Neues Baumkataster gibt Auskunft über den Zustand der Füssener Bäume

"Insgesamt zufriedenstellend"

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Vor allem in der Kemptener Straße sind viele Bäume in einem nicht optimalen Zustand.

Füssen – Dass die Stadtverwaltung von den Stadträten gelobt wird, kommt nicht allzu oft vor.

In der jüngsten Sitzung in der vergangenen Woche aber konnte Jürgen Doser von den Freien Wählern nicht an sich halten: „Das ist perfekt aufbereitet“, schwärmte er. Anlass war das neue Baumkataster der Stadtverwaltung, das Thomas Baier vom städtischen Tiefbauamt vorstellte.

Mit Hilfe des Verzeichnis sollen zum einen Konflikte mit den Baumfreunden oder Naturschützern vermieden werden. Denn vor allem von diesen hagelte es in der Vergangenheit immer wieder Kritik, wenn ein auf den ersten Blick zunächst gesunder Baum aus Sicherheitsgründen umgesägt wurde.

Zum anderen liefert das Kataster einen Überblick über den Baumbestand in der Stadt und dessen Zustand. Dieser sei „insgesamt zufriedenstellend“, wie Baier die Ergebnisse der im November vorgenommenen Untersuchungen von rund 830 Bäume (von insgesamt rund 1600) durch das Baumsachverständigenbüro TreeConsult aus Gauting zusammenfasste. 

Viele alte Bäume

Die Untersuchungen der Bäume fanden demnach vor allem im Baumgarten, Füssen-West, Wiedmar und Ehrwang statt. Und das aus gutem Grund, wie Thomas Baier im Gremium erklärte: „Der Verwaltung waren als erstes Aussagen über den relativ betagten Baumbestand an Alleen und dem Baumgarten wichtig; hier hatten sich zuletzt Meldungen der städtischen Kontrolleure über Rindenschäden und offene Faulstellen wiederholt“, sagte er. 

Bei ihrer Analyse hätten die Experten aus Gauting auf die Methodik der sogenannte statikintegrierten Baumuntersuchung gesetzt. Dabei handle es sich um eine kombinierte Anwendung von Baumbiologie, Meteorologie und Mechanik, die zusätzliche teure Baumuntersuchungen überflüssig mache. 

Dabei haben die Fachleute von TreeConsult Baier zufolge herausgefunden, dass sich mit rund 42 Prozent der untersuchten Bäume relativ viele in der Alterungsphase (also nur noch geringe jährliche Zuwächse/Stagnation) befinden. Der Grund dafür sei aber, dass vor allem Bäume in alten Baumalleen und historischen Parkanlagen analysiert worden seien. „Nach der Einarbeitung der Ergebnisse der kommenden Aufnahme 2017 wird sich der Anteil bis einschließlich Reifephase deutlich erhöhen“, kündigte Baier an. 

Rund 56 Prozent der untersuchten Bäume seien in einem befriedigenden Zustand, 30 Prozent in einem guten und 13 in einem ausreichenden. „Ein relativ hoher Anteil an ausreichendem oder befriedigendem Gesamtzustand resultiert aus der Tatsache, dass die Vegetation an Straßen und Wegen besonderen Gefahren und Beeinträchtigungen aus dem verkehrsnahen, städtischem Standort unterworfen sind“, erläuterte Baier den Stadträten. 

So komme es durch den Straßenverkehr zu Rindenschäden, während sich auf der anderen Seite die Bodenverdichtung negativ auf das Wurzelsystem auswirke. Ein weitere Rolle spiele das bereits erwähnte hohe Alter.

Mehr Informationen

Neben der Festlegung von bestimmten Pflegemaßnahmen wurde auch festgelegt, welche 27 alten und kranken Bäume wo gefällt werden müssen (der Kreisbote berichtete am Samstag). Die Arbeiten sollten Anfang dieser Woche mit Fällungen in der Kemptener Straße beginnen.

Bund Naturschutz und die Füssener Baumfreunde seien bei den Entscheidungen miteinbezogen worden, betonte Baier. „Generell konnten die Gründe für eine Fällempfehlung bestätigt werden“, fasste er die Ergebnisse einer gemeinsamen Ortsbegehung zusammen. 

Außerdem gehe es nicht zuletzt auch um die Verkehrssicherheit in der Stadt. Um Missverständnisse und Konflikte künftig zu vermeiden, soll bei Fällungen in Zukunft die Öffentlichkeit im Vorfeld informiert werden. „Gemäß der Vorgabe der Baumschutzrichtlinie der Stadt sollen Baumersatzpflanzungen durchgeführt werden“, sagte Baier.

Matthias Matz

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