Rabiate Mountainbiker und verärgerte Wanderer

Konflikt zwischen Mountainbiker und Wanderer: Stadt Füssen sucht nach Lösungen

Mountainbiker fährt durch Wald.
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Immer mehr Mountainbiker zieht es in die Berge. Auf Wanderwegen kommt es jedoch immer wieder zu Konflikten mit Wanderern. Die Stadt Füssen sucht nach Lösungen dafür.
  • Katharina Knoll
    vonKatharina Knoll
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Füssen – Nicht nur Wanderer zieht es bei schönem Wetter in die Berge. Auch immer mehr Mountainbiker nutzen die Wanderwege für ausgedehnte Touren – und geraten dabei immer wieder in Konflikt mit denen, die hier zu Fuß unterwegs sind. Das Problem ist auch der Stadt Füssen bekannt. Eine Patentlösung hat sie allerdings nicht, wie jetzt im Verkehrsausschuss deutlich wurde.

Auf aggressive Mountainbiker, die auf den Wanderwegen in Bad Faulenbach und am Kalvarienberg unterwegs sind und illegale Schanzen aufgestellt haben, hat jetzt Dr. Christoph Böhm (CSU) in der Sitzung des Gremiums aufmerksam gemacht. Gutes Zureden habe bislang nichts genützt. Deshalb bat Böhm die Füssener Stadtverwaltung, sich des Themas anzunehmen.

Auch ein Bürger habe sich deswegen bereits mehrmals an Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) gewandt. „Er hat die Anregungen von Senioren aufgenommen, die fast über den Haufen gefahren worden sind“, so Böhm. Diese hätten Biker darauf aufmerksam gemacht, dass Radler Wanderwege, die weniger als einen Meter breit sind, nicht befahren dürfen – und seien dafür aggressiv angegangen worden. Deshalb schlug der CSU-Stadtrat vor, dass sich alle Beteiligte zusammensetzen und überlegen sollten, wo man Bergradelstrecken ausweisen könnte.

Die Thematik ist nicht ganz einfach.

Maximilian Eichstetter (CSU), Bürgermeister von Füssen

Werde eine spezielle Strecke für Mountainbiker ausgewiesen, sei die oft nur bei der ersten Fahrt für Radler interessant. Danach würden sich viele neue Strecken suchen, warf Eichstetter ein. Die angesprochenen Mountainbiker seien außerdem im FFH-Schutzgebieten unterwegs gewesen. „Der Bauhof hat die Schanzen abgebaut und entsorgt“, so der Rathauschef.

„Die Problematik ist bekannt“, fügte Eichstetter hinzu. „Wir haben uns schon Gedanken dazu gemacht.“ Sie allerdings zu lösen, sei nicht ganz einfach. Derzeit sei ein Mountainbikeverein aus Garmisch dabei, ein Projekt auf den Weg zu bringen, das mit Schildern zum fairen Umgang zwischen Fahrradfahrer und Wanderer aufruft.

Dass nun die Stadt Füssen selbst Schilder aufstellt, ohne deren Einhaltung zu kontrollieren, mache keinen Sinn. „Selber können wir sie nicht aufhalten“, sagte Eichstetter.

Das sah auch FWF-Stadtrat Thomas Scheibel so. „Das ist kein Thema, das man mit Verboten und Schildern lösen kann.“ Ein leidenschaftlicher Mountainbiker werde sein Hobby nicht aufgeben, nur weil er keine offizielle Möglichkeit hat, es auszuüben. „Wir brauchen legale Bikestrecken im Einklang mit Natur- und Umweltschutz“, forderte er.

Gemeinde Pfronten als Vorreiter?

Einen Schritt weiter scheint hier die Gemeinde Pfronten zu sein. Dort hat die Gemeindeverwaltung mit dem Rechtlerverband sowie der Wald- und Weiderechtlergenossenschaft die Freizeit- und Tourismusnutzung auf Privatwegen im Gemeindegebiet neu geregelt (der Kreisbote berichtete). Mit dem Ausweisen spezieller Strecken seien die Rechtler Vorreiter – was in Zukunft auch dem Tourismus zu Gute kommen könnte, meinte Scheibel. „Das scheint eine gute Sache zu sein“, sagte auch Böhm.

„Wir schauen uns gerne an, wo wir das implementieren können“, sagte der Rathauschef. In Naturschutzgebieten, wie Bad Faulenbach, könnten allerdings keine Mountainbikestrecken ausgewiesen werden. Deshalb sollte die Stadtverwaltung bei den weiteren Überlegungen Thomas Hennemann, Gebietsbetreuer Ostallgäuer Alpenrand, hinzuziehen.

Auch die Allgäu GmbH hat sich bereits des Themas angenommen. Im Zuge des grenzüberschreitenden Interreg-Förderprojektes Naturbiken Allgäu/Tirol haben die Projektträger eine Online-Befragung gestartet. Sowohl Mountainbiker als auch Vertreter der Belangträger aus dem Allgäu und dem angrenzenden Tirol werden online befragt, um deren Sichtweise zu erfahren.

„Durch die Befragung erhoffen wir uns weitere Erkenntnisse für die Zukunft und das gemeinsame Mit- und Nebeneinander von Mountainbikern und Belangträgern in unserer wunderbaren Landschaft zu bekommen“, erklärte Projektmanager Stefan Storf von der Allgäu GmbH. Die Befragung läuft bis Freitag, 21. Mai. Den Fragebogen für Mountainbiker finden Interessierte unter www.mtb.naturbiken.com, den für Belangträger unter www.befragung.naturbiken.com.

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