Sparkasse: Wegen Niedrigzinsen könnten große Guthaben bald Geld kosten

Unliebsame Gedankenspiele

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Vorstandsvorsitzender Manfred Hegedüs (rechts) und Vize Manfred Kreisle sind "noch zufrieden" mit den aktuellen Zahlen der Sparkasse.

Kempten/Landkreis – Niedrigzinspolitik, weiter zunehmende Regulierungen und Digitalisierung – die Bankenbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen.

Daher muss auch die Sparkasse Allgäu den Kurs in Richtung Zukunft setzen und denkt über Maßnahmen nach, die das Geldinstitut eigentlich vermeiden wollte – die Einführung von „Negativ-Verzinsungen“ und die Erhöhung der Kontogebühren. Mit den Ergebnissen des Geschäftsjahres 2015 zeigte sich Vorstand Manfred Hegedüs in der Bilanzpressekonferenz trotzdem „noch zufrieden“.

Während der Jahresüberschuss im Vergleich zum Vorjahr um fast eine Million Euro auf rund 3,7 Millionen Euro sank, stieg die Bilanzsumme im gleichen Zeitraum um drei Prozent auf mehr als 4,3 Milliarden Euro. Das Eigenkapital wurde um 20 Millionen Euro auf rund 350 Millionen aufgestockt. Damit sei die Kapitalbasis weiter gestärkt worden, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern.

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem damit verbundenen Rückgang an Zinsgewinnen denkt aber auch die Sparkasse Allgäu über Schritte nach, die bisher vermieden werden konnten: Die Einführung von „Negativ-Verzinsungen“. Wie Vorstand Hegedüs erklärte, gehe es dabei aber nicht um „100.000 oder 200.000-Euro-Einlagen“, sondern um solche „von vielleicht 500.000 Euro oder einer Million aufwärts“.

Darüber hinaus sollen die seit fünf Jahren gleich gebliebenen Kontogebühren womöglich ab dem kommenden Jahr angehoben werden, kündigte Hegedüs an. Gerade in dieser schwierigen Zeit zahle sich nach Angaben des Vorstandes das Geschäftsmodell der Sparkassen aus, aus Einlagen Kredite zu machen: Das Kreditvolumen stieg um 5,4 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro.

Die weiterhin niedrigen Zinsen sorgten für eine sehr hohe Kreditnachfrage. So gab die Sparkasse 2015 rund 627 Millionen Euro an neuen Darlehen aus – eine Steigerung um 15 Prozent. Über 300 Millionen wurden demzufolge als Kredite an Unternehmen und Selbständige ausgereicht. Bei den Neuausleihungen an Privatpersonen verzeichnet die Sparkasse einen Zuwachs von mehr als 26 Prozent auf knapp 320 Millionen Euro – allein über 250 Millionen davon als Wohnbaudarlehen.

Immobilien boomen

 Im Einlagenbereich verzeichnet die Sparkasse eine weitere Steigerung. Das Gesamtvolumen der Kundeneinlagen betrug zum Jahresende 3,27 Milliarden Euro, ein Plus von 3,4 Prozent. Die positiven Rahmenbedingungen flankierten ein weiterhin boomendes Immobiliengeschäft. Mit knapp 240 verkauften Objekten mit einem Verkehrswert von insgesamt 50 Millionen Euro konnte die Sparkasse Allgäu ihre Marktführerschaft im Immobiliengeschäft weiter ausbauen.

Weil bei der Bevölkerung die Wertschätzung von Wohnimmobilien nach wie vor hoch sei, erlebte die Sparkasse Allgäu 2015 ein erfolgreiches Bauspar-Jahr. Insgesamt wurden nach Angaben der Bank Bausparverträge mit einer Bausparsumme von insgesamt 175 Millionen Euro vermittelt. Das entspricht einem Zuwachs von 11,5 Prozent.

Am Deutschen Aktienmarkt ging es im Jahr 2015 turbulent zu. Das Auf und Ab des DAX sorgte für Verunsicherungen bei den Anlegern. Trotzdem investierten die Sparkassenkunden im vergangenen Jahr wegen fehlender Anlagealternativen vermehrt am Aktienmarkt. Das wirkte sich positiv auf das Wertpapiergeschäft der Sparkasse Allgäu aus. Der Wertpapier-Bestand stieg um 18,3 Prozent auf rund 1,230 Millionen. Euro. Das Versicherungsgeschäft entwickelte sich im abgelaufenen Jahr dagegen eher verhalten: Die Anzahl der neu abgeschlossenen Lebensversicherungen stieg um knapp ein Prozent.

Im Neugeschäft mit Sachversicherungen verzeichnet die Sparkasse einen Zuwachs von mehr als 20 Prozent.

Personal wird abgezogen

Im Durchschnitt besucht ein Kunde einmal pro Jahr seine Sparkassen-Filiale vor Ort, rund 160 Mal im Jahr nutzt er jedoch die Sparkassen-App für seine Bankgeschäfte. Die Digitalisierung schreitet weiter voran. Die Sparkasse Allgäu muss sich diesen veränderten Rahmenbedingungen stellen – unter anderem mit dem neuen Bereich „Medialer Vertrieb“. Neben dem eBusiness und der schon lange bewährten Telefon-Filiale wird auch das Team „Online-Filiale“ mit Online-Beratern und Online-Marketing-Spezialisten die Kunden in der digitalen Welt betreuen.

 Im Gegenzug hat die Bank zum 1. April aus insgesamt 14 Filialen – auch im südlichen Ostallgäu – ihr Personal abgezogen (der Kreisbote berichtete mehrfach). Auch die rund 900 Mitarbeiter der Sparkasse sind gefordert, sich auf die veränderten Anforderungen – gerade durch die Digitalisierung – einzustellen. Eine noch stärkere Konzentration auf qualifizierte Beratungsleistungen sowie den Ausbau und das Vertiefen des digitalen Wissens seien demnach notwendig, um die Kunden in der digitalen Welt begleiten zu können. 2015 nahmen mehr als 800 Mitarbeiter daher an Fortbildungen teil.

Den Beraternachwuchs rekrutiert die Sparkasse überwiegend aus dem eigenen Haus. Derzeit bildet sie 68 junge Leute zum Bankkaufmann bzw. „Bachelor of Arts“ aus.

Hohes Steueraufkommen

 Die Sparkasse Allgäu ist auf der anderen Seite aber auch Steuerzahler für die heimischen Kommunen. Mehr als vier Millionen Euro zahlte sie allein an Gewerbesteuern in 2015. Zusammen mit der Körperschaftssteuer liegt der Beitrag der Sparkasse am Steueraufkommen bei insgesamt knapp zehn Millionen Euro. Dazu kamen nach Bankangaben im vergangenen Jahr mehr als 800.000 Euro in Form von Spenden und Sponsoring.

Die Sparkassenstiftung konnte darüber hinaus um 500.000 Euro aufgestockt werden. Deren Stiftungskapital beträgt aktuell 13 Millionen Euro.

kb/mm/ct

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