"Königswinkel Open Airs" 2017 abgesagt

"Sind zutiefst erschüttert"

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Rund 25.000 Besucher kamen im Sommer zu den "Königswinkel Open Airs". Trotz schlechtem Wetter feierten sie ausgelassen.

Füssen/Kempten – Cro, Rea Garvey, Sarah Connor – das Staraufgebot beim diesjährige „Königswinkel Open Air“ am Festspielhaus war groß. Im kommenden Jahr wollte „Allgäu Concerts“ mit Auftritten von „Sting“ und den „Fantastischen Vier“ am Forggensee noch einen drauflegen. Doch daraus wird nichts.

Weil sie nach eigenen Angaben bislang keinen Kontakt zur Ludwigs Grundbesitz GmbH, der neuen Eigentümerin des Festspielhauses, herstellen konnten, haben die Veranstalter aus Buchenberg bei Kempten reagiert und die „Königswinkel Open Airs 2017“ abgesagt. Unter anderem seien Auftritte von „Sting“ und den „Fantastischen Vier“ geplant gewesen. „Unsere Enttäuschung ist sehr groß“, so Franz Bernhard von „Allgäu Concerts“. „Wir haben so intensiv daran gearbeitet, dass das Gelände in Füssen in der Veranstaltungsbranche bekannt wird und nun müssen wir hochkarätigen Künstler für 2017 absagen.“ 

Gleichzeitig erhebt Bernhard schwere Vorwürfe gegen die neuen Eigentümer und den Münchner Insolvenzverwalter Dr. Marco Liebler. Nach Darstellung Bernhards habe die Konzertagentur während des Insolvenzverfahrens immer wieder versucht Kontakt zu Liebler herzustellen. Selbst Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD) sei dafür eingeschaltet worden. Allerdings ohne Erfolg.

Auch mit den neuen Eigentümern von der Ludwigs Grundbesitz GmbH aus Konstanz seien bislang trotz mehrerer Versuche der Oberallgäuer Agentur keine Gespräche zustande gekommen. Selbst auf E-Mails werde nicht reagiert. „Eine Kontaktaufnahme scheint unerwünscht zu sein“, zürnt Bernhard. Das deute darauf hin, dass vonseiten der neuen Eigentümer überhaupt kein Interesse an kulturellen Veranstaltungen im und am Festspielhaus bestehen. „Über diese negative Entwicklung sind wir zutiefst erschüttert und fühlen uns von der Politik und den Verantwortlichen in Füssen im Stich gelassen.“ 

Bernhard mutmaßt nun, dass Leuze und Co. „ein anderes Konzept etablieren wollen und die Stadt Füssen hinters Licht geführt haben“. 

Tatsächlich hatte Jan D. Leuze, der zusammen mit Manfred Rietzler und Henrik Peter Mayer das Festspielhaus gekauft hat (der Kreisbote berichtete), gegenüber unserer Zeitung bereits angekündigt, dass es künftig keine Open-Airs mehr am Westufer des Forggensee geben soll. Dadurch sollen das Gebäude und die barocke Parkanlage geschützt werden, sagte Leuze (siehe Kreisbote vom 30. November). 

Wie genau der Betrieb des Veranstaltungshauses künftig aussehen soll, ist allerdings noch unklar. Bis März wolle man ein Konzept vorlegen, kündigte Leuze seinerzeit an.

Am Freitag teilte die Ludwigs Grundbesitz GmbH nun mit, dass eine Wiederaufnahme des Betriebs für Frühjahr geplant sei. „Unter Einsatz regionaler Handwerker haben die Renovierungsarbeiten in den Innenräumen des Theaters bereits begonnen“, teilte das Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung mit. 

Auf die Vorwürfe von „Allgäu Concerts“ gingen die neuen Eigentümer nicht ein. „Nachdem die Immobilie erst kürzlich übernommen wurde, lag der Fokus auf der Übernahme der Mitarbeiter und des Gebäudes“, heißt es lediglich. 

Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD) bedauert das Aus für die „Königswinkel Open Airs“ zwar ebenfalls, gleichwohl kann er die Vorwürfe Bernhards in Richtung Politik nicht nachvollziehen. „Ich halte das für indiskutabel“, sagte er auf Nachfrage. „Ich habe mich im Rahmen meiner Möglichkeiten immer dafür eingesetzt, dass dort weiterhin kulturelle Veranstaltungen stattfinden“, erläuterte er. Beim Festspielhaus handle es sich jedoch um Privatbesitz. „Das ist eine private Insolvenz. Da hat die Politik nichts damit zu tun“, betonte er. Vor diesem Hintergrund halte er die Vorwürfe Bernhards „für ungezogen“. 

Franz Bernhard von „Allgäu Concerts“ hofft nun, „dass am Schluss die Rechnung für das ganze Dilemma in Füssen nicht wieder dem Steuerzahler präsentiert wird, wenn das undurchsichtige Konzept der neuen Besitzer nicht aufgeht“. Nach Angaben von „Allgäu Concerts“ kamen heuer insgesamt 25.000 Besucher aus ganz Bayern zu den „Königswinkel Open Airs“. „Sämtliche Hotels im Ostallgäu waren komplett ausgebucht“, schwärmt Bernhard noch heute.

Matthias Matz

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