Räte beschließen Neubau auf Kirchengelände

Grünes Licht für Kindergarten

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Der Kindergarten St. Gabriel in Füssen West ist sanierungsbedürftig. Deshalb sollen Kinder und Betreuer in einen Neubau auf das Gelände ziehen, wo jetzt noch die Kirche „Zu den Acht Seligkeiten“ steht.

Füssen – Im Füssener Westen soll für rund 3,6 Millionen Euro ein neuer Kindergarten gebaut werden. 

Er soll dort hinkommen, wo derzeit noch die Kirche „Zu den Acht Seligkeiten“ steht. Den Grundsatzbeschluss dafür hat am Dienstag der Stadtrat einstimmig gefällt. Das Projekt wird aber nicht nur städteplanerisch eine Herausforderung, wie in der Sitzung deutlich wurde, sondern auch organisatorisch. 

Das Gebäude ist sanierungsbedürftig, der Brandschutz ist nicht auf dem neuesten Stand, die Außenflächen sind zu klein und die Parkplätze zu wenig: Beim Kindergarten St. Gabriel besteht Handlungsbedarf, wie Elke Sontheimer vom Katholischen Dekanat Marktoberdorf in der Sitzung des Stadtrates erklärte. Derzeit betreuen hier rund 40 Mitarbeiter 128 Kinder in sechs Gruppen. Davon seien 18 Inklusionskinder. Eines komme aus Schwangau, der Rest wohne in Füssen. 

Da eine Generalsanierung des Kindergartens rund fünf Millionen Euro kosten würde, war schnell klar, dass nur ein Ersatzbau in Frage komme, so Sontheimer. Nachdem die Stadt Füssen aber bei der Grundstückssuche nicht viel Erfolg hatte, fiel der Blick bald auf die Kirche „Zu den Acht Seligkeiten“, die ebenfalls sanierungsbedürftig sei. Daraufhin habe die Pfarreiengemeinschaft Füssen ein „Pastorales Nutzungskonzept“ erstellt, das Mitte November die notwendigen Gremien abgenickt hatten (der Kreisbote berichtete). „Dem Abriss der Kirche steht nichts im Wege“, so Sontheimer. Aber: „Die Krippe soll natürlich erhalten bleiben.“

Der neue Kindergarten werde daran angebunden. Daneben soll ein Pfarrzentrum mit Räumen für vielfältige soziale Angebote entstehen. Hier könnte beispielsweise eine Außenstelle des Jugendamtes oder eine Schwangerschaftsberatung hineinkommen, sagte Sontheimer. „Es gibt Gespräche, ob wir weitere Synergien nutzen können.“ Sie fügte hinzu: „Wir wollen in die Richtung eines Begegnungszentrums gehen.“ 

Daneben werde „keine Kirche in dem Sinne“ gebaut, aber ein „sakramentaler Raum gestaltet werden.“ Die Trägerschaft für die Krippe und den Kindergarten werde weiterhin beim Katholischen Dekanat Marktoberdorf liegen. Da die Stadt Füssen verpflichtet ist, ausreichend Kindergartenplätze bereitzustellen, wird die Stadt den Kindergarten-Ersatzbau errichten, wie es in der Sitzungsvorlage heißt. Die Eigentumsfrage des Grundstücks soll über einen Erbbaurechtsvertrag geregelt werden. 

Enger Zeitrahmen

Das größte Problem bei dem Projekt dürfte jedoch die Zeit werden. Denn möchte die Stadt 85 Prozent der Kosten gefördert bekommen, muss der Kindergarten nach den Vorgaben des vierten Sonderinvestitionsprogramm bis Juli 2019 beantragt werden und bis 30. Juni 2022 in Betrieb gehen, heißt es in der Sitzungsvorlage. 

Weil das Projekt aber so umfangreich ist, muss es europaweit ausgeschrieben werden, was ebenfalls einige Zeit dauern wird. „Wenn Sie öffentliche Mittel haben wollen, müssen Sie ein VgV-Verfahren machen. Da führt nichts daran vorbei“, erklärte Monika Beltinger vom Büro LARS consult, die das Projekt abwickeln soll. Kann dieser Zeitrahmen nicht eingehalten werden, bleibt nur eine Förderung über das Finanzausgleichsgesetz (FAG), was 55 Prozent der Kosten übernehmen würde. 

Der Zeitplan sei eine „sehr stolze und sportliche Leistung“, so Sontheimer. „Wenn wir das zügig machen, dann können wir das schaffen“, meinte aber Beltinger. „Vom Zeitablauf her kann man das bewältigen“, blickte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) ebenfalls zuversichtlich in die Zukunft. Umfangreiches Projekt Aber auch städtebaulich sei das Projekt eine Herausforderung, wie Bauamtsleiter Armin Angeringer erklärte. Da die Kirche als zentraler Punkt abgerissen werde, erhalte das Grundstück „gravierend andere Strukturen“, so Beltinger. 

Neben der städtebaulichen Konzeption müsse man auch die Verkehrsführung genauer anschauen. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft liege schließlich die Realschule, wo auch Schulbusse halten. Zusammen mit dem Hol- und Bringverkehr am Kindergarten und der Krippe dürfte das zu viel Verkehr führen. Deshalb müsse am Ende der Planung „eine vernünftige Lösung stehen, die über gute Architektur hinausgeht“, erklärte Beltinger. 

Kosten von ca. 3,6 Millionen 

Für die weitere Vorgehensweise schlug sie unter anderem einen Planungswettbewerb mit einem städtebaulichen Ideenteil und einem Realisierungsteil vor. Da an dessen Ende ein abgestimmter und diskutierter Entwurf stehe, dauere das gesamte Verfahren nicht länger als ohne Planungswettbewerb. Außerdem könnten Planungskosten grundsätzlich gefördert werden. Im Detail müsste das allerdings noch abgestimmt werden. 

Was der Neubau denn ungefähr kosten werde, wollte Stadträtin Christine Fröhlich (FWF) wissen. Belastbare Aussagen gebe es zwar noch nicht. Aber man rechne „mit 600.000 Euro pro Gruppe über den Daumen gepeilt“, erklärte Bürgermeister Iacob. 

Mit den anvisierten sechs Gruppen würde das also rund 3,6 Millionen Euro ergeben. Das Sonderinvestitionsprogramm gelte aber nur für Erweiterungen, warf Fröhlich ein. Der Kindergarten St. Gabriel habe aber jetzt schon sechs Gruppen. Da es sich hierbei um einen effektiven Ersatzbau handle, gehe man derzeit davon aus, dass man die Förderung auch für sechs Gruppen erhalte, erwiderte Iacob. Wenn das nicht der Fall sein, könne man immer noch überlegen, sieben Gruppen einzurichten. Vom Kindergarten-Team wisse er aber, dass es sechs Gruppen favorisiere, so der Rathauschef. „Sonst wird es zu groß.“

Katharina Knoll

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