Gedenkweg soll mit dem "Mythos Geierwally" aufräumen

"Außergewöhnliches Projekt"

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Der Start des „Anna Stainer-Knittel-Gedenkweg“ im Dorfzentrum von Bach. Bei der Enthüllung der großen Tafel sind Stefan Hanny (v.l.), Robert Heel, Petra Schnegg, Walter Jäger, Toni Knittel, Franz Kapeller, Daniela Fiess und Peter Friedle mit dabei.

Bach – Wer kennt sie nicht, die Geschichte der „Geierwally“ mit dem Adlerhorst, der ungehorsamen und schlecht behandelten Tochter eines reichen Bauern und deren tragische Liebe zum Bärenjosef.

Filme über die Lechtaler Kunstgestalt sind in verschiedenster Qualität über die Bildschirme geflimmert. Wilhelmine von Hillern schuf um 1870 nach Recherchen vor Ort in Elbigenalp aus den tatsächlichen Ereignissen von damals einen dramatischen Heimatroman, in dem die weibliche Hauptfigur sich den Konventionen der Weiblichkeit verweigert und als Wildfang in raue Natur verstoßen ihre Jugend verlebt. 

Ein Mythos, der fern der Realität lag, war geboren, der der komplexen Persönlichkeit der Lechtalerin aber schon gar nicht gerecht wird. In Bach ging man daher nun einen differenzierteren Weg: Nicht der „Mythos Geierwally“ stand im Fokus der Überlegungen einer Arbeitsgemeinschaft zur Errichtung des „Anna Stainer-Knittel Gedenkweges“ in den Lechtaler Alpen. 

Den Kultur- und Naturverbundenen war und ist es vielmehr wichtig dem künstlerischen und gesellschaftspolitischen Wirken der großen Lechtalerin gerecht zu werden. Mit neun Stationen, beginnend im Dorfzentrum von Bach, soll der hochalpine Weg, der im Frühsommer offiziell eröffnet werden soll, neben unvergesslichen Ausblicken auch viele Informationen über die herausragende Persönlichkeit der Anna Stainer-Knittel liefern. Behutsam in die Landschaft integriert und in Holzblockbauweise errichtet, wird an den Stationshäuschen und Tafeln auch auf die kulturhistorischen Aspekte des oberen Lechtals eingegangen. 

Nach der berühmten Malerin wird neben einer Straße in Innsbruck nun also auch der Weg im Außerfern benannt werden. Aus ihren privaten Aufzeichnungen, die Franz Kappeller, dem Mann der ersten Stunde in der Arbeitsgemeinschaft, zugänglich waren, geht eindeutig hervor, dass Anna Stainer-Knittel genau auf diesem Weg von Bach über Madau zu den Almen des Alperschontales oftmals unterwegs war und die Felsen, die den berühmten Adlerhorst beherbergten, direkt am Gedenkweg liegen. Auch Bilder aus der Hand Stainer-Knittels aus diesem Gebiet beweisen, dass die berühmte Tochter des Tales das Gebiet rund um die Saxenalm liebte. 

„Eine außergewöhnliche Frau verdient ein außergewöhnliches Projekt“, meint EX-LA Walter Jäger aus Imst, als einer der Proponenten der Arbeitsgemeinschaft bei der Präsentation des Gedenkweges. Jäger kann als Türöffner der Bestrebungen angesehen werden, als Paten für den Weg konnten Landeshauptmann Günther Platter und der Präsident des WWF-Österreich, Helmut Pechlaner, ein direkter Nachkomme der Künstlerin, gewonnen werden. „Des Menschen Wege prägen Kultur und Natur“, meinte die Volkskundlerin Petra Streng, die das Projekt wissenschaftlich begleitet. „Anna Stainer-Knittel war eine Frau ihrer Zeit, eingebunden in regionale Traditionen, die unbeirrt und konsequent ihren künstlerischen Ambitionen nachging, dabei aber nie ihre Familie und ihre Herkunft hinten anstellte. Ihr Leben nachzuzeichnen war mehr als interessant.“ 

Weg vom Klischee 

Die literarischen und medialen Aufbereitungen ihres Lebens als „Geierwally“ werden dem „richtigen Leben“ der kämpferischen Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft nicht annähernd gerecht, bezeugen die Recherchen von Streng. Daher will sich der neu gegründete Verein „Lechtalspuren“, in dem sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft zum Großteil wiederfinden, bewusst von „Klischee Geierwally“ abheben, und wissenschaftlich und kulturhistorisch Wahres vermitteln. 

Der Verein wird es auch sein, der sich in Zukunft – finanziell durch die Hilfe von Sponsoren gut aufgestellt – um die Erhaltung des Kleinodes kümmern wird. Der Obmann des Vereins, Stefan Hanny: „Ein bewusster Umgang mit der eigenen Herkunft und Kulturgeschichte wird von uns als emotionales Sprungbrett in die Zukunft gesehen.“ 

Weitere Tal-Größen 

Hinter der etwas sperrigen Bezeichnung „Verein zur Pflege der Lechtaler Volkskultur rund um das Leben und Wirken der Anna Stainer-Knittel und anderer historisch bedeutsamer Persönlichkeiten“ verbergen sich ambitionierte Lechtaler, die sich neben der „Geierwally“ auch mit anderen Größen des Tales, wie zum Beispiel Anna Dengel oder Joseph-Anton Koch beschäftigen werden. „Uns war es wichtig, den Rundwanderweg über die Saxenalm und die Appenzell Almen mit der historisch bedeutsamen Persönlichkeit zu verknüpfen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen“, beschrieb bei der Präsentation Franz Kappeller die Beweggründe der Arbeitsgemeinschaft und sprach von einer sehr arbeitsintensiven Vorbereitungszeit. 

„Bluatschink“ Toni Knittel, ein Urgroßneffe der Elbigenalperin, zeigte eindrucksvoll Bilder vom Entstehen des Weges, an dem sich auch die Naturwerkstatt des Arbeitsmarktservice einbrachte, und lieferte eine anschauliche Beschreibung des Wanderweges. Gemeinsam enthüllte man im Dorfzentrum eine ansprechende Großtafel die auf den „Anna Stainer-Knittel Gedenkweg“ hinweist.

niko

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