPD) wies die Kritik auf Anfrage des Kreisbote zurück. „Die Stadt lässt sich nicht an der Nase herum führen“, sagte er. Für die Überprüfung und Genehmigung der von der Bauwerberin eingereichten Pläne sei grundsätzlich das Landratsamt Ostallgäu zuständig, nicht die Stadt Füssen. 

Diese erteile nur ihr kommunales Einvernehmen. Die finale Entscheidung liege aber in Marktoberdorf. „Wir müssen uns an das Baugesetz halten“, betonte er. „Wir sind nicht berechtigt, da rein zu gehen und zu schauen, ob das passt oder nicht.“ Erhalte das Bauamt aber Hinweise, dass etwas mit eingereichten Plänen nicht stimmen könne, gebe man das grundsätzlich an die Kreisbehörde weiter. 

Die Bauverwaltung des Landratsamtes vertritt im Gegensatz zu den Anwohnern nach einer Ortsbesichtigung Ende März aber die Meinung, dass die eingereichten Pläne in Ordnung seien. „Man ist zu der Auffassung gekommen, dass nachbarschützende Rechte nicht verletzt werden“, erklärte Behördensprecher Rainer Kunzmann. 

Den Macziols und ihren Nachbarn reicht das nicht. Sie haben mittlerweile Anwälte beauftragt, gegen das Bauvorhaben zu klagen. So bereitet Macziols Anwalt auf dem privatrechtlichen Weg eine Unterlassungsklage gegen die Bauwerberin vor.

Die Kremers haben dagegen den renommierten Münchner Fachanwalt Dr. Bernd Tremml beauftragt. Dieser kündigte gegenüber unserer Zeitung an, gegen einen möglichen Bauvorbescheid durch das Landratsamt klagen zu wollen. „Das ist für die Nachbarn unzumutbar“, betonte er. 

Bei dem Ortstermin am 29. März mit Vertretern des Landratsamtes und den Nachbarn sei ein Gerüst aufgebaut worden, um die Dimensionen des Anbaus zu veranschaulichen. „Das war schon sehr prägnant.“

Gute Aussichten?

Die Erfolgsaussichten seiner Mandanten im Falle einer Klage bewertet der Fachjurist als gut. Denn schon allein aufgrund der seiner Einschätzung nach von der Bauwerberin nicht nachweisbaren 51 Stellplätze müsste eine Baugenehmigung abgelehnt werden. „Es besteht kein einziger Parkplatz dort“, ist auch sein Mandant Prof. Dr. Kremer der Auffassung. 

Dazu komme, dass sich das geplante Gebäude weder in die Umgehungsbebauung einfüge noch von seiner geplanten Größe und Ästhetik dort hin passe. „Zudem muss angezweifelt werden, ob eine derartige Konstruktion überhaupt technisch realisierbar ist“, so der Münchner Fachanwalt. Anlieferung und Terrassenbetrieb würden außerdem zu erheblichen Lärmbelästigungen der Nachbarn führen. 

Ungeklärt sei auch, wie der Steilhang auf die Erdarbeiten reagiere. „Welche konkreten Auswirkungen dieser Eingriff auf Statik und Standfestigkeit des darüber liegenden Grundstücks haben wird, ist aus den diffusen Plänen nicht ablesbar“, kritisiert Tremml. Neben dem Klageweg soll aber parallel versucht werden, Füssener Stadträte und den Bürgermeister auf die Sorgen der Nachbarn aufmerksam zu machen. 

Die Bauwerberin äußerte sich trotz schriftlicher Anfrage des Kreisbote bis Redaktionsschluss nicht.

Matthias Matz

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