Besuch in Italien: Füssen und Cremona wollen Kulturpartnerschaft eingehen

Freundschaft auf offizielle Beine stellen

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Die Füssener Reisegruppe vor dem „Museo del Violino“

Füssen – Konzerte auf hohem Niveau, gutes Essen und viel Kultur: 57 Füssener haben sich vor kurzem auf nach Cremona gemacht, um die Freundschaft zwischen beiden Städten zu stärken.

Auf der Rückfahrt statteten sie noch Mailand und der Expo einen Besuch ab. „Die Zufriedenheit war bei allen groß“, zog Bürgermeister Paul Iacob (SPD) jetzt sein Fazit. Dabei gab er auch bekannt, dass beide Städte ihre Freundschaft nun zur offiziellen Kulturpartnerschaft erklären wollen. Bereits im Vorfeld war das Interesse an dieser Reise groß. „Wir haben sie bekannt gegeben und am nächsten Tag war sie ausgebucht“, so Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller. 

So waren schließlich neben dem Bus auch zwei Autos unterwegs in die Lombardei. In Cremona begrüßte Bürgermeister Professor Gianluca Galimberti die Gruppe, bevor er und sein Kulturreferent im Gespräch mit Iacob und Riedmiller erklärten, dass man in Cremona nun nach sieben Jahren die Freundschaft mit Füssen zur offiziellen Kulturpartnerschaft erklären möchte. 

Das freute Iacob. Auch Füssen möchte die Freundschaft „jetzt auf offizielle Beine stellen durch einen Stadtratsbeschluss.“ Der soll in den kommenden zwei bis drei Monaten erfolgen. Neben diesem offiziellen Empfang stand aber die Kultur im Mittelpunkt.

Im Museo Civico werden die Saiteninstrumente des Sammlers und Füssener Kulturpreisträgers Carlo Alberto Carutti ausgestellt, der es sich nicht nehmen ließ die Ostallgäuer persönlich durch die Ausstellung zu führen. Auf dessen Dauerleihgabe war Iacob „fast neidisch“, wie er zugab. Wie sich solche historischen Instrumente anhören, das erlebte die Gruppe kurz darauf im Konzert zweier Gitarristen. Eine davon war eine ca. 150 Jahre alte Mirecourt-Gitarre, die der französische Maler Edgar Degas 1871 in seinem Bild „Degas´ Vater hört Lorenzo Pagans zu“ festgehalten hatte. Die habe „einen ungehörigen Klang“, sagte Iacob, „das merkt man auch als musikalischer Laie.“ 

Eine „einmalige Akustik“ bekamen die Füssener anschließend im „Museo del Violino“ zu hören. Während eines Konzertes saßen die Füssener praktisch „in einer Geige“, so der Rathauschef. Denn der Raum ist dem Resonanzkörper einer Violine nachempfunden. Dort spielte eine junge Musikstudentin auf einer historischen Geige, die Guarneri, einer der bekanntesten Geigenbauer Cremonas, erschaffen hatte. „Das war schon beeindruckend“, meinte der Füssener Rathauschef. Ganz andere Klänge bekamen die Lechstädter anschließend beim „Spazionovecento 2015“ zu hören. 

Die avantgardistische Musik war „für unsere harmoniesüchtigen Ohren etwas ungewöhnlich“, meinte der Rathauschef. Toll fand er allerdings, dass die Jugend mit Musikexperimenten einbezogen und an eine neue Art von Musik herangeführt werden. 

Hohe Qualität 

„Egal welches Konzert, sie waren von hoher Qualität. Man setzt eher weit oben an und zieht die Menschen mit“, zog Riedmiller sein Fazit. Das könne Füssen mit unter als Maßstab für seine eigene Kulturarbeit nehmen. Auch dass der Einzelhandel in Cremona das kulturelle Erbe der Stadt für sich entdeckt hat, beeindruckte Iacob. Sogar in der Bäckerei „gibt es Schokoladengeigen“, so der Rathauschef. Diese Mentalität wolle man auch in Füssen integrieren. 

Vor Ort stellten die Füssener erneut fest, dass für Cremona die Städtefreundschaft keine Eintagsfliege sei. „Das macht uns stolz“, so Iacob. Zukünftig soll die Freundschaft beispielsweise durch gemeinsame Ausstellungen vertieft werden. Als nächstes werde aber erst einmal ein Musiktrio aus Cremona sowie der Präsident der „Fondazione Stradivari di Cremona“, Paulo Bodini, vom 26. Juni bis 28. Juni zu den Europatagen der Musik nach Füssen kommen.

Katharina Knoll

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