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„Das ist der Wahnsinn“: Radweg in Hopfen wird deutlich teurer

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Von: Matthias Matz

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Uferpromenade in Hopfen am See
Um zu verhindern, dass sich Radfahrer und Fußgänger auf der Uferpromenade weiter in die Quere kommen, will die Stadt einen Radweg in Hopfen bauen. © Archiv/Knoll

Füssen – Trotz einer deutlichen Kostensteigerung auf rund vier Millionen Euro hält der Stadtrat am geplanten Radweg-Lückenschluss in der Hopfener Uferstraße fest. 

Umgesetzt werden soll das Projekt aber nur, wenn bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst werden. Darauf hat sich der Stadtrat am Dienstagabend nach einer zähen Diskussion bei zwei Gegenstimmen der SPD verständigt. Unabhängig vom Radweg soll der geplante Parkplatz im Bereich der westlichen Ortseinfahrt heuer oder spätestens im kommenden Jahr gebaut werden.

Es ist eines der favorisierten Projekte von Bürgermeister Maximilian Eichstetter und seiner CSU-Fraktion und steht nun dennoch auf der Kippe – der geplante Lückenschluss des Radwegs in der Hopfener Uferstraße. Wie bereits mehrfach ausführlich berichtet, plant die Verwaltung, die etwa 1,3 Kilometer lange Lücke des Radwegs entlang der Uferstraße durch den Bau eines eigenen Streifens für Radfahrer zu schließen. Aus Sicherheitsgründen sollen damit die Radfahrer sowohl von der Uferpromenade als auch der Uferstraße herunter geholt werden.

Allerdings haben sich im Zuge der weiteren Detail-Planungen durch das Dietmannsrieder Ingenieurbüro Klinger die geschätzten Kosten auf – je nach Variante – etwas über vier Millionen Euro nahezu verdoppelt. Zunächst war von 1,2 Millionen Euro, im vergangenen Sommer schließlich von 2,8 Millionen Euro die Rede gewesen. Grund für die Steigerung sei, dass sämtliche Vorgaben der übergeordneten Fachbehörden erfüllt werden müssen, soll die Förderfähigkeit des Vorhabens nicht gefährdet werden, wie Sebastian Klinger und Hauptamtsleiter Peter Hartl bei der Vorstellung der aktuellen Planentwürfe am Dienstagabend erläuterten.

Teures Nadelöhr

Mit rund 490.000 Euro schlägt demnach der mittlerweile geplante Verlauf und Ausbau des Radweges südlich herum um das Restaurant „Fischerhütte“ mitsamt dem vorgesehenen gemischten Pflasterbelag zu Buche. Dieser ist erforderlich, da an diesem Nadelöhr keine saubere Trennung zwischen Fuß- und Radweg erfolgen kann und Fußgänger und Zweiradfahrer dieses Stück Weg gemeinsam nutzen müssen. Deshalb sollen beide Verkehrsteilnehmer mit einer unterschiedlichen Bepflasterung auf den Gefahrenbereich aufmerksam gemacht werden.

Weitere 270.000 Euro werden voraussichtlich verschiedene Maßnahmen zur Barrierefreiheit kosten. Unter anderem sind jetzt zwei Querungen über die Uferstraße für Blinde und eine Querung für Gehbehinderte geplant. Am Restaurant „Seehaus“ sollen zudem eine Rampe für Rollstuhlfahrer und zwei barrierefreie Zugänge zum See entstehen.

Zusätzliche 200.000 Euro veranschlagt Ingenieur Klinger für den Bau des neuen Parkplatzes im Bereich der westlichen Ortseinfahrt sowie den Umbau des Parkplatzes am Campingplatz.

Um nochmals 750.000 Euro teurer wird das Projekt, sollte die neu angedachte „Steg-Lösung“ verwirklicht werden. Diese sieht bei der „Fischerhütte“ einen Steg im See vor, der von den Fußgängern genutzt werden soll. Hier ist die Planung aber noch nicht gänzlich abgeschlossen. Sollte die „Steg-Lösung“ tatsächlich kommen, werden sich die Gesamtkosten nach derzeitigen Schätzungen auf rund 4,1 Millionen Euro belaufen. Wobei Hauptamtsleiter Peter Hartl darauf hinwies, dass derzeit angesichts vieler Unklarheiten die exakten Koste „ganz schwer zu definieren“ seien.

Vor allem bei den Freien Wählern (FW) und der SPD sorgte die enorme Kostensteigerung für Verwunderung. FW-Fraktionsvorsitzende Christine Fröhlich erinnerte daran, dass einst von 500.000 Euro Kosten die Rede gewesen sei und sprach von einer „krassen, krassen Erhöhung“. Erstaunt sei sie auch darüber, dass von den jetzigen Zahlen kurz vor Weihnachten bei den Beratungen zum Haushaltskonsolidierungsprogramm noch nichts bekannt gewesen sei. Angesichts der „Kostenexplosion“ werde sie den Bau des Radweges nicht mittragen, kündigte sie an.

Zweifel äußerte auch FW-Stadträtin Dr. Anni Derday. „Diese Maßnahme ist nicht lebensnotwendig“, sagte sie und schlug vor, die auf die Stadt zukommenden Kosten zu deckeln. Denn: „Wir wissen eigentlich gar nichts.“

SPD warnt eindringlich

„Hier werden uns Zahlen präsentiert, das ist der Wahnsinn!“, empörte sich Erich Nieberle von der SPD. Notwendige Projekte, wie bezahlbarer Wohnraum, schiebe man vor sich her, während man für ein Vorhaben mit fragwürdigem Nutzen viel Geld ausgeben wolle, wunderte er sich. Zudem sei unklar, was am Ende tatsächlich auf der Rechnung stehe. „Wir sind im Blindflug“, sagte er und verwies darauf, dass die Stadt aktuell über gar keinen genehmigten Haushalt verfüge.

Ilona Deckwerth warnte ebenfalls: „So unkalkulierbare Kosten können wir uns vor dem Hintergrund unserer Haushaltslage nicht leisten!“ Außerdem sei der Bau des Radweges eigentlich Sache des Staatlichen Bauamts in Kempten und nicht der Stadt „Das ist ein Luxusprojekt, dass wir originär nicht machen müssen.“

Sowohl Bürgermeister Eichstetter als auch Hartl beteuerten, dass auch sie von den neuen Zahlen überrascht worden seien. „Im Dezember wussten wir tatsächlich noch nichts davon“, sagte der Bürgermeister und verwies auf die Vorgaben der Fachbehörden als Grund. Er erinnerte daran, dass der Stadtrat aus Verkehrssicherheitsgründen das Projekt angestoßen habe und warb eindringlich dafür, die Bauleitplanung fortzusetzen, um zumindest Baurecht zu schaffen. „Uns fehlen nur noch Millimeter zur Auslegung des Bebauungsplans.“ Sollte die Stadt den Radweg nicht bauen, könnte das auf Basis der Pläne zu einem späteren Zeitpunkt immer noch das Staatliche Bauamt.

Hartl betonte, dass der Bau des Radweges nur machbar sei, wenn tatsächlich 90 Prozent der Kosten durch den Freistaat gefördert werden. „Nur dann ist die Maßnahme finanzierbar. Schon mit den 90 Prozent tun wir uns schwer.“ Denn dann liege der Anteil der Stadt immer noch bei den von Fröhlich angesprochenen rund 500.000 Euro.

Allerdings tut sich hier bereits das nächste Problem auf: Das Radwege-Förderprogramm „Stadt und Land“ ist ausgeschöpft ist. Nun will die Verwaltung nach anderen Fördertöpfen Ausschau halten. „Irgendwie wird uns das der Freistaat möglich machen“, gab sich Hartl zuversichtlich und verwies auf Signale aus verschiedenen Behörden. Denn: baut die Stadt den Radweg nicht, werden auch Neu- und Ausbau der Parkplätze am westlichen und östlichen Ortseingang nicht gefördert.

Auch deshalb warb die CSU dafür, an dem Vorhaben festzuhalten. „Das soll kein Luxusprojekt werden, sondern der Verkehrswende und der Sicherheit dienen“, sagte Simon Hartung. In die gleiche Richtung ging sein Fraktionskollege Andreas Eggensberger. „Wir haben ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und wir haben ein erhöhtes Besucheraufkommen. Hier geht es um die Sicherheit!“

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