Zwei Beamte von Neuschwanstein stehen ab Dienstag vor dem Kadi

"Schwarze Kassen" vor Gericht

Was geschah zwischen 2007 und 2010 hinter den Mauern von Schloss Neuschwanstein? Am Dienstag soll das Amtsgericht Kaufbeuren Licht ins Dunkel bringen. Archiv

Füssen/Kaufbeuren – Was sich zwischen 2007 und 2010 hinter den Mauern von Schloss Neuschwanstein abgespielt haben soll und vor zwei Jahren öffentlich wurde, erschütterte die bis dato vermeintlich heile Welt des Märchenschlosses.

Gut drei Jahre lang sollen – so der Vorwurf der Kemptener Staatsanwaltschaft – hochrangige Mitarbeiter Sonderführungen nicht abgerechnet und Gelder zweckentfremdet haben. Von „schwarzen Kassen“ war seinerzeit die Rede. 

Am kommenden Dienstag, 8. Juli, müssen sich deshalb zwei ehemalige Mitarbeiter vor dem Amtsgericht in Kaufbeuren verantworten. 

Dabei handelt es sich nach Angaben von Friedrich Weber, Direktor des Amtsgerichts Kaufbeuren, um den einstigen Schlossverwalter und seinen Stellvertreter. Beide haben Einspruch gegen Strafbefehle aus dem vergangenen Jahr eingelegt. „Sie wollen einen Freispruch“, erklärte Weber. 

Ob es dazu kommt, ist allerdings fraglich. Die Vorwürfe gegen die beiden Beamten der Bayerischen Schlösserverwaltung wiegen schwer. Sie lauten im Fall des ehemaligen Verwalters „besonders schwerer Betrug in Tateinheit mit Untreue“ in 227 Fällen. Der Schaden soll bei 4825 Euro liegen. Seinem Stellvertreter wird ebenfalls besonders schwerer Betrug, Untreue und darüber hinaus Urkundenunterdrückung vorgeworfen. Der Schaden: überschaubare 198 Euro. 

Hintergrund der Anschuldigungen sind Sonderführungen, deren Erlös (laut Direktor Weber 20 Euro pro Person) in eine schwarze Kasse für das Schlosspersonal geflossen sein sollen. Damit sollen unter anderem Feiern für die Belegschaft finanziert worden sein. In die eigene Tasche aber hat anscheinend keiner der drei Beschuldigten gewirtschaftet. Rechtmäßig hätte das Geld aber an die Bayerische Schlösserverwaltung in München fließen müssen.

 Gegen die daraufhin Anfang 2013 ergangene Strafbefehle – die für den ehemaligen Verwalter eine Bewährungsstrafe von elf Monaten auf Bewährung und für seinen Untergebenen acht Monate auf Bewährung vorsahen – haben beide Einspruch eingelegt. Ein dritter Beschuldigter soll seinen Strafbefehl dagegen akzeptiert haben. „Der Fall wird komplett von vorne aufgerollt“, erklärt dazu Gerichtsdirektor Weber. „Es gibt aber auch keine Vorverurteilung.“ 

Riskante Taktik 

Zumindest für den ehemaligen stellvertretenden Schlossverwalter ist diese Taktik jedoch riskant: Während sein ehemaliger Vorgesetzter bereits im Ruhestand ist, wäre er bei einer höheren Freiheitsstrafe als 12 Monate wohl seinen Beamtenstatus und seine Pensionsansprüche los. Dem Vernehmen nach argumentieren aber offenbar beide, dass die Schlösserverwaltung über die Praktiken auf Schloss Neuschwanstein informiert gewesen sei und fordern deshalb einen Freispruch. 

Ursprünglich hätte der Prozess bereits im Mai stattfinden sollen. Da laut Direktor Weber aber einer der Angeklagten kurzfristig die Verteidigung wechselte, wurde die Verhandlung nun auf kommenden Dienstag, 8. Juli, verlegt. Beginn ist um 9 Uhr. Erwartet werden nach derzeitigem Stand der Dinge vier Zeugen, als möglicher zweiter Verhandlungstag ist Dienstag, 15. Juli, vorgesehen.

Matthias Matz

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