Des Königs neue Vorhänge

Ein Jahr dauerte die Sanierung der vorhandenen Textilien sowie die Installation des UV-Schutzes und der neuen Schutzglaswände im Schlafzimmer von König Ludwig II. Nun überzeugte sich Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer bei einem Besuch auf Schloss Neuschwanstein vom Ergebnis der Arbeiten, die mit Hilfe einer Spende der BMW AG finanziert worden waren.

Nie für die Öffentlichkeit zugänglich konzipiert, sind die Textilien in einem der am meisten besuchten Schlösser dieser Welt erheblichen Beanspruchungen ausgesetzt. Neben Schweiß und Luftfeuchtigkeit werden auch immer wieder kleine Souvenirs aus dem Räumen im Schloss Neuschwanstein mitgenommen. So fehlen an vielen Stühlen die Trotteln und Bommel, weshalb auch Teile der Vorhänge sicher im Lager weggehängt worden waren. Daneben greift auch das extrem helle Sonnenlicht mit dessen UV-Strahlung die Textilien an. Diese bleichen zuerst aus, wie Beate Knäppel, bei der Staatlichen Schlösserverwaltung für die Textilien zuständig, erzählt. Danach wird die Struktur des Stoffes zerstört, zuerst die einzelen Fasern der Stickerein bis schließlich der Trägerstoff betroffen ist. Das Textil ist unwiederbringlich zerstört. Während man bei Bildern und Möbeln immer wieder restauratorisch eingegriffen hat, begann erst Mitte der 1990iger Jahre das Bewusstsein auch für die Textilien. Zehn Räume müssen die Verwalter und Restauratoren abarbeiten, bislang mit dem Problem der UV-Strahlung konfrontiert. Erstmals nun wurde das Problem der Textilien umfassend angegangen, wie Pschierer in seiner Rede erklärte und wie auch die Fachleute, darunter der Präsident der Schlösserverwaltung, Dr. Johann Erichsen und die Leiterin der Museumsabteilung, Dr. Sabine Heym, den anwesenden Politikern und Vertretern der Firma BMW erläuterten. Die hatte eine Viertel Million Euro der Schlösserverwaltung gespendet, das Geld fließt je zur Hälfte nach Neuschwanstein und nach Schloss Schleißheim. Rund 90000 Euro allein wurde dabei für die Restaurierung und vor allem Stabilisierung der Stoffe ausgegeben, die seinerzeit im Stickatelier Matthilde Jörges in München die kostbaren goldenen Verzierungen erhalten hatte. Man könne natürlich nicht mehr die Farben wiederherstellen, so Knäppel, sondern nur den Trägerstoff retten. Daneben wurden die Fenster mit UV-Blenden versehen und im Schlafzimmer, das als das erste Zimmer wiederhergestellt wurde, Glaswände aufgestellt. Nun können erstmals die kostbaren Vorhänge, aber auch Hocker in Ludwigs Gemächern gezeigt werden, da durch die neuen Schutzwände eine mechanische Beschädigung ausgeschlossen ist.

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