Klangwelten verbinden

Das Verdi-Quartett, unter anderem mit Karin Wolf (v.l.) und Zoltan Paulich, musiziert im Kaisersaal mit Saad Thamir (rechts) aus Bagdad. Foto: Friedrich

Beim Eröffnungskonzert des zehnten Füssener Festivals „Vielsaitig“ haben kürzlich so viele Musikfreunde im Kaisersaal dabei sein wollen, dass es keine Karten mehr an der Abendkasse gab. Zu den 150 Besuchern im Saal kamen noch die knapp 20 Studierenden, die sich im Rahmen von „vielsaitig“ weiterbilden wollen. Gemeinsam verfolgten sie den Auftritt des Verdi-Quartetts mit seinem Gastmusiker Saad Thamir aus Köln.

Zunächst trug Thamir auf der Bühne – noch ohne begleitende Schlaginstrumente – in arabischer Sprache ein Gedicht von Badr Schakir Al-Sajab als Klagelied in einem Solo vor. Die entfernten „Welten“ verbanden die Künstler dann durch gemeinsames Musizieren im Finale. Sein eigenes Werk mit dem Titel „Garavi`s“ für Streichquartett und Percussion hat Thamir einem Obst- und Gemüseladen gewidmet, in dem er seine ersten Euro verdient hatte. Aus politischen Gründen musste er dem Irak den Rücken kehren. Das Publikum – darunter auch der Kölner Liedermacher „Klaus der Geiger“ - war vom anspruchsvollen Programm begeistert. Das war nicht selbstverständlich, den der zweistündige Abend wollte nicht unter die Kategorie „schönes Streichkonzert“ fallen. Die Eröffnung mit „Lawrence of Arabia“ hatte schon signalisiert, dass eine andere Richtung zu erwarten sei. Die von Thomas Rabenschlag – Bruder der „Verdi“-Violinistin Susanne Rabenschlag – eingerichtete Version für Streichquartett erzeugte durch Flimmern im Klangteppich einen Eindruck davon, wie sich Musikkultur im Orient von den Hörgewohnheiten Europas unterscheidet. Für Verständnis und Genuss konnte ein vergangener Urlaub hilfreich sein. So meinte eine Dame in der Pause: Es klinge hier im Kaisersaal wie bei entspannten Tagen in Tunesien.

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